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Lemmy Kilmister: Der König ist tot, es lebe der König!

1. Januar 2016
Der König ist tot, es lebe der König! Lemmy Kilmister lebt jedenfalls für immer!

Lemmy Kilmister: Zeichnung von der wunderbaren Paula K. Voelker

So spielt das Leben: Man wird morgens wach und erfährt, dass Lemmy gestorben ist. Dass dieser Tag jemals kommen würde; das ist etwas womit ich mich nie beschäftigt habe. Denn genauso wie Eltern oder Großeltern war Lemmy Kilmister jemand, der in meinem naiven Traumblasendenken niemals sterben würde. Das war einfach unvorstellbar. Hallo? Wir reden hier über einen Mann, der über jedwede Kritik an seinem Lebenswandel und seinen Vitalfunktionen erhaben war. Irgendwie ist es schließlich immer gut ausgegangen. Nur diesmal nicht. Gerade noch hat Lemmy seinen 70. gefeiert. Wohl nicht mehr ganz so laut und ausschweifend wie früher, aber gewiss mit genügend Bumms. Und dann tut sich vier Tage später ein schwarzes Loch auf, so groß, dass man erst mit etwas Abstand begreift, was eigentlich geschehen ist. Wie groß dieses schwarze Loch tatsächlich ist.

Der Mann mit den weißen Zuhälterstiefeletten und dem Rickenbacker-Bass wird nie wieder die Bühne betreten und alle im Saal Anwesenden allein mit seiner Präsenz in seinen Bann ziehen. Er wird auch nie wieder an seinem Lieblingsspielautomaten im Rainbow Club sitzen, nur wenige Meter von seiner Wohnung in L.A. entfernt. Auch das Umschwenken von Whisky-Cola auf Wodka-O der Gesundheit zuliebe hat sein Leben am Ende nicht verlängern können. Ein Leben, das so ereignisreich und von derart vielen Höhen und Tiefen gezeichnet war, dass jeder andere sich vielleicht freiwillig einen Strick genommen hätte. Aber nicht Lemmy. Der hat einfach immer weiter gemacht.

Mit Motörhead ist er nie reich geworden – und das, obwohl nun wirklich jeder von uns wenigstens zwei, drei Songs von ihnen kennt und mindestens eine Platte dieses flotten Dreiers im Schrank stehen hat. Immer auf Tour, immer dabei neue Songs zu schreiben, etliche für die Ewigkeit. Seit jeher liebte er die Frauen und sie liebten ihn. Ich natürlich auch. Lemmy war ein Frauenversteher der raubeinigen Sorte. Sein Leben und seine Werte kannten klare Regeln. Eine davon war Frauen mit Respekt zu behandeln – und zwar immer! Es existieren etliche Anekdoten zu diesem Thema. Eine davon ist jene, in der er nachts den Rainbow Club verlässt und sieht, dass ein Typ eine Frau heftig bedrängt. Als dieser Typ dabei gewalttätig wird, greift Herr Kilmister ein, brezelt den Kerl nieder, sagt: „So behandelt man Frauen nicht!“ und geleitet die Dame nach Hause – oder zum nächsten Taxi. So genau weiß ich das leider nicht mehr. An der Glaubwürdigkeit dieser Geschichte habe ich jedenfalls nie gezweifelt – an keiner einzigen, übrigens.

Denn Lemmy Kilmister war das, was man so oft im heutigen Musikzirkus vermisst: direkt, immer ehrlich, immer Rock´n Roll. Eine Rampensau, ein Gentleman, ein herzlicher Mensch, der keine Ansprüche ans Leben stellte. Außer Musik zu machen, ein paar Drinks zu genießen und aus seinem riesigen Fundus an Anekdoten zu plaudern. Ach, und die verfluchte Spielsucht. Naja, es sei ihm gegönnt. Und jetzt ist er weg. Einfach so. Der Mann, der einen seit der Jugend begleitet, der einem immer wieder ein „Ach Lemmy, du coole Sau!“ entlockt hat. Den man so gerne nochmal live gesehen hätte, die Termine aber immer wieder verschoben hat, weil man dachte, dass Lemmy Kilmister und Motörhead niemals sterben würden. Und dann ist es vorbei, Chance verpasst. Sowas tut wirklich sehr sehr weh. Und ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Tod jemals so sehr berührt hat. Gar nicht mal, weil nie wieder etwas Neues von Motörhead erscheinen wird. Deren Musik war und wird so oder so für immer eine Institution für alles Folgende bleiben. Warum? Darum! Vielleicht einfach mal in die Platten von 1977 – 2015 reinhören!

Motörhead am 16. November 2014 live in Berlin in der Max Schmeling Halle - fotografiert von Jana Legler für RockZOOM.de

Zu unserer Galerie vom Motörhead-Konzert am 16. November 2014 in Berlin in der Max Schmeling Halle

Aber Lemmy ist nicht mehr da. Die Verkörperung des Rock´n Roll. Der Mann, der gerade wegen seiner Warzen so heiß war. Von dem wir alle uns ein bis zwei Scheiben abschneiden sollten, weil letztlich nur das Leben in der Gegenwart zählt! Der Mann, der mit soviel Inbrunst für die Musik lebte, nie den Blick fürs Wesentliche verlor, mit intelligentem Witz agierte und reagierte – und zu einfach jedem verfluchten Zeitpunkt ein unfassbar liebenswerter Mensch war. Jetzt steht auf seiner Wikipedia-Seite ein Todestag. Und nichts in dieser scheißverdammten Welt wird etwas daran ändern können! Lemmy war schon zu Lebzeiten ein König. Die Krone der Unsterblichkeit gehört jetzt nur einem: ihm, und ausschließlich ihm allein! Du wirst mir so unendlich fehlen, du wunderbarer alter Sack. Cheers, Schatzemann!

„Don’t try to make me feel alright
All the love in all the world
Is not enough to save my soul tonight“

Randnotiz: Dieser Artikel wurde mehr oder weniger unter massivem Alkoholeinfluss und der freundlichen Unterstützung von Reissdorf Kölsch, Himbeerlikör von ALDI Süd und Absolut Vodka (der Whisky war leider schon vor Weihnachten leer, so sorry…) verfasst. Außerdem ist er mein längster bisher. Allein das lässt vielleicht an der Tragweite dieses Verlusts kratzen. Emotionale Ausschweifungen seien daher entschuldigt. Für einen kleinen Einblick in Lemmys Leben kann ich Folgendes empfehlen: „Lemmy – The Movie“, sowie seine Autobiografie „White Line Fever“. Doku, wie Buch zeichnen sich durch Schatzemanns ganz eigenen Charme aus und sollten unbedingt angeschaut/ gelesen werden! Für die kostenlose Werbung sollten wir ja eigentlich Geld verlangen. Aber egal. Wenn diesen popeligen Nachruf wenigstens einer bis zum Ende gelesen hat, ist das schon genug. Ach ja, meldet das dann gerne auf unserer Facebookseite. 😀 Ich trinke jetzt noch was.

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