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LOREENA McKENNITT : „The Wind That Shakes The Barley“

20. Dezember 2010

Die Keltenkönigin Loreena McKennitt ist definitiv wieder in Höchstform. Ging zwischen 1999 und 2004 eigentlich gar nichts bei ihr, bedingt durch einen großen privaten Rückschlag, ist sie seit einigen Jahren wieder produktiv und liefert durch die Bank äußerst kaufenswerte Mischungen aus keltischem Folk und klassischen Arrangements, gepaart mit vielen orientalischen Elementen. Auf ihren vergangenen Veröffentlichungen bereiste sie besonders die orientalischen Gefilde: Man beachte die thematischen Kompilationen „A Mediterranean Odyssey“ und „The Olive and the Cedar“ (beide 2009, der Name ist jeweils Programm!), das in maurisches Ambiente eingebettete Livealbum „Live at the Alhambra“ oder das Studioalbum „An Ancient Muse“ (2006), in dem sie die Spur der Kelten bis in den Nahen Osten zurückverfolgte. Selbst das letzte Album „A Midwinter Night’s Dream“ (übrigens immer noch und wieder ein vortreffliches Weihnachtsgeschenk) atmete mehr Myrrhe und Weihrauch statt sich in Schnee und dicke Wollklamotten zu hüllen. Zugegebenermaßen waren die orientalischen Elemente schon immer Teil der Musik McKennitts, doch gerade im vergangenen Jahrzehnt entfernte sie sich stark von ihren musikalischen Wurzeln… was aber eigentlich auch nicht schlimm war.

Wie dem auch sei, mit dem am 26. November veröffentlichten neuen Album „The Wind That Shakes The Barley“ geht es nun wieder mehr in Richtung „back to the roots“. Die irischen Töne hat sie eh im Blut; ihre Vorfahren kommen aus Irland und Schottland und wer ganz genau aufgepasst hat, wird auch wissen, dass der Albumtitel der irischen Vergangenheit entlehnt ist. Die Sängerin und Multiinstrumentalistin huldigt auf dem neuen Album nämlich auch den großen irischen Poeten. Natürlich dem wohl größten von allen: William Butler Yeats („Down By The Sally Gardens“) und im Falle des Windes, der da die Gerste durchschüttelt, einen zumindest namentlich etwas weniger bekannten irischen Dichter namens Robert Dwyer Joyce, der sich Zeit seines Lebens Mitte des 19. Jahrhunderts auch für die Pflege der traditionellen irischen Musik stark machte.

Einzig „The Emigration Tunes“, dieser ergreifende Instrumental-Lamento – man sieht vorm inneren ganz klar die zerreißenden irischen Familienbande und Schiffe, die im 19. Jahrhundert nach Amerika aufbrechen – stammt aus Loreenas eigener Feder. Alle anderen Stücke auf „The Wind That Shakes The Barley“ sind traditionelle Lieder, umarrangiert für ein orientalisch-keltisches Instrumentarium und veredelt durch Loreenas reife, klassisch ausgebildete aber nie steril-trainiert klingende Stimme. Fehlen darf auf so einer Sammlung natürlich nicht „The Star of the County Down“, noch eines der peppigeren Stücke auf „The Wind That Shakes The Barley“, das an vielen Stellen durch die überwältigende Balladenmacht zwar etwas süßlich, aber immer sehr glaubwürdig ertönt.

Wieder festigt sie ihren Titel als uneingeschränkte „Queen of Multicultural Folk“. Übrigens gibt es erstmals seit 1994 auch wieder eine Vinylversion bei Loreena. Das Teil bringt ganz audiophil anständige 180 Gramm auf die Waage. Gut für Mutti, gut für die Frau und den mondänen Herrn von Welt…

In diesem Sinne wünschen wir all unseren Lesern schon mal besinnliche, sinnliche und/oder rockende Feiertage!
Trinkt festlich, aber nicht zu feste…

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