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NEIL YOUNG: Die „Archives“ kommen auf Blu-ray Disc

11. Mai 2008

Diese Woche hat es der Großvater des Grunge angekündigt: Er wird seine sagenumwobenen „Archives“ – 45 Jahre unveröffentlichtes Tonmaterial, seien es nun Liveaufnahmen oder Studiosongs, alternative Aufnahmeversionen oder Bruchstücke aus dem Proberaum – im Blu-ray-Format ans Tageslicht befördern. Im Herbst diesen Jahres soll es dann endlich losgehen und die erste von fünf Blu-ray-Ausgaben kommt heraus, welche die „Early Years“ von 1963 bis 1972 abdecken wird.

Während Paul Cashmere von Undercover.com.au herumflennt „Neil Young is making a massive mistake by limiting his forthcoming Archive collection to Blu-Ray.“ (Artikel: „Has Neil Young miscalculated his fanbase?“) , sehen es viele Fans eher mit Vorfreude oder zumindest gelassen…

„I bought a CD player so that I could listen to WELD.
I bought a DVD player (with DVD Audio) so that I could listen to Road
Rock and watch Silver and Gold.
Will this be the next year Neil forces me to buy more consumer
electronics?“

Aber Neil Young wäre nicht Neil Young, wenn ihm die meisten Gedanken der Presse und seiner ach so treuen Fans nicht ziemlich egal wären. Hier macht ein Mann sein Ding, und das tat er schon immer. Wer das nicht mochte, der kaufte sich eben keine Alben wie „Re:ac:tor“ oder „This Note’s for You“. Wer meint, auf die Archives verzichten zu können, der kauft sich eben auch keinen Blu-ray Player. Young ist einer, der mit der Zeit geht. Young ist Perfektionist. Von beidem kann man sich wunderbar bei seinem jüngsten Auftritt der Sun Microsystems-Konferenz überzeugen, wo er höchstpersönlich auf den Plan trat, erstmalig öffentlich den ersten Teil der geplanten „Archives“-Reihe vorstellte und vor allem plausibel darstellt, warum die heißbegehrten Archive auf Blu-ray, und zwar ausschließlich auf Blu-ray, erscheinen sollen:


(http://www.oreillynet.com/onjava/blog/2008/05/neil_young_at_javaone.html)

Also, Mister Young, warum eigentlich Blu-ray?

Now with the Blu-ray we get the 192/24 sound, which is really cool… But the coolest thing about it besides the sound is the way you can navigate around on these discs […] It’s a chronological trip through my musical experience […] and it tells the story of my music in days […]. So what we needed was a technology that would let us go through this chronological thing, sort of like a video game, so that you can drop in anywhere on a timeline and have a representation of it… (Neil Young @ Jave One 2008)

Und während man sich all diese Memorabilia anschaut, durch Zeitungsartikel und museal anmutende Tonstudio-Gerätschaften stöbert, läuft die Musik der Wahl dazu in diesem wunderbaren Sound:

„I thought DVD would be good enough, but you couldn’t navigate around materials whilst listening to the music, and I thought that that’s what my fans would want to do.“(Neil Young)

Hinzu kommt, dass eine Blu-ray Disc derzeit die fünffache Speicherkapazität einer normalen DVD hat. Diese und oben genannte Fakten scheinen dem Zweifler Paul Cashmere noch nicht eingeuleuchtet zu haben…

„1. What if I can’t afford a Blu-Ray player? It is a valid point. Young fans aren’t all as rich as Neil Young, and the Blu-Ray top-of-the-range technology for your home comes at a top-of-the-range price.

2. What if I can afford it, but use another platform? PlayStation 3 supports Blu-Ray. If I have PS2 or PSP, the Neil Young Archives can’t be played. Also if my player of choice is X-Box, I cannot play the Archives.“

Und was würde es wohl kosten, wenn man die gleiche Musik auf unzählige CDs oder gar hunderte von Vinyls pressen würde? Und so arm sind Neil Young-Fans nun auch nicht. Ohne mit der Wimper zu zucken werden da Eintrittskarten für 150$ verkauft. Die Archives sind ja eh nur was für die wirklichen Nerds, die sich früher oder später sowieso einen Blu-ray Player kaufen werden. Mein CD-Player spielt übrigens auch keine CDs ab, so eine Überraschung. Aber das ist der Lauf der Dinge. Irgendwann spielt auch eine PS2 nicht mehr mit, dann kauft man sich wahrscheinlich keine PS2 mehr, wohl weil es sie gar nicht mehr im Handel gibt. Man nennt es technische Evolution. Dann ist gibt es eben eine PS3 mit Blu-ray-Funktion (die ganz nebenbei bemerkt auch noch CDs und DVDs abspielen kann). Es ist doch wirklich nur eine Frage der Zeit, bis alles erschwinglich wird… Nein, ich habe (noch) keinen Blu-ray-Player. Fakt ist, dass ich mir dennoch die Archives kaufen werde und zum richtigen Zeitpunkt dann auch erschwinglichen Blu-ray-Player.

„3. What if I do have PS3 or a Blu-Ray disc but want to listen to the archive elsewhere? I can’t. The technology won’t allow me to download the music to my iPod or burn it to CD. I cannot play the Archive in my car, I can’t play it when I travel and I certainly can’t move it from room to room, unless I have another Blu-Ray player.“

Es ist ja auch nicht der Sinn der Sache, die Archives im Auto als Hintergrundmusik laufen zu lassen. Die Archives werden ein audiovisuelles Produkt, natürlich mit Schwerpunkt auf eine perfekte Audio-Umsetzung, aber mit dem entscheidenden Mehrwert, in eine aufwändig gestaltete Archivumgebung eintauchen zu können, wertvolle und für Fans interessante Zusatzinformationen aus erster Hand zu bekommen. Das wird mehr als die obligatorische Bildergalerie, schnödes Beiwerk einer herkömmlichen DVD.

Ich freu mich jedenfalls riesig auf die erste Ausgabe, ganz nebenher ist die Phase um 1969 bis 1972 auch meine Lieblingsschaffensphase des Neil Young. Viele Fans der „alten Garde“ könnten sich vom rockenden Urgestein ruhig mal eine Scheibe abschneiden.

Und dann heißt es letztendlich noch: abwarten. Schon lange wurden die Archives angekündigt, mal in dieser Form, mal in jener. Sie sind ein Mythos. Aber es gibt ihn, den Young’schen Keller, der voller Schätze steckt, die gehoben werden wollen. Young ist ein gewissenhafter Archivar und kennt seine Sammlung ganz genau. Gesegnet sei der Archivkunde-Student, der hier mal ein Praktikum machen darf.

Einen weiteren Vorgeschmack, wie so etwas aussehen kann, erhält man bereits jetzt:

Noch eine Fußnote angesichts der Blu-ray-Entwicklungen: Der Hersteller TDK hat auch schon die vierlagige Blu-ray Disc mit einer Speicherkapazität von 100 GB entwickelt und arbeitet derzeit fleißig an der achtlagigen 200 GB-Disc. Ein hauchdünner Traum in blau. Es klingt fast wie Kuchen backen, dieses Übereinanderstapeln vieler kalorienreicher Schichten. Nur leider ist eben mal jeder Kuchen aufgegessen. Was einen vor die Frage stellt: Wie lange werde ich an meinen Blu-ray-Scheiben Spaß haben, bevor sie eines natürlichen Todes sterben? Das wird sicher herstellerabhängig sein. Die ersten CDs hielten immerhin auch nur etwa 15 Jahre, mittlerweile ist der Standard natürlich gestiegen und man steht bei einem halben Jahrhundert. An regelmäßiges Umkopieren sollte man also schon denken. Ist das mit Blu-ray-Discs möglich? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Vermutlich wird die professionelle Langzeitarchivierung ihre Lösungen dafür haben, in ein paar Jahrzehnten, wenn die ersten Blu-rays innerlich verfallen, sicherlich, doch werden meine Enkel, sofern sie denn überhaupt an Neil Young interessiert sind (…dafür werde ich sorgen!), noch die Möglichkeit haben, in den Archiven zu stöbern? Eines steht fest: Blu-ray wird die DVD ablösen, denn sowohl die Hersteller der Abspeilgeräte als auch alle namhaften Filmstudios haben der HD-DVD abgeschworen und werden sich künftig auf Blu-ray stürzen.

Wie auch immer, ob das, was am Ende auf den Discs erscheinen wird, wirklich alles ist, was der Meister in seinem Keller hortet, wage ich zu bezweifeln. Das weiß auch nur er persönlich… oder eben der glückliche Praktikant.

Für mehr Informationen zu Blu-Ray allgemein:
http://www.blu-ray.com/info/
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