Suche

London Grammar – If You Wait (Review)

8. Dezember 2013
London Grammar - If You Wait

London Grammar – If You Wait

Drei Mittzwanziger aus Nottingham mit einer Schwäche für große Gefühle, verpackt in wunderhübsche Elegien. Das sind London Grammar. Ihr Debüt „If You Wait“ wurde spätestens nach den letztjährigen eher beiläufig veröffentlichten Songs „Hey Now“ und „Metal & Dust“ gespannt herbei gesehnt. Eine gewisse Erwartungshaltung hat man nach diesem Appetizer natürlich. Im Gegensatz zu etlichen anderen jungen gehypten Bands ließ sich das Trio jedoch nicht hetzen und feilte 18 Monate lang zusammen mit Produzent Tim Bran (u.a. The Verve, Richard Ashcroft, La Roux) an seinem ersten Werk. „If You Wait“ ist somit alles andere als ein Schnellschuss; das spürt man direkt. Wo andere unter Zeitdruck unfertige Titel zusammen tragen, um ihr Album zu füllen, warten London Grammar mit einer musikalischen Perlenkette auf. Siebzehn Stücke, siebzehn Perlen – die kaum greifbar zwischen The XX und Florence & The Machine pendeln.

Hannah Reid stellt mit ihrer doch sehr stark an Florence Welch erinnernden Stimme den Mittelpunkt dieser Formation dar. Dan Rothmann und Dot Major sorgen für Beats, ausladende Elektroflächen und poppige Melodien. Dass dabei Vergleiche mit The XX herbeigerufen werden ist vor allem ihrem sehr minimalistischen Sound zu verdanken. London Grammar platzieren an den richtigen Stellen die richtigen Klänge. Den übrigen Raum füllt Hannah Reid mit ihrem kraftvoll schmeichelnden Organ. „Hey Now“ macht den Anfang – und entwickelt sich aus seiner zurückhaltenden Schwebeposition heraus zu einem herrlich pathosreichen Song, der das Herz öffnet und den Verstand weitestgehend ausschaltet. Gleiches gilt für „Wasting My Young Years“, „Strong“ oder den unter die Haut gehenden Titeltrack „If You Wait“.

Keine Uptempo-Nummern, Streichereinsatz, Pianoklänge – schemenhafte Sounds, die sich an diese große Stimme heften und ihr Netz um Reid spinnen. Und das eine ganze nie enden wollende Albumlänge lang. Thematisch dreht sich alles um Existenzangst – der ungewisse Blick in die Zukunft – und um die Höhen und Tiefen, die ein Herz so durchlebt. Kein Sonnenschein-Album also. Süße Melancholie und die Offenlegung der eigenen Schattenseiten. Selten wurde Schwermut so hinreißend und leidenschaftlich zelebriert. London Grammar werden dem um sie herum errichteten Hype-Status mehr als gerecht. Wahrscheinlich, weil sie sich davon nicht beeindrucken lassen. Ihr Debüt ist vielmehr so gut geraten, da sie sich schon jetzt auf das Wesentliche konzentrieren: und das ist nunmal die Musik selbst.

London Grammar im Internet:

Homepage
Facebook
Twitter
Soundcloud
Instagram
Google+

Schreib einen Kommentar