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Kleiner persönlicher Rückblick…

25. Dezember 2008

...auf das Rockjahr 2008

Zugegeben, das meiste ist ja doch wieder aus dem Metal-Bereich, doch da gab es in diesem Jahr – wie auch im vergangenen – einfach so viele Highlights, die man an dieser Stelle glatt noch einmal erwähnen muss. In Wirklichkeit wurde sogar so viel veröffentlicht, dass meine beiden Ohren auch gar nicht mehr hinterherkamen. So konnten hochgeschätzte Bands und Projekte wie Into Eternity, Enslaved, Ayreon, Cloudscape oder Jon Oliva’s Pain sowie die Soloausflüge der beiden Nevermore-Herren Loomis und Dane bisher noch nicht in Ruhe angehört werden, andere sehnlichst erwartete Veröffentlichungen enttäuschten auf ganzer oder halber Linie.

Der größte musikalische Reinfall 2008 war für mich ganz klar das vermeintliche Akustikalbum der Italiener ELVENKING. Statt sich auf ihre Stärken – nämlich zauberhafte Folkmelodien – zu konzentrieren, bot die Band nur seichte, vorhersehbare Popnummern, und das noch nicht einmal akustisch… Was haben eigentlich Keyboards und E-Gitarren (spärlich, aber sie sind da) auf einem Akustikalbum verloren? Das Artwork von „Two Tragedy Poets and a Caravan of Weird Figures“ ist zugegeben genial, doch der Inhalt ist mehr als dürftig und nur ein paar abgespeckte Versionen älterer Songs und das leicht selbstironische Cover von „Heaven is a Place on Earth“ können ansatzweise überzeugen. Ich bin gespannt wie es mit meiner einstigen Lieblingsband weitergeht…

Ein herber Verlust ist auch der Weggang von Mike Scalzi von den HAMMERS OF MISFORTUNE. Sein markanter Gesang hätte dem vor kurzem erschienenen Doppelalbum „Fields / Church of Broken Glass“ wirklich gut getan, jedenfalls besser als das dünne, austauschbare Stimmchen von Patrick Goodwin, der seit neuestem bei der San Francisco-Kombo an Bord ist. Abgesehen davon zeigt John Cobbett wieder höchstes Kompositionstalent bei der Mische von treibendem Metal und progressiven Tönen der 70er Jahre.

Mehr schlecht als recht zeigte sich hingegen FALCONERs diesjähriger Output: Schlagerrefrains und ein laues, oberflächlich zusammengewürfeltes Konzepte bestimmten das Bild von „Among Beggars and Thieves“. Und auch was einst man einst als konzeptual ausdetailliertes Superprojekt kannte, nämlich AVANTASIA unter der Fuchtel von Tobias Sammet, konnte in diesem Jahr nur mit großen Namen und oberflächlichem Radiorock-Gedudel glänzen. Mit den ersten beiden Avantasia-Alben hat „The Scarecrow“ nur noch wenig gemein.

Doch genug der bösen Worte, Zeit für die erfreulichen Töne! Ich habe mich an einer ganz persönlichen Top 10 versucht, alles schon mal hier bei RockZOOM erwähnt, aber schickerweise nochmal mit einer Rangfolge versehen und textlich zusammengefasst. Wer mehr über das jeweilige Album erfahren möchte, lasse sich vom Albumtitel oder -cover auf den zugehörigen Beitrag verlinken…

10. Skiltron – Beheading the Liars (VÖ: 12.06.)
Skiltron: Beheading the Liars (2008)
Aus dem fernen Argentinien kommt dieser vor Energie strotzende Heavy Power Metal im schottischen Ambiente. Das zweite Album „Beheading the Liars“ ist ein Riesenschritt nach vorn. Mit Dudelsack, grandiosen Hymnen und einem neuen Sänger, der oft und gut an den großen Dio erinnert, können die SKILTRON aus Buenos Aires besonders in der ersten Hälfte des Albums glänzen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis diese Band auch auf bei uns ihren verdienten Zuspruch findet.

9. Gojira – The Way of All Flesh (VÖ: 10.10.)
Gojira: The Way Of All Flesh (2008)
In eine ganz andere Ecke – jedoch nicht minder intensiv – führten uns die Franzosen von GOJIRA. „The Way of All Flesh“ zeigt sich wieder von der ruppigeren, wütenderen Seite als der ökologisch korrekte und stellenweise sehr friedliebende Vorgänger „From Mars to Sirius“. Technischer Death Metal mit rabiatem Gebrüll über das schonungslose Sein zwischen Leben und Tod, Liebe und Zerstörung – nichts für Zartbesaitete.

8. Dark Suns – Grave Human Genuine (VÖ: 22.02.)
Dark Suns - Grave Human Genuine (2008)
Die DARK SUNS gaben sich im Jahr 2008 progressiver und scheuklappenloser als je zuvor, wenn auch nicht mehr so sehr emotional wie zu Zeiten des genialen „Existence“. Dennoch ist man von Verkopfheit weit entfernt und ein Augenzwinkern ist nie besonders fern. Der Beweis, dass man sich auch als Progger selbst nicht allzu ernst nehmen muss, ist das amüsante Video des wahnwitzigen Instrumentals „The Chameleon Defect“.

7. Opeth – Watershed (VÖ: 30.05.)
Opeth - Watershed (2008)
Dass OPETH mit „Watershed“ an ihre bisherigen Erfolge anknüpfen würden, ist keine Überraschung. Es bestand eher die Frage WIE man nach dem Ausstieg von Peter Lindgren und Martin Mendez klingen würde. Zweifler konnten schnell eines Besseren belehrt werden, denn die Schweden sind mit „Watershed“ meisterlich wie eh und je und verbinden angenehm trippige Nummern („Burden“) mit Deatheruptionen („Heir Apparent“) und schaurig-progressiven Wunderreisen („Hex Omega“).

6. Hollenthon – Opus Magnum (VÖ: 16.05.)
Hollenthon: Opus Magnum (2008)
Bei HOLLENTHON wurden gleich im Vorfeld große Töne gespuckt: „Opus Magnum“ – das ist wahrlich kein bescheidener Titel. Doch die Österreicher um den Pungent Stench-Veteran Martin Schirenc konnten den Erwartungen standhalten und einmal mehr eine rasante Mischung aus Klassik und extremem Metal, exotisch gewürzt mit Folk aus vielen Ecken der Welt, bieten. Das alles gehüllt in das Gewand einer überaus mächtigen Produktion…

5. Dornenreich – In Luft geritzt (VÖ: 09.05.)
Dornenreich - In Luft geritzt (2008)
Das einzig „unmetallische“ Album in meiner Liste ist das süchtigmachende „In Luft geritzt“ von DORNENREICH, zugleich auch mein erster echter Kontakt zu diesem Duo aus Österreich. Das nur mit Akustikgitarre, Violine, Schellenring und Stimme erklingende Album aus dem Hause Prophecy besticht durch seine hypnotisierende Einfachheit und die tief berührende Poesie der sehnsüchtelnden deutschsprachigen Texte. Dieser Töne braucht es heutzutage mehr…

4. Benedictum – Seasons of Tragedy (VÖ: 25.01.)
Benedictum - Seasons of Tragedy (2008)
Female fronted Metal muss nicht immer Operngeträller oder Gothic-Geplärr sein, auch wer an Arch Enemy oder Holy Moses denkt, ist jetzt nicht ganz richtig, wobei BENEDICTUM in Sachen Heaviness und Intensität am ehesten noch mit letzteren vergleichbar sind. Veronica Freeman und ihre Herren haben sich ganz dem ehrlichen und naturbelassenen, vor allem hitverdächtigen und glaubwürdigen Heavy Metal verschrieben, der auf „Seasons of Tragedy“ nunmehr noch ausgereifter klingt.

3. Ansur – Warring Factions (VÖ: 18.04.)
ANSUR: "Warring Factions" (2008)
ANSUR? Noch nie gehört!? Dann wird’s aber mal Zeit. Diese blutjungen Norweger haben sich von misanthropischem Weltuntergangs-Black Metal ihrer frühen Jahre abgewandt und sind zwar immer noch blutjung, doch in ihrer musikalischen Reife wesentlich vorangeschritten. So verbinden sie auf „Warring Factions“ in wunderbar unverbrauchter Weise technischen Death Metal mit progressiven Klängen der 70er und sogar 80er…

2. Ásmegin – Arv (VÖ: 28.11.)
ÁSMEGIN: Arv (2008)
Lange Zeit war es still um die norwegischen Folk Metaller. Nach fünf Jahren Funkstille nun endlich das zweite Album: „Arv“ – ruhiger und minimalistischer, aber auch tiefgründiger als das ideenreiche, schon fast überladen wirkende Debütalbum „Hin vordende Sod & Sø“. Diesmal gelang es ÁSMEGIN noch besser, den Moosgeruch, das Knarzen der Äste und Kichern der Kobolde aus den norwegischen Wäldern stilgerecht einzufangen…

1. Cynic – Traced in Air (VÖ: 17.11.)
Cynic - Traced in Air (2008)
Noch länger war die Pause eigentlich nur bei CYNIC. Für deren zweites Album gingen ganze 15 Jahre ins Land, doch das Warten hat sich gelohnt. Bei „Traced in Air“ trifft höchste Spielkunst auf maximale Emotionalität. Die Band bleibt ihren Trademarks jedoch treu und klingt auch im Jahr 2008 unverkennbar – sphärisch, subtil, einfach schön und im nächsten Augenblick wieder schonungslos brutal.

Wie man an den Releasedaten der beiden Erstplatzierten sieht: Es lohnt sich mit den lobhuddelnden Worten „Album des Jahres!“ vieler Rezensenten bis zum Ende des Kalenderjahres zu warten, denn so manche Perle offenbart sich erst zur Weihnachtszeit oder gar noch später… Natürlich ist mit 10 Alben nicht alles erwähnenswerte genannt. Der Progfan sollte ZERO HOUR – „Dark Deceiver“ bei seinen Topalben 2008 stehen haben, ebenso die amerikanischen Instrumentalprogger CANVAS SOLARIS mit „The Atomized Dream“ oder auch LANFEARs neuesten Geniestreich, wenn es auch gern mal in Richtung Power Metal gehen soll. In dieser Nische auch zu nennen: PHARAOH – „Be gone“. Ich hätte im Progressivbereich auch gern noch die Leipziger MOURNING RISE genannt, doch mit „Five Ways to Illuminate Silence“ liegt uns erstmal „nur“ ein Minialbum vor, die erste Full-Length-Veröffentlichung wird mit Spannung erwartet. Und bevor ich den Blick in die Zukunft wage und ich meine Favoriten vom letzten Jahr noch nirgends kundgetan habe (ja, auch manche erst 2008 entdeckt), gibt es die auch noch, falls es auch nur irgendjemanden interessiert:

1. Primordial – To the Nameless Dead
2. The Ocean – Precambrian
3. Astral Doors – New Revelation
4. Morgana Lefay – Aberrations of the Mind
5. Slough Feg – Hardworlder
6. VainGlory – VainGlory
7. Volbeat – Rock the Rebel/Metal the Devil
8. Alcest – Souvenirs d’un autre monde
9. Deadsoul Tribe – A Lullaby for the Devil
10. Novembre – The Blue
11. Rotting Christ – Theogonia
12. Elvenking – The Scythe
13. Wolves in the Throne Room – Two Hunters
14. Mustasch – The Latest Version of the Truth
15. Mekong Delta – Lurking Fear
16. Neil Young – Chrome Dreams II
17. Manticora – The Black Circus (Disclosure)
18. Concept of God – Visions
19. Deathspell Omega – Fas – Ite, Maledicti, in Ignem Aeternum
20. Farsot – IIII

Bleibt mir nur noch, allen Lesern von RockZOOM einen friedlich-rockenden Jahresausklang zu wünschen und im kommenden Jahr unbedingt nach folgenden neuen Veröffentlichungen Ausschau zu halten:

THE FACELESS – „Planetary Duality“ (23.02.2009)
ILLUSION SUITE – „Final Hour“ (Feb. 2009)
FEJD – „Storm“ (März 2009)
GEЇST – „Galeere“ (Frühjahr 2009)
ASTRAL DOORS – „…“ (Sept. 2009)
TENHI – „Saivo“ (2009)
ATHEIST – „…“ (2009)
HEAVEN & HELL – „…“ (2009)

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