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Kettcar und Get Well Soon @ Kamp Bielefeld | 11.04.2008

20. Mai 2008

1LIVE Eine Nacht in Bielefeld - Teil 2

So saßen wir nun wieder im Auto, schwärmten zu den Radioklängen von Mando Diao und erfreuten uns, dass sich das Navigationsgerät dazu durchgerungen hatte, wieder funktionstüchtig zu sein. Ein Blick auf die Uhr verriet: Es könnte knapp werden. Fünf vor Neun formierte sich jedoch ein erleichterter Seufzer in der Luft. Das Kamp lag vor uns und wiederum drei Minuten später standen wir mit feucht benetztem Rücken vor der Bühne.

GET WELL SOON

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GET WELL SOON lenkten die Konzentration alsbald auf Mundwinkel, die erfreut zu zucken begannen und auf Augen, die gern mal zufielen, um das zauberhafte Szenario vor uns besser begreifbar zu machen. Get Well Soon beeindruckten ja bereits im Januar mit dem unfassbar genialen Debüt „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“, welches man gar als Geniestreich bezeichnen möchte, in Anbetracht der Tatsache, dass der Kopf des „Projektes“ KONSTANTIN GROPPER beinahe alle Instrumente des aktuellen Werkes selbst eingespielt hat. Wenn man es nicht wüsste, könnte man gewiss davon ausgehen, es hier mit einer richtigen Band zu tun zu haben. Zur Live-Crew gehören immerhin sieben Musiker. Jedenfalls präsentierte man sich unübersehbar als harmonische Einheit – Schlagzeug und zwei Trompeten am linken, Violine und Keyboard am rechten Bühnenrand komplettierten den folklastigen Gesamtsound. So manches Mal hatte man das Gefühl, es mit der deutschen Variante von Arcade Fire zu tun zu haben, insbesondere wenn man gerade die Augen geschlossen hielt. Melancholie, Feingefühl, Tiefgang, der Hang zu Außergewöhnlichem verbindet wohl beide „Bands“. Unterscheiden tut man sich nur in einem Punkt. Jeder steht für sich, jeder hat seinen eigenen unverkennbaren Stil. Genau das macht eben große Bands aus. Get Well Soon sind auf dem Weg dahin. Definitiv!

KETTCAR

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So sehr Get Well Soon als Geheimtipp galten, so sehr freuten sich die meisten Anwesenden doch über eine Band. Als Hauptact angereist waren KETTCAR, die das Gerücht im Hinterkopf mitschwirren ließen, dass das Bielefelder Publikum schwer zu erobern sei. Manchmal ist es doch schön, wenn es anders kommt als man denkt und so sollten die Besucher die Hamburger eines Besseren belehren. Als gäbe es keinen Morgen mehr entwickelte sich vor allem im mittleren Clubbereich ein kleiner Wirbelsturm. Eine Horde heißblütiger Fans hüpfte so hoch sie nur konnte und alle, die sich lieber dem Fuß- und Kopfwippen hingaben, sangen zumindest lautstark mit. Es klingt simpel. Aber die Jungs von Kettcar strahlten einfach geradlinige Sympathie aus. Sie stellten keinen glitzernden Showact dar, übertriebene Schnörkel suchte man vergebens. Ein hohes, breites Keyboard nahm fast die Hälfte der Bühne ein. Kettcar waren schlicht und einfach authentisch. Sie gehören zur Sparte Bands, die harmonische Songs mit scharfsinnigen, aus dem Leben gegriffenen Texten ausschmücken. Im Vordergrund brandet eine reif markante Männerstimme. Zurück zum Abend: Klassiker wie „Balu“ und „Landungsbrücken Raus“ animierten zum Schwelgen. Neue Songs wie „Graceland“ erzeugten schnellen Atem und schwitzige Hände. Noch eine Woche warten, dann sollte das neue Werk „Sylt“ (VÖ: 18.4.2008) in den Läden stehen. Inzwischen steht es in den Regalen und geht tief. Sehr tief. Danke an Kettcar für ein schlicht schönes Konzert. Danke auch an 1Live. Radio kills the videostar. YEAH!


» Offizielle Seite von Get Well Soon: www.youwillgetwellsoon.com
» Get Well Soon bei MySpace: www.myspace.com/youwillgetwellsoon

» Offizielle Seite von Kettcar: www.kettcar.net
» Kettcar bei MySpace: www.myspace.com/kettcar

>> Zu 1LIVE Eine Nacht in Bielefeld – Teil 1

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