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MOTÖRHEAD und BLACK STONE CHERRY @ Arena Chemnitz | 12.12.2009

13. Januar 2010

Nach Leipzig und Dresden war nun auch mal Chemnitz dran. Lemmy und Co. kommen gern nach Sachsen. Und dazu haben sie eigentlich auch allen Grund, denn der Zuspruch der Band ist hier ungebrochen, denn bereits eine gute halbe Stunde vor Einlass hatten sich bereits zig Meter lange Schlangen von Metallern, Rockern und Normalos vor der Chemnitzer Messe versammelt. Von der „Global Warming Tour“ war in der Kälte am 12. Dezember aber erstmal nichts zu spüren. Trotzdem wartete man ausgesprochen gesittet, um dem letzten Motörhead-Gig in Deutschland beizuwohnen, bevor es für Lemmy und Co. dann ein paar Tage später in Richtung Helsinki gehen sollte…

Black Stone Cherry - 12.12.2009 #3 Für die Southern Rocker BLACK STONE CHERRY aus einem kleinen Städtchen im US-amerikanischen Kentucky war es gar der letzte Auftritt einer auf ganzer Linie erfolgreichen Tour. Die sympathische Truppe versprühte jedoch von Anfang an eine Energie wie zu einem Tourauftakt: spielfreudig und immer mit einem Lächeln und coolen Posen. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen bluesigem Heavy Rock á la Led Zeppelin und groovigem Südstaaten-Metal sowie gefälligen Melodien, die schnell ins Ohr gehen. Dass die jungen Herren dann noch sehr ansehnlich und ohne großes Machogehabe agierten, dürfte vor allem den wenigen weiblichen Anwesenden positiv aufgefallen sein. Insbesondere Drummer John Fred Young konnte begeistern. Ein richtiges Energiebündel mit fliegender Mähne und extrem treibendem Drumming mit ein bisschen Show: wirbelnde Drumsticks, Spielen im Stehen und als Bassist Jon ihm seinen Viersaiter hinhielt, wurde jener mit den Drumsticks mal kurz malträtiert.
Als Sängergitarrist Chris Robertson in breitestem Amislang in die Runde fragte, wer BSC denn schon kenne, meldeten sich nicht viele. Feststehen dürfte jedoch, dass sich die vier jungen Burschen etliche neue Fans erspielen konnten. Schade nur, dass es keine CDs zu kaufen gab. Ganz schwach sowas.


Auch von Motörhead gab’s übrigens keine CDs am Merchstand. Dafür sinnvolle Sachen wie signierte Riesenplektren und überteuerte Pullis. Oder wie es ein Besucher mit angebrachter Entgeisterung formulierte: „Dreiß’sch Euro für e Niggi!?“

Während DER W drin schon begann, seinen Post-Onkelz-Rock auf die Motörhead-Anhänger loszuballern, nutzten viele die Zeit zur Versorgung des leiblichen Wohls, zum Beispiel mit durchaus leckeren Fischbrötchen, oder zum Anstellen an der Herrentoilette. Die wenigen Damen genossen es dabei sichtlich, ohne jegliches Warten grinsend an der Männerschlange vorbeizugehen…
Motörhead - 12.12.2009 #06 Der W ist übrigens vom Bier- oder Becherovka-Stand am besten zu verfolgen. Zwar ist sein Hard Rock nicht ganz so schlimm wie das „HerumgeOnkel“ der letzten 25 Jahre, aber auch nichts, wofür es sich zu drängeln lohnt. Den Spruch „Schneller, höher, Weidner“, der da auf einem großen Transparent über der Bühne prangerte, kann man entweder als Arroganz oder gesunde Selbstironie deuten. Da die Onkeletten noch nie besonders an Humor litten, tippe ich einfach mal auf grenzenlose Selbstüberschätzung. Mann muss dem W zugestehen, dass seine ehrlich-handgemachte Musik doch vielen im Publikum gefallen hat…

Motörhead - 12.12.2009 #15 Doch kommen wir zu einer anderen Liga. Einem Kult. MOTÖRHEAD. Alles wartete gespannt und freute sich, zum Zeitvertreib während des Wartens ein kleines ferngesteuertes Flugzeug über der Bühne kreisen zu sehen bis schließlich die Herren Campbell, Dee und Kilmister die Bühne betraten. Natürlich durften Lemmys altbekannte Worte nicht fehlen: „We are Motörhead and we play rock’n’roll!“ Gesagt getan. In typischer Pose mit nach hinten geneigtem Kopf stellte sich das Urgestein vors Mikro, bewegte sich nicht von der Stelle und rotzte mit seinen beiden Begleitern einen Hit nach dem nächsten heraus. Hin und wieder ließ sich der alte Meister zu einem krächzend-rasselnden, irgendwie auch wissenden Lachen hinreißen, das in etwa sagt „Was wisst ihr Pimpfe schon vom Rock’n’Roll? Ich hab sie alle kommen und gehen gesehen und hier stehen wir immer noch und spielen die gleiche Scheiße wie vor 30 Jahren, nur ein bisschen lebensbesoffener.“ Besondere Akzente konnten mit dem Twisted Sister-Coversong „Shoot ‚em down“ und dem erfrischend anders klingenden Akustikstampfer „Whorehouse Blues“, bei dem sich Lemmy sogar zum Mundharmonikaspiel hinreißen lässt. Spät kamen dann die Klassiker „Ace of Spades“ und „Overkill“, aber nach knapp 2 Stunden feuchtfröhlichen Feierns dürfte jeder Besucher rundum zufrieden aus der proppevollen Arena getorkelt sein. Sind wir mal gespannt ob und wohin es Motörhead dieses Jahr um die Weihnachtszeit wieder verschlägt. Zu guter letzt noch die Setliste des Abends

6 Kommentare

  1. Wie gewohnt schön geschrieben :)

    Wie war das denn mit den CDs? Hatten sie auf der kompletten Tour keine dabei oder waren die einfach ausverkauft? was ich mir beim letzten Gig schon vorstellen könnte. Wobei es ja nur der letzte in Deutschland war, zumindest für Motörhead. hm…

    #1131
  2. Gute Frage, weiß ehrlich gesagt nicht, ob’s bei den anderen Gigs auch keine CDs zu kaufen gab.. stelle mir gerade vor, wie Lemmy aus CD-Not den Chemnitzer Mediamarkt stürmt und seine eigenen CDs beim Kassierer einfordert: „It’s my own music, you sonuva..“ 😀

    #1154
  3. Antje

    Toller Artikel und sehr schöne Fotos! Kann das beurteilen, war nämlich auch da. Freue mich, dass ich meinen Wortschatz erweitern konnte, kannte bis jetzt nur die „Pantolette“ und die „Assilette“, von der „Onkelette“ hatte ich noch nie gehört…

    #1167
  4. Marena

    Lebensbesoffener? Ein cooles Wort! So fühlt man sich nur bei einem Motörhead-Konzert, den Göttern des R’n’R! Lemmy rules! Übrigens: Das Haar ist gefärbt, und das seit 30 Jahren. Oder wie man in C vielleicht sagt: Dreißsch Ga’arn.

    Ein tolles Konzert haben die alten Männer da hin gebrettert, mir hats wirklich gut gefallen. Schöner Artikel. Und deine Fotos sind spitze!

    #1224
  5. Merci für eure lieben Kommentare! In welcher Säggs’schen Großstadt spielen die eigentlich dieses Jahr?

    #1247
  6. Ein wirklich gut geschriebener und sehr interessanter Bericht! Ich habe Black Stone Cherry bislang noch nicht live erleben können, aber die CDs der Band gefallen mir schon richtig gut. Wenn ich das richtig deute, lohnt es sich wohl auf jeden Fall die Entwicklung der Band weiterzuverfolgen!

    #1841

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