Suche

Melissa Etheridge @ Astra, Berlin | 01.03.2012

2. März 2012

Man meint, die Welt dreht sich heutzutage schneller, man kommt kaum hinterher, neue Musiker aufzufangen, die größtenteils in der großen weiten Internetwelt geboren werden.

Bereits seit weit über 20 Jahren dreht Melissa Etheridge erfolgreich ihre Runden, sie geht sozusagen als Urgestein der Musikgeschichte durch. Die 50-jährige ist jemand, die auch im digitalen Zeitalter nicht in Vergessenheit gerät, dafür hat sie schon zu viele knietiefe Fußabdrücke hinterlassen. Auf dem Hollywood’s Walk of Fame blinkt ihr Stern, in ihrer Vitrine stehen zwei Grammys und sogar ein Oscar, den sie vor gar nicht all zu langer Zeit für den Song „I Need to Wake Up” erhielt, der im Klima-Dokumentarfilm „An Inconvenient Truth“ für musikalische Bereicherung sorgte. Die Sozialaktivistin ist zugleich Motivatorin, weil sie einst den Brustkrebs besiegt hat, und zuguterletzt ist sie Sprachrohr und Ikone für unzählige lesbische Frauen. Der Anteil weiblicher Besucher von sehr jung bis älter war deshalb überdurchschnittlich hoch am gestrigen Abend als die Amerikanerin nach anderthalb Jahren mal wieder ihre Zelte in Berlin aufschlug.

Für uns war es eine Etheridge-Live-Premiere im Gegensatz zu den meisten anderen Anwesenden, die jede Textzeile lauthals mitsingen konnten. Sie spricht ihnen halt aus der Seele: „Hello Berlin, are you ready? Let’s be fearless!“ Ja, sie wirkt furchtlos, doch liebevoll und ehrlich zugleich: „I always feel like I’m in my living room here, with friends… come in, be warm, I got some stories to tell about some things I learned, some things I didn’t wanna learn!“ Kein Song wurde unkommentiert gelassen, am eindringlichsten berührte uns die Geschichte zur Maueröffnung im November 1989. Um ost- und westdeutsche Bürger zusammenzuführen, wurde kurzerhand ein frei zugängliches Konzert in Berlin organisiert. Melissa Etheridge war eine von weltweit erfolgreichen Künstlern, die sich auf einer Bühne vor zehntausenden Menschen wiederfand. Man konnte die Ostdeutschen gut erkennen, sie machten die größten Augen. „You were doing something amazing, you were changing the course of history, for your children, for your children’s children, for my children, and for that I am grateful. I learnt that you can do anything, yes you can.“ Bisher unkommentiert gelassen haben wir, dass sich Melissa Etheridge als erstklassige Musikerin entpuppte, ihr rauchiges Organ schallte an diesem Abend sowieso einmal quer durch Berlin, alte und neue Songs harmonierten perfekt miteinander. Für ihre Band hatte das Publikum ebenfalls viel übrig, Bassist Brett Simons zupfte sich sogar bis zur deutschen Nationalhymne. Normal wirken solche Ausflüge eher peinlich. Nicht aufgesetzt zu wirken ist der Trick, und den beherrschten Melissa und ihre drei Mitmusiker außerordentlich gut!

Nach zwei beeindruckenden Stunden zeitloser Live-Musik verabschiedete sich die Sängerin unter tosendem Applaus, und wir nahmen eine wichtige Erkenntnis mit nach Hause: „It’s okay to be different!“

Setlist. Fearless Love / If I Wanted To / Chrome Plated Heart / I Want To Come Over / Let Me Go / Lucky / Come To My Window / The Different / No Souvenirs / Precious Pain / Drag Me Away / Must Be Crazy / Nervous / Bring Me Some Water // Zugabe: Like The Way I Do

>> Zu allen Bildern von Melissa Etheridge im Astra

Melissa Etheridge im Internet:
Offizielle Homepage: www.melissaetheridge.com
Facebook: www.facebook.com/MelissaEtheridge

Video.

Schreib einen Kommentar