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Max Richter – From Sleep (Review)

8. September 2015
Max Richter - From Sleep

Max Richter – From Sleep

Es gibt da Jemanden, der es versteht klassischer Musik fernab aller Konventionen ein sanftes Beben einzuhauchen. Der Melancholie zu dem vertont, was sie eigentlich ausmacht: stille Schönheit. Der immer nach neuen Herausforderungen strebt und diese meist abseits ausgetretener Pfade findet. Sein Name ist Max Richter. Geboren in Hameln, aufgewachsen in England. Durch sein Studium (Klavier und Klassische Komposition) geprägt, führte ihn sein Weg seit jeher in die Andersartigkeit der mal orchestralen, mal minimalistisch experimentellen Welt des Komponierens. Richters Solodebüt „Memoryhouse“ erschien 2002 und hat bis heute nichts von seiner sphärischen Intensität eingebüßt. Neben seiner Solokarriere widmete sich Max Richter zahlreichen Projekten im Bereich der Filmmusik und vertonte nicht zuletzt die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi neu. Nun jedoch ist die Zeit reif für ein weiteres Werk, dessen Konzept kaum simpler sein könnte. „Sleep“ umfasst eine achtstündige Komposition, die den Hörer beim Einschlafen begleiten soll. Ein Soundtrack für die Reise ins Reich der Zwischenwelt. Ein Freund, der im Schlaf über einen wacht. Seine Premiere soll das Werk in ganzer Länge noch dieses Jahr in Berlin feiern. Von Mitternacht bis 08:00 Uhr früh. Die Zuhörer selbst werden die Uraufführung-im Sinne des Komponisten-in einem Bett verfolgen.

Die Essenz von Richters Experiment kommt als „From Sleep“ in einstündiger Form daher, fasst dieses Mammutprojekt harmonisch zusammen und dient laut Richter als „eine Reihe von Fenstern zu dem großen Stück“. Sich mit etwas derart Profanem wie Schlaf zu beschäftigen, reizte ihn sehr. Dieser Zustand, der Geist und Körper Erholung schenkt, dem wir uns tagtäglich hingeben und dessen Relevanz wir selten die Aufmerksamkeit zukommen lassen, den er eigentlich verdient. „From Sleep“ ist daher sinngemäß ein gleichmäßig atmendes Album, das einen sanft in die Traumwelt hinübergleiten lässt. Klavier, Streicher, Ambientelemente, sowie Gesang, der sich beruhigend und gewollt schläfrig in die großflächigen Klanggebilde einfügt. Max Richter fasst seine Reise in die Welt von Hypnos und Morpheus wie folgt zusammen: „Es ist mein persönliches Wiegenlied für eine hektische Welt, ein Manifest für eine langsamere Gangart des Lebens.“ Vielleicht ist dies der Moment, um dem Begriff „Zeit“ eine andere Bedeutung beizumessen.

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