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Markus Heitz auf tänzerisch-musikalischer Lese-Tour

am
3. Februar 2010

Moment mal, da wird eine Autorenlesung auf RockZOOM angekündigt? Was hat denn das mit Musik zu tun? Die Antwort ist in diesem Fall einfach; Markus Heitz, einer der wohl bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren (der durch seine Shadowrun-Rollenspiel Romane bekannt und durch die Reihe „Die Zwerge“ berühmt wurde), wird zwar nicht selbst singen und tanzen, hat sich aber zur Lese-Tour seines neuesten Werkes musikalisch-tänzerische Verstärkung an Land gezogen. Er wird nicht wie gewohnt „nur“ ein paar Kapital aus seinen Werken, in diesem Fall aus dem Buch „Judassohn“ vorlesen, sondern wird dabei neo-klassisch-musikalisch von „Persephone“ unterstützt.

Bei Persephone handelt es sich in diesem Fall nicht um die griechische Göttin, sondern um das Seitenprojekt von L’âme Immortelle-Frontfrau Sonja Kraushofer. Ich muss zugeben, dass mir die Band persönlich noch nicht bekannt war, was sich wohl dadurch erklären lässt, dass ich mich trotz meiner Vorliebe für das gelegentliche Horror/Fantasy-Buch nicht sonderlich für die Gothic-Musikszene interessiere. Umso gespannter werde ich also diesem Event hingegen sehen.

Wort und Klang sind aber erst zwei der drei Bestandteile dieses „Events für die Sinne“. Zusätzlich haben Heitz und Persephone sich die Tänzerin Asherah Latifa als Verstärkung geholt. Diese widmet sich (laut Website) seit über 10 Jahren dem Orientalischen- und Zigeunertanz mit einer großen Vorliebe für experimentelles Tanzen. Man darf also sehr gespannt sein, wie sie die Vampirgeschichte in „Judassohn“ interpretieren wird.

Bei dem trotz aller Sinnberauschung wohl wichtigstem Aspekt der Tour, dem Roman „Judassohn“, handelt es sich um das Nachfolgewerk zu Markus Heitz‘ Roman „Kinder des Judas“. Bei diesem christlich angehauchten Titel denkt man vielleicht nicht unbedingt gleich an das eigentliche Thema des Buches (Vampire), fängt man selbiges aber erstmal an zu lesen, wird man schnell merken, dass es sich hierbei nicht um ein ’normales‘, wie sonst üblich klischeebelastetes Buch handelt. Heitz hatte wohl, wie ich auch, die Schnauze voll von funkelnden unsterblichen Romantikern und hat sich stattdessen ganz auf den Ursprung des Vampirmythos konzentriert. Denn wer sich schon mal die Zeit genommen hat, den Wikipedia-Artikel über Vampire zu lesen, wird wissen dass der Vampirmythos nicht wie oft angenommen in Rumänien durch den „Pfähler“ Vlad Ţepeş entstand. Der Mythos existiert schon weitaus länger und hat sich dann im 18. Jahrhundert aus dem heutigen Serbien über den ganzen Balkan und letztendlich auch bis nach Deutschland ausgebreitet. Es gab zu der Zeit eine regelrechte Vampir-Panik; die religiös geprägten Menschen haben damals überall und in allem Vampire gesehen, unschuldige Menschen wurden ähnlich wie Hexen gejagt und getötet, Verstorbene exhumiert und anschließend geköpft und/oder verbrannt. An dieser Stelle ist übrigens auch Heitz‘ kleines Sachbuch „Vampire! Vampire!“ sehr empfehlenswert, was diese Folksglauben mit viel Humor wiedergibt.

Viele dieser Fakten finden sich im Roman „Kinder des Judas“ wieder, und ab und zu taucht sogar die eine oder andere historische Figur auf. Alles in allem ist es ein sehr intelligent geschriebenes Buch, was zudem über seine 700 Seiten nie langweilig wird – ich fand es so spannend, das ich jede freie Minute zum lesen genutzt hab. Das passiert mir sonst eigentlich nur wenn Neil Gaiman mal wieder ein neues Buch veröffentlicht hat…

Die „Judassohn“-Tour wird meine zweite Lesung von Markus Heitz – bereits im Oktober 2009 hatte ich das Vergnügen ein paar Kapitel aus dem Roman „Drachenkaiser“ von ihm in der Düsseldorfer Stadtbibliothek vorgelesen zu bekommen. Leider schienen die Veranstalter für diese Lesung nur auf Klotüren Werbung gemacht zu haben, so das letztendlich nur eine sehr kleine Gruppe von ca. 30 Leuten anwesend war. Trotzdem war es eine sehr interessante und unterhaltsame Erfahrung, da Heitz trotz der düsteren Thematik sein Werk mit viel Humor präsentiert hat.

Ob „Judassohn“ mit „Kinder des Judas“ mithalten kann und wie die musikalisch-tänzerische Lesung letztendlich vonstatten gegangen ist – demnächst auf RockZOOM!

Tourdaten:
20.03.2010: Leipzig, Victor Jara
22.03.2010: Berlin, K17
23.03.2010: Hamburg, Markthalle
24.03.2010: Nürnberg, Hirsch
25.03.2010: Duisburg, Forum Rheinhausen
26.03.2010: Frankfurt, Batschkapp
27.03.2010: Limbach / Saar, Dorfhalle

Links:
» Judassohn-Tour Offizielle Website
» Markus Heitz‘ Offizielle Website
» Persephone’s Offizielle Website
» Asherah Latifa’s Offizielle Website
» Judassohn-Tour Twitter Account

2 Kommentare

  1. ..“dark-düster“!? 😀

    #1488

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