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Kodiak & Blackwaves @ Atari, Leipzig | 30.03.2009

31. März 2009

Wer seinen Feierabend heavy mag, sollte sich in den nächsten Tagen spontan die Abendstunden für diese beiden westfälischen Schwerenöter aufheben. Für faire 4 Euro spielten Kodiak und Blackwaves gestern in Leipzig auf…

Atari, Leipzig 30.03.2009 #1 Das Atari ist ein crustiger Schuppen im Leipziger Stadtteil Reudnitz, da wo das räudige Reudi gebraut wird und aus dem gleichen Hahn das kultige Sterni läuft. Der Name Atari ist nicht unbedingt Programm. An das bekannte Videospielsystem erinnert hier aber nicht viel. Gespielt wird trotzdem: zum Beispiel Tischfußball, jeden Montag. Davor gemeinsame vegane Küche, sogenannte VoKü oder VeKü, zum Selbstkostenpreis. Es ist voll. In den Keller zu Kodiak und den Blackwaves wollen die wenigsten. Können sie auch nicht, denn es passen schätzungsweise maximal um die 40 Leute in den Keller, der über ein Loch im Boden und eine steile Holztreppe im Limbostil erreicht werden kann. Der Keller. So muss ein Keller aussehen und riechen. Kein nasser, kalter Keller ist das hier. Nein, ein trockener, kalter Keller mit typisch undurchlüftetem Kellermief ist das. Und vor allem eines: dunkel.


Noch dunkler wird es bei Kodiak, die wider Erwarten als erste Kapelle den Abend begehen. Eine einzige Glühbirne an der Bassdrum erleuchtet den hinteren Bereich des kleinen Kellerraumes; eine Bühne gibt es nicht. Mit einem Dröhnen startet „Beginning“, erster Track der kürzlich veröffentlichten selbstbetitelten LP. Laut ist es. Kodiak - 30.03.2009 #03 Für das Kellergewölbe hätte auch die Wohnzimmer-PA gereicht, doch Kodiak sind mit Sunn und Co. im Meterdurchmesser unterwegs. Die gesamte Stimmung könnte von Anfang an passender gar nicht sein. Das schummrige Licht und die Kühle des Kellers unterstreicht fabelhaft das beklemmende, weltfremde Ambiente der aktuellen Platte. Es wird nicht gesungen oder gesprochen. So gelangt man noch tiefer in einen einsamen Sog des schleppenden Schwermutes. Nach zwei Stücken war auch „schon“ Schluss. Na immerhin. 40 Minuten dauern „Beginning“ und „End“ zusammengenommen und beide bilden auch im Atari eine untrennbare Einheit. Besonders die letzten Minuten von „End“ befördern nicht wenige in eine extatisch wippende Trance; der Höhepunkt des Abends…


Das karierte Hemd des Bassisten ließ mich dann doch irgendwie an die amerikanischen Black Metaller Wolves in the Throne Room denken… nur dass Kodiak bei weitem nicht derart rasen, zu keiner Zeit. Ansonsten ist der Vergleich gar nicht mal zu abwegig; es kommt eine ähnlich dichte Stimmung auf, die man nur schwerlich beschreiben kann, hat der Leser sie nie erlebt. Daher einfach nochmal die Empfehlung: auf eines der kommenden Konzerte gehen oder das neue Album anhören, unbedingt.

>> http://denovali.com/kodiak/ oder
>> http://www.myspace.com/kodiakdoom

Auch wenn die beiden Tracks des ersten Albums auf der Denovali-Seite vollständig heruntergeladen werden können, kann ich jedem Doomanhänger mit Vinylvorliebe empfehlen, sich eine der im wahrsten Sinne des Wortes coolen und besonders günstigen LPs zuzulegen. 150 Scheiben kommen in eisblauem Vinyl, 350 Stück als klare Scheibe. Wirklich sehr hübsch aufgemacht. Über Denovali oder direkt bei den Gigs erhältlich.

Aber auch der Merchstand bei den Blackwaves, auch Blckwvs geschrieben, kann sich sehen lassen: eine auf 300 Stück limitierte Touredition im Clear Vinyl, handnummeriert und mit Liebe hergestellt: schickes silkscreened Cover, gestaltet vom Drummer Tommec höchstselbst… gerade mal für 10 Euro, rotiert gerade fleißig neben mir. Doch was steckt hinter der hübschen Fassade?

Blackwaves - 30.03.2009 #2 Live zumindest eine düstere, nicht ganz einfach verdauliche Chose aus erdigem Sludge und psychedelisch-progressiven Tönen. Jedenfalls zeigten sich auch Blackwaves ultraheavy …und noch einen ganzen Tacken lauter als Kodiak! Zumindest zu Beginn. Noch nie bebte bei mir das Trommelfell trotz Ohrenstöpsel. Wer an diesem Abend keine hatte, musste wohl das ein oder andere Prozent seines Hörvermögens im Keller des Atari lassen.


Die Hose des Tastenmanns ließ zunächst tiefer blicken als seine spielerische Leistung… Im Laufe der Spielzeit konnte man jedoch feststellen, dass die atmosphärischen Keys ihren ganz eigenen Spuk, zumeist verzerrt durch einen Gitarrenverstärker zur unberechenbaren und von daher auch interessant entdeckerhaft anzuhörenden Musik beitrugen. Wo Kodiak nahtlos atmosphärisch spielten, überraschen Blackwaves mit durchaus gewollten Brüchen und reihen träumerisch minimalistische Passagen an hypnotische Groovemonster. Das ist doch ein Groove, oder? Warum kann ich mich nicht dazu bewegen, wie ich das gern wollte? Weil das ein so verquerer Rhythmus ist, hinter den man erst einmal kommen muss. Abgedreht, dennoch auch hier wieder keineswegs überhastet in Sachen Tempo. Dunkel war’s auch hier. Eine einzige Baulampe an der Decke, ganz billig mit farbigem Papier versehen, bot hier die einzige Lichtquelle und gab auch dem Auftritt von Blackwaves eine düstere, zugleich aber auch sehr private Atmosphäre.

>> http://www.myspace.com/blckws

Weitere Tourdaten von KODIAK und BLACKWAVES:

31.Mrz.2009: 20:00 Uhr, Haus Mainusch, Mainz
01.Apr.2009: 20:00 Uhr, AK44 (+ Gods & Queens, Drowning with our Anchors), Gießen
02.Apr.2009: 20:00 Uhr, elfer, Frankfurt a. M.
03.Apr.2009: 20:00 Uhr, Coffee Corner (+ Endbringer), Essen
04.Apr.2009: 20:00 Uhr, VEB, Siegen

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