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Múm: Early Birds

2. Juli 2012

Neues aus der Vergangenheit: Die experimentellen Elektro-Folker von Múm haben sich dazu entschlossen, in ihrer Schatzkiste zu kramen, um ihr 15-jähriges Bestehen mit der Compilation „Early Birds“ zu würdigen. Hierbei handelt es sich nicht um einen regulären Longplayer, sondern vielmehr um ein Best-Of der frühen Jahre – ein Recycling der Extraklasse sozusagen.

Was hat Múm dazu veranlasst nach eineinhalb Dekaden diesen Querschnitt der frühen Werke zu veröffentlichen? Gründungsmitglied Örvar bringt ein wenig Licht ins Dunkel:

Wir hüten diese Sammlung an Songs und Fragmenten schon sehr lange und haben wohl einfach auf den passenden Moment gewartet, sie der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Es war eine großartige Erfahrung sich durch 20 bis 30 Stunden Musik zu hören, die all die Jahre auf Kassetten schlummerte.

Und so beginnt auch für jene, die „Yesterday was dramatic – Today is OK“, sowie „Finally we are no-one“ kennen und lieben, eine Art Déjà-vu-Erlebnis, sobald die ersten Takte von „Bak Þitt Er Sem Rennibraut“ erklingen. Die Mischung aus elektronischen Beats, akustischen Instrumenten, Voicesamples, Clicks & Cuts – und diesen sympathischen „Casio-Kinderkeyboard“-Sounds wurde über die Jahre zwar in ihrer Intensität variiert, die Basis ihrer Stücke jedoch immer beibehalten. Gesang im herkömmlichen Sinne (wie beispielsweise auf den letzten beiden Veröffentlichungen „Sing along to songs you don´t know“ und „Go go smear the poison ivy“) findet man auf „Early Birds“ bis auf eine Ausnahme nicht. Laut Örvar ist dies jedoch mit dem Fluss der Zeit und der damit verbundenen Entwicklung zu begründen. In ihren Anfängen war die Musik von Múm rein instrumental, der Gesang floss nach und nach in die Kompositionen, und wuchs.

Múm – Early Birds – Lalalala Blái Hnötturinn (morr music) by pdis_inpartmaint

Nach über einem Jahrzehnt – und um einige Erfahrungen reicher – stellt sich natürlich auch die Frage nach den musikalischen Einflüssen der jungen Formation – und den Inspirationen der Gegenwart.

In gewisser Hinsicht stehen wir nach wie vor genau dort, wo wir angefangen haben. Andererseits sind wir musikalisch gesehen auch weit gereist, haben unseren Horizont erweitert, viel experimentiert. Ich denke jedoch, dass man trotz all der Einflüsse nie den Bezug zu seinen Wurzeln verliert.

Múm tragen eine unverwechselbare Grundstimmung in sich, die es ihnen trotz der Wanderungen durch andere Gefilde erlaubt zu jedem Moment nach Múm zu klingen. Aus vielen kleinen Steinen und bunten Scherben werden einzigartige Mosaike, in denen man sich gern verliert. Die Stücke sind weder laut, noch leise. Aber sie vibrieren wahrnehmbar vor Energie und passen sich wie von selbst der Stimmung des Hörers an.

Woher nur kommen die zahlreichen Inspirationen für die einzelnen Songs?

Allein der Zauber selbst Musik zu machen, etwas Eigenes entstehen zu lassen, ist Inspiration genug. Früher haben wir uns sehr oft zurückgezogen und jeder einzelnen Idee einen Platz eingeräumt. Nach wie vor sammeln wir Geräusche, Sprachfetzen und andere Sounds mit einem tragbaren DAT-Recorder. Auch heute genießen wir es, die Welt einfach auszusperren und uns ganz der Musik hinzugeben. Die Quellen unserer Einflüsse sind heute noch dieselben wie vor 15 Jahren. Die einzige spürbare Veränderung ist jene, dass wir unsere Ideen heute länger reifen lassen, bevor wir sie nach außen tragen und mit ihnen arbeiten.

Múm – Early Birds – Hvernig Á Að Særa Vini Sína – Previously Unreleased (morr music) by pdis_inpartmaint

Örvar und sein Kreis von Mitstreitern setzt all das mit Hingabe um. Auf „Early Birds“ gewisse Schlüsseltracks zu finden, erweist sich als unmöglich. Dieses Album ist weniger Compilation, sondern mehr Soundtrack einer Bandgeschichte, welcher durchgehend einfach gut klingt und sich gut anfühlt.
Apropos „gut fühlen“ – Múm haben in ihrer Vergangenheit immer wieder mal ihre Zelte in Europas Metropolen aufgeschlagen, den besten Eindruck scheint Berlin hinterlassen zu haben.

Wir lieben Berlin! Sie ist eine der dynamischsten Städte weltweit; so ruhig und gleichzeitig so pulsierend. Prag ist uns ebenfalls sehr ans Herz gewachsen. Das Leben in Reykjavík fühlt sich momentan eher seltsam an. Es wird ein ideologischer Kampf ausgefochten, der in seinem Kern allerdings leer und kraftlos ist. Reykjavík wirkt zur Zeit sehr ermüdet.

Eine gute Gelegenheit den Blick in die Zukunft zu richten… Múm arbeiten bereits intensiv am nächsten Longplayer, geben hier und da ein paar ausgewählte Konzerte. Man plant jedoch nach dem Erscheinen des nächsten Albums den Tourplan auszubauen. Und vielleicht kommen Múm dann auch wieder für ein paar Shows nach Deutschland. Bis dahin bleibt uns genug Zeit, um „Early Birds“ zu entdecken – und abschließend festzustellen, dass sich schon vor 15 Jahren abzeichnen ließ, wie groß Múm einst werden würden. Ein durchweg schönes Sammelsurium, welches das bisherige Schaffen der Band abrundet.

Múm im Internet.
Homepage: http://mum.is
Facebook: www.facebook.com/mumtheband

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