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Madsen und Bosse @ Ringlokschuppen, Bielefeld | 11.01.2009

8. Februar 2009

Sie sind irgendwie die ultimative Festival-Band. Madsen. Anhänger freuen sich stets auf eine solide Dreiviertelstunde gute norddeutsche Rockmusik. Nichtkenner und Eigentlichgeradevorbeigeher denken: Huch, och, das hat Schmiss. Stehn geblieben. Verdammt, ich beherrsch’ die Texte nicht, die anderen grölen doch so beharrlich mit. So ist es mir jedenfalls ergangen als ich die Burschen aus dem Wendland einst auf einem der großen Festivals des Landes erhascht habe und seitdem beobachte ich, dass, wann immer Madsen irgendwo auftauchen, die Menschen eher stehen bleiben als vorbeigehen. Im Tageslicht.

BOSSE

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Es galt zu prüfen, wie sich die Band unter Clublicht-Bedingungen schlagen würde und so machten wir uns auf nach Bielefeld in den Ringlokschuppen, wo zunächst einmal BOSSE fürs Aufwärmen zuständig waren. Ganz Vorband-untypisch standen die wenigsten dabei steif auf der Stelle. Altbekannte Textzeilen schlichen sich aus Hunderten von Kehlen und sorgten für einen schallenden Geräuschpegel. Axel Bosse und seine Live-Musiker – mit Wahnsinnsgesichtsakrobatikpowerdrummer im Hinterhalt – stellten neben Altbekanntem wesentlich Essenzen aus dem neuen Werk „Taxi“ vor. Mir hätte es gut getan, das Album vorher zu durchforsten, so blieb fürs Erste lediglich das charmante fußhibbelige „Tanz mit mir“ kleben. Bei MySpace kriegt man übrigens aktuell ne kostenlose Taxifahrt. Zwölf deutsch gesungene Tracks, die sich entfalten. Mal laut, mal leise, mal forsch, mal gediegen. Mal allein zuhause, mal mit Freunden (Sebastian Madsen) zu Besuch im Wohnzimmer.

TRACKLIST BOSSE
Die Irritierten // All die Dinge // Kraft // Sommer lang // 3 Millionen // Liebe ist Leise // Frankfurt (Oder) // Tanz mit mir // Keine Panik

MADSEN

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Ein Blick in die Runde warf die Frage auf: Bin ich doch kein Mädchen mehr? Nö, ich bin Frau. Werd ich erwachsen? Ach so, ich gehe auf die 30 zu. Na, wenigstens sorgten Madsen selbst dafür, den Altersdurchschnitt und Nichtmädchenanteil im Raume geringfügig anzuheben. Reihe Eins war reserviert für Mädchengesichter, dahinter wurde es dann aufgrund gedämpfter Lichtstimmung schon dunkler. Die „Männer“ gaben sich beim Mitsingen und Zugaberufen zu erkennen.

Okay, also nun von hinten nach vorn. Madsen sprangen nach epischem Intro direkt aus dem Dunkel ins (für Fotografen) unsympathische Rotlicht und rockten alsbald los. Außerordentlich sympathisch natürlich. Gut, The Killers-Fans mussten an diesem Abend tapfer sein, da Frontmann Sebastian die immer mehr zum Schlager-Rock mutierende Band aus Las Vegas fuchtelartig nacheiferte. So eindringlich, dass man ihren Song „Human“ heute nicht mehr emotionslos an sich vorbei rasseln lässt – wenn er denn im Radio gespielt wird. Und er dudelt unglaublich oft vor sich hin. Nun ja, es ist immer so eine Sache, sich auf Kosten anderer zu belustigen, aber im gleichen Atemzug huldigen Madsen auf jedem Konzert ihren musikalischen Helden. Auf den Festivals sind das gerne mal Metallica, an diesem Abend sollten Coverversionen von Dirty Dancing (Do you love me) und La Boum (Dreams are my reality) den ohnehin schon hohen Adrenalinpegel noch weiter ansteigen lassen (die Umschreibung „musikalische Helden“ sollte an dieser Stelle natürlich nicht allzu ernst genommen werden). Wobei erneut Fragen über dem Kopfe zu kreisen begannen, ob den Jüngsten unter uns diese dahinschmachtenden Originale überhaupt noch ein Begriff waren. Aber bestimmt. Seitdem es YouTube gibt, kann man sich ja heutzutage bestens auf anbahnende Konzerte einstellen (eigentlich eine spannungsraubende Angelegenheit). Achterbahn-like hangelten sich Madsen jedenfalls von Album zu Album und zurück bis wieder nach vorn. Eine irrsinnig attraktive Mischung aus alten und neuen Klassikern, peitschten einem um die Ohren, dass man sie nicht mal beim Namen nennen möchte. Da hatte einfach jeder seine eigenen musikalischen Favoriten und verband mit ihnen seine eigenen Geschichten. Und man konnte sie beobachten – stärker noch als auf jedem Festival – die Menschen, die voller Inbrunst mittanzten, mithüpften, mitsangen und ihren Helden einigermaßen erfolgreich zum Diven verhalfen. Man war sich irgendwie nah und Madsen gaben einfach vollkommen das zurück, was sie selbst ernteten. Von ihren Fans. Auf ihre Weise, mit ihren Instrumenten und ihrer liebenswürdigen Art.

TRACKLIST MADSEN
Kein Weg zu weit // Ja oder nein // Sturm // Vielleicht // Goodbye Logik // Verschwende dich nicht // Nitro / Euphorie // Die Perfektion // Kein Mann für eine Nacht // Panik // Grausam und schön // Do you love me // Du schreibst Geschichte // Liebeslied // Nachtbaden


BOSSE bei MySpace: myspace.com/axelbosse
MADSEN bei MySpace: myspace.com/madsenband

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