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„Living Music“-Projekt: im Gespräch mit Heather Nova

3. Juli 2012

Heather Nova stellt ihr "Living Music"-Projekt vor

Heather Nova enthüllte Anfang des Jahres Details zu ihrem – wie sie es selbst nennt – „Living Music“-Projekt. Der Grundgedanke ist, einen musikalischen Raum der Entspannung für Menschen zu kreiieren, die an Betten in Krankenhäusern gefesselt sind – auf freiwilliger Basis versteht sich. Uns hat diese Meldung berührt, so dass wir Kontakt zu der Ausnahmesängerin aus Bermuda aufgenommen haben. In einem sehr persönlichen Interview erzählt sie von einem spannenden Projekt, das weit entfernt von herkömmlichen Intentionen der Musikindustrie angesiedelt ist.

Heather, wie bist du auf die Idee gekommen in Krankenhäuser zu gehen und dort Konzerte zu spielen?

Erstmal vielen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung! Die Idee entstand, als mir ein Fan davon berichtete, dass er während meiner Show einen Freund anrief, damit dieser den Gig aus der Ferne miterleben konnte – er lag zu dieser Zeit im Krankenhaus. So begann ich über all die Menschen in Krankenhäusern nachzudenken, die liebend gerne mit Live-Musik in Berührung kommen würden, aber aufgrund ihrer körperlichen Verfassung, nicht in der Lage dazu sind. So arbeitete ich die Idee aus, Live-Musik in Krankenhäuser zu bringen. Das Umfeld dort ist zumeist extrem kalt und klinisch und am wenigsten kümmert sich dort jemand um Emotionen. Ich fühlte, Musik wäre ein guter Weg, den Menschen dort ein gutes Gefühl zu geben.

Wie oft hattest du bereits die Gelegenheit, für Menschen in Krankenhäusern zu spielen, und wie funktioniert die Kommunikation untereinander, wenn dein Publikum nicht dieselbe Sprache spricht wie du?

Während meiner letzten drei Konzert-Tourneen war ich jedes Mal in Krankenhäusern unterwegs, also seit gut anderthalb Jahren. Wenn es sich um Musik dreht, ist Sprache nicht das wichtigste. Obwohl ich sehr viel Wert darauf lege, gute Lyrics zu schreiben, bin ich mir auch bewusst, dass Musik jegliche Sprachbarrieren zerschlagen kann, aufgrund der Emotionen in der Stimme und der Melodie. Menschen werden erreicht, obwohl dabei die genaue Bedeutung der Songtexte unverstanden bleibt. Um den Wert eines Liedes geht es, weil Musik direkt von Herz zu Herz wandert.

Heather wird von ihrem Cellisten Arnulf Lindner unterstützt

Welche Rückmeldungen hast du bisher bekommen von den Menschen direkt? Spielst du nur für eine einzelne Person oder eher vor einer größeren Gruppe?

Normalerweise spiele ich in einem Gemeinschaftsraum vor ungefähr 100 Patienten, manchmal mehr, manchmal weniger. Mir liegt viel daran, es vertraut und locker zu halten. In der Regel unterstützt mich mein Cellist Arnulf Lindner, was solch einen Auftritt wundervoll wirken lässt. Als Zeitfenster setzen wir dabei ungefähr 40 Minuten an. Die Reaktionen waren immer herrlich. Ich kann fühlen, dass die Menschen meine Besuche wertschätzen, weil sie einfach nur der Musik lauschen und sich zurücklehnen können.

Aus der Sicht eines gesunden Musikers: Gab es einen Moment, der dich wie kein anderer berührt hat?

Der Auftritt in einen Kinderkrankenhaus für Krebspatienten war der bewegendste meiner Karriere. Man konnte unheimlich viel Schmerz in den Gesichtern der Eltern ablesen. Viele Menschen, selbst ich, weinten, aber nach dem Konzert kamen so viele Leute auf mich zu, um sich für die Musik zu bedanken. Musik setzt Emotionen frei, Traurigkeit, Zorn – sie heilt. Doch konnte ich spüren, durch welch schwierige Zeit all diese Menschen gerade gehen. Ich bin dankbar für das, was ich habe, jeden Tag, aber diese Erfahrung hat mich noch dankbarer werden lassen.

"Seine Musik zu teilen, ist so erfüllend!"

Du hast mal gesagt, dass für dich Musik nicht nur in eine Konzerthalle gehört und dass Musiker nur einen Schritt davon entfernt sind, ihre Melodien dorthin zu tragen, wo sie wirklich gebraucht werden. Weißt du, ob jemand anderes bereits deinem Beispiel gefolgt ist und falls nicht, was glaubst du, welches Argument könnte andere Musiker besonders überzeugen?

Ich weiß gar nicht, ob ich andere Künstler mit meinem Projekt bisher inspirieren konnte. Meine Absicht war zunächst, es selbst ausprobieren, bevor ich andere anwerbe. Ich wollte sicher sein, dass Krankenhäuser und Patienten dem gegenüber aufgeschlossen sind. Ich glaube nicht, dass es schwer sein wird, andere zu überzeugen. Es ist einfach so erfüllend, seine Musik zu teilen. Man verspürt pure Freude und kann sich mit anderen Menschen verbinden. Und das Wissen, dass du den Tag einer kranken Person erhellt hast, obwohl kein Geld fließt, keine Promotionlawine rollt, wo einfach Musik das Geschenk ist, das macht dich einfach glücklich.

Falls Interessierte dieses Interview lesen und dich für eine Show in einem Krankenhaus buchen möchten, wie können sie dich am besten kontaktieren?

Sie können mir einfach eine E-Mail an livingmusic@me.com senden.

Heather Nova im Internet.
Offizielle Homepage: http://www.heathernova.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Heather-Nova

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