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MARY EPWORTH AND THE JUBILEE BAND: „Dream Life“

11. Februar 2012

Mary habe ich eigentlich rein zufällig in einem Kleinstädtchen der gehobenen Mittelklasse nahe London kennengelernt. Wer erwartet da schon eine Musiktante aus Deutschland? Zufällig hatte Ms Epworth dann auch in diesem Non-Touri-Pub ihr Debütalbum in der Tasche, welches am 5. März über ihr eigenes Label Hands Of Glory Records herauskommen soll. Ihr Bruder ist übrigens keiner Geringerer als Paul Epworth, der schon für „große Fische“ wie Adele, die Gnarls Barkley-Sirene Cee Lo Green oder Kate Nash hinter den Reglern saß und derzeit einer der angesagtesten Produzenten Londons ist.

Wieder daheim mit keinerlei Erwartungen gab ich der Promo mal einen Testlauf und musste sofort feststellen, dass diese Musik mit all dem oben genannten herzlich wenig zu tun hat. Mary und ihre Jubiläumsbande zauberten mir unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht. Der Sound ist ein bisschen Lo-Fi, aber ich find ihn genial! Was uns hier vorliegt ist ein bemerkenswertes Debütalbum, welches von großzügigen 60er-inspirierten Bläsersound-Pomp bishin zu leisen, sehr privaten Liebesstücken mit einer verqueren Note reicht… von kraftvoll bis fragil, von leicht unheimlich bis luftig.

Es beginnt mit der bläsergeschwängerten Hymne „Long Gone“, die schon mal das gesamte Spektrum von Marys ausdrucksstarker aber durchaus angenehmer Stimme auf einem dicken Teppich kultig quäkender Trompetenfanfaren ausbreitet. Das nächste Stück „Black Doe“ ist ganz anderer Natur, eine Ausnahme auf dem Album, ausnehmend gut! Lustvoll, groovy, mit einem fiesen, fetten Drive und stark verzerrten Gitarren… das breite Grinsen wieder… diesmal von Ohr zu Ohr. Aber überzeugt euch selbst:


Wenn man sich das gesamte Album über längere Zeit aber mal genauer anhört, wird man gefangen sein in den Tiefen dieser verträumten, reifen Stimme, die sich über alle Arten handgemachter Musik von Country bishin zu so etwas wie Soulpop erstreckt. Und das alles inmitten dieser sparsam geschriebenen Songlandschaften, die auf ihren Kern reduziert und anschließend wieder durch altmodische, aber dennoch frisch klingende Effekte bereichert wurden.

Ganz anders ist auch wieder „Sweet Boy“, ein abschiedstriefendes Akustikstück fürs Herz: sehr country-inspiriert, so dass dein eigenes Inneres als Pedal-Steel-Gitarre darauf antwortet. Du wirst sehen, du nimmst hier eine Rolle ein, wirst zur eigenen Stellungnahme herausgefordert. Und dann wirst du verstehen, was Mary meint mit den Worten

„I have known a lover’s love, that fell to the gray of a brother’s love“

Oh, und dann erinnert mich Marys Stimme hier und da an die Msike Oldfield-Sängerin Maggie Reilly. Das ist aber durchaus nett gemeint, denn beide sind Stimmen, die fliegen möchten. Nimm zum Beispiel „Two For Joy“… oder besser noch „Trimmed Wings“… Hier hast du dann das perfekte Bild vom gefangenen Vogel, sogar in die angemessenen Worte verpackt. Das ist dann genau, was ich eingangs mit „luftig“ meinte.

Die zweite Hälfte des Album wird dann viel ruhiger, introspektiver und ein bisschen träumerisch-traurig. Das Highlgiht ist hier das herzzerreißend sehnsüchtige „Come Back To The Bough“, das klingt wie wenn kleine nackte Füße suchend über den Waldboden schleichen. Das Album „Dream Life“ endet in einer verschwommenen Welt zweier vielschichtiger Psychedelic-Balladen. Klingt komisch? Ist es vielleicht auch. Es ist eben ein trip, ein sehr guter!

‚You can completely dream a life, you can have a life so wonderful that you might call it a „dream life“ – the truth is probably the longing between those two.‘ Diesen Gedanken über den Albumtitel kann ich mir nicht übesetzen. Für mich persönlich ist das genau die Spannweite innerhalb derer dieses Album so wunderbar unvorhersehbar mäandert. Es zielt in so viele verschiedene Richtungen, dass ich schon verdammt gespannt bin, welchen Weg Mary und ihre Jubilare demnächst einschlagen werden… Hoffentlich die Straße – eine Tour muss her! Mit möglichst vielen Ohren am Wegesrand, die sich diesen Tönen widmen werden!

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Mary Epworth official: www.maryepworth.com
Mary Epworth @ Facebook: https://www.facebook.com/maryepworth

4 Kommentare

  1. Jana Legler

    Auf Perlentauchgang. Danke, fürs Entdecken, saubere Sache das!

    #3730
  2. Yep, die wird noch was! Ihr Bruder hat mit Adele übrigens gerade alle möglichen Grammy-Titel abgeräumt… By the way, ich find auch Adele ziemlich cool… Mainstrüüüm! ^^

    #3731
  3. Es gibt ja auch keinen vernünftigen Grund Adele nicht gutzufinden :)

    #3734
  4. Naja, ist schon manchmal ganz schön dick aufgetragen… 😉

    #3735

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