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MADDER MORTEM: "Eight Ways"

13. August 2009

Wenn die Bremnes mit dem Metal...

So ist das manchmal mit den digitalen Promoexemplaren aus diversen „iPools“ und von Webseiten, von denen der Rezensent wassergezeichnet seine Kopie laden kann: schnell und bequem zieht man sich das gute Stück auf die Festplatte, schaut oder hört kurz rein und rascher als man oft möchte verschwindet das immaterielle Werk hinter vielen virtuellen Fenstern im Einsen-und-Nullen-Nimbus… Die gute alte CD im Pappschuber mit den Worten „This cd is property of So-und-so Records and must be returned on demand“ mahnte den Schreiberling mit seiner physischen Präsenz stets an seine Pflicht, seine Eindrücke zeitnah in Worte zu gießen…

Wie dem auch sei, um ein Haar ereilte eben dieses Schicksal auch ein wahrhaft fantastisches Album jüngerer Vergangenheit. Dabei hatten mich die Norweger Madder Mortem mit ihrem mittlerweile fünfte Album „Eight Ways“ beim ersten Anhören einfach nur umgehauen. Schon eine Schande, dass ich noch nie zuvor von diesen herrlich unprätentiös spielenden Progressive Metalern gehört hatte.

Madder Mortem: „Eight Ways“
(VÖ: 22.05.2009)Madder Mortem: "Eight Ways" (2009)
Und dass Madder Mortem anders sind als die Frickelfreunde von Dream Theater und Co., merkt man schon an den ersten Tönen des Openers „Formaldehyde“ (interessanter Titel übrigens): In einem geheimnisvollen Hintergassentreffen begegnen sich audiophil hallend zehenspitzentänzelnde Bassläufe und das vorsichtig tastende Schlagzeug (dann eher ein Tastzeug) und bekommen Gesellschaft von zwei jazzend daherschwankenden, unverzerrten E-Gitarren und trippelnder Percussion… Und dann diese Stimme! Agnete M. Kirkevaag erinnert herrlich an ihre große Landsfrau Kari Bremnes, welche wiederum mit ihrer warmen Stimme bereits seit Jahrzehnten poppigen Jazz mit diesem „typisch nordischen“ Touch versieht… Seelenwärme im rauen Nordklima, ihr wisst schon. Emotional und reif, nicht so ein Gekiekse oder Operngeträller wie bei diesen ganzen Melometalgoten. Es liegt wohl an der ausgereiften vollen Stimme, der es trotz ihres mal ganz vorsichtig formulierten „mütterlichen“ Klanges nicht an Interessantheit und Intensität mangelt. Mehr Beweise für die verblüffende Ähnlichkeit dieser beiden Damen? „Riddle Wants to Be“. Bevor hier nämlich in ein metallös-infernales Riffgeböller abgefeuert wird, darf man in angenehmen Jazzpop baden. Noch eine Kostprobe? „Armour“, ohne Worte:

In den heftigeren Passagen – und die gibt es nicht zu knapp – werden übrigens auch Erinnerungen an die großartigen Amaran (R.I.P.) wach. Auch die von uns vor nicht allzu langer Zeit vergötterte Rose Kemp darf hier als Referenz herangezogen werden, so man denn überhaupt schon mit der Musik dieser hervorragenden, nicht eindeutig eintütbaren Garagengöttin machen durfte.

Ihre Wurzeln haben Madder Mortem, die es immerhin bereits seit 1993 gibt, im Doom- und Gothicbereich. Gelegentlich blitzt ein hier und da noch ein Gothicdrive durch, was durchaus nicht unangenehm klingt… natürlich nicht von der Art Pannesamt und Patchouli, sondern eher Erdigkeit und Endzeitstimmung wie sie in etwa stes bei Sentenced herüberkamen. Gerade solche Melodien sind es dann auch, die gerade bis in die Albummitte hinein gut ins Ohr gehen und für ordentlich Abwechslung sorgen.

Doch leider schwächelt das Album hintenraus auch ein bisschen. Die Songs erscheinen nicht mehr ganz so griffig und man bekommt ein bisschen den Eindruck als wollte man die unausgereifteren, sperrigeren Kompositionen ans Ende der Scheibe stellen, so ganz nach dem Motto: Besser hintendran als unter den Tisch fallen lassen. Manchmal ist weniger jedoch mehr und allein die ersten 40 Minuten des Albums sind den Kauf schon wert. Aber gut, andererseits tun die Stücke ab „The Flesh The Blood And The Man“ auch nicht weh und es steht dem Hörer frei, aufzuhören und einzusteigen wo er mag. Schließlich ist es irgendwo auch die Intensität von Agnetes Powerstimme, die einen irgendwann in die Knie zwingt.

„Eight Ways“ ist trotz des schwächelnden Endes definitiv unter die unkonventionellen Topmetalalben des Jahres zu zählen. Selbst aufgeschlossene „Nicht-Metaller“ könnten dieser Musik sehr wohl etwas abgewinnen, denn eine musikalische Offenheit wie sie Madder Mortem an den Tag legen, wünscht man sich heutzutage nur zu oft:

Entdecken, Grenzen ausweiten, Brücken schlagen, alte Wände einreißen, neue Häusle bauen… Es ist schön, den offen agierenden Norwegern dabei über die Schulter hören zu dürfen.

>> Offizielle Homepage:
www.maddermortem.com

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