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Katrins kurzer Jahresrücklausch 2012

5. Januar 2013

Das Jahr 2012 hat uns wieder tonnenweise schöne Alben beschert. Von daher kommt der Rückblick erst jetzt, aber immerhin ist das auf die Weise allemal besser, als frühzeitig irgendeinen „Sieger“ zu küren. Und fiel es mir im vergangenen Jahr noch leicht, die absolute Über-Nummer-Eins auszuwählen, hatte ich dieses Jahr mit meinen ganz persönlichen Top 10 Alben schon ein bisschen mehr zu knuppern. Nichtsdestotrotz sind hier für euch mal 10 grandiose Alben des Jahres, die jeder aufgeschlossene Musikhörer zumindest mal angetestet haben sollte. Und falls ihr hier etwas vermisst: Lasst es mich wissen… 😉

Platz 10:

Iroha : Shepherds & Angels IROHA : Shepherds & Angels
Recht spät in diesem Jahr und über das von mir äußerst geschätzte Label Denovali Records erschien eine Scheibe, die man irgendwo in die Slowcore/Shoegaze/Doom-Ecke stecken kann, die aber eigentlich fröhlicher klingt als es diese Titulierung erahnen lässt. Versteht mich nicht falsch, diese Musik ist „heavy“ ohne Ende, selten dass mal weniger als drei derb verzerrte Gitarren übereinandergestapelt werden zugleich hat sie für den aufmerksamen Hörer aber auch so viel positive Energie und etliches an Eingängigkeit parat. Fans von JESU oder 40 WATT SUN werden aufhorchen, wenn auch IROHA deutlich subtiler agieren als Letztere, was sie nicht schlechter, aber wesentlich verträumter macht

Platz 9:

mary epworth & the jubilee band : dream lifeMARY EPWORTH : Dream Life
Mary Epworth, die kleine Schwester vom grammyprämierten Superproduzenten Paul Epworth, macht ihr eigenes Ding. Zusammen mit ihrem Freund Will Twynham und ihrer Jubilee Band hat sie im vergangenen Jahr dieses Superalbum kredenzt und dann hat es auch ein bisschen gedauert, ehe das gute Stück über ihr eigenes Label Hand Of Glory schlussendlich erschien. Das Debüt „Dream Life“ lustwandelt irgendwo zwischen Folk, Singer-Songwriter, Soul und Psychedelic Rock. Marys reife Stimme kann verzaubern und verführen… Es ist zwar nicht unbedingt repräsentativ für das gesamte Album, aber hier ist mal ein echter Krachersong von 2012 für euch: Black Doe…

Platz 8:

neil young : psychedelic pillNEIL YOUNG & CRAZY HORSE : Psychedelic Pill
He’s back. Endlich. Wieder so richtig, mein ich. Mit seiner treuen Begleitband Crazy Horse im Schlepptau und einer Menge stromverzerrter Gitarrenorgien wie sie sie Ende der 60er oder Ende der 70er auf genialen Alben wie „Everybody Knows This Is Nowhere“ oder „Rust Never Sleeps“ hingelegt haben. Die Rede ist da besonders von den langen, hypnotisch wie auch zeitlos wirkenden „Old Black“-Soli, die jaulen, miezeln, bellen und zwitschern. Und das gleich freche drei mal in Bestform über 16 Minuten auf diesem Doppelalbum. Eigentlich unter normalen Umständen ein ganz klarer Fall für die Top 5, doch leider haben sich auch ein paar relativ nichtssagende Stücke zwischen die Urrock-Monster wie „Driftin‘ Back“ oder „Walk Like A Giant“ geschlichen, wie zum Beispiel der recht stumpfe Titeltrack…

Platz 7:

danjal - the bubbleDÁNJAL : The Bubble
Nix nordische Musik. Dánjal á Neystabø kommt zwar von den Färöer Inseln, doch diese Töne klingen weltmännisch hoch zehn. Klavier, Kontrabass, Mandoline, Drums und Klarinette bzw. Saxophon… Was kann dabei herauskommen? Naja, stellt euch mal Art Rock von Roine Stolt (die Stimme!) von den Flower Kings ohne die Blümchen vor, dafür aber mit einer gehörigen Note Drama und Gute-Laune-Klezmer. Stellt euch mal Tom Waits vor, ohne das Gebell, dafür aber mit einer ähnlichen Jahrmarkt-nach-Einbruch-der-Dunkelheit-Morbidität. Stellt euch mal Loyko aus Russland vor, ohne die bittersüße Tragik, dafür mit dem gleichen Roma-Drive. Und dann nehmt noch mal eine ganze Mütze Sympathie und Spielfreude auf einer Bühne hinzu, tadaa: Dánjal und das kurzweilige und dennoch stark durchdachte Reise-und-Ankunft-Konzeptalbum „The Bubble“ kam dabei heraus.

Platz 6:

ShearwaterSHEARWATER : Animal Joy
Wenn Indie á la Arcade Fire wie wir ihn heute kennen, schon in den 80ern angesagt gewesen wäre, dann hätte das Ganze mit Sicherheit wie Shearwater geklungen. Jonathan Meiburg hat zum Glück seine Mirarbeit bei den vollkommen überbewerten Okkervil River an den Nagel gehängt und konzentriert sich nun auf Gitarre und einen wunderbar weich-warmen Gesang bei den herrlich unaufgeregt klingenden Shearwater. Ein Paradestück besonders von der übergroßen ersten Seite dieser genial geschriebenen Platte ist „You As You Were“:

Platz 5:

me and my drummer : the hawk, the beak, the preyME AND MY DRUMMER : The Hawk, The Beak, The Prey
Was war das für ein starkes Konzert Anfang letzten Jahres in Chemnitz! Gekommen war ich wegen Einar Stray, gegangen bin ich mit Me And My Drummer im Gepäck, genauer genommen der „You’re A Runner“-Single, einem der vielen Aushängeschilder des im Mai veröffentlichten Debütwerks „The Hawk, The Beak, The Prey“. Viele Songs des Berliner Duos beginnen minimalistisch, vielleicht sogar ein bisschen elektronisch-distanziert. Nähe, unmittelbare Nähe schafft dann immer die grandiose Stimme von Charlotte Brandi, man möge sich vom benannten Singlestück hier überzeugen und meinen Geheimtipp „Rain Kids“ nicht vergessen…

Platz 4:

Wintersleep - Hello Hum (2012)WINTERSLEEP : Hello Hum
„Hello Hum“ stellt eine eine ungemeine Verbesserung zu den vorigen Wintersleep-Alben dar, die irgendwann doch eher in eine indiepoppene Beliebigkeit abzudriften drohten. Angefangen haben sie im Jahr 2003 mit eher grungigen Tönen. Die Entwicklung zu einer postmodernen Hippieband kommt mir nun eigentlich ganz recht, denn auf „Hello Hum“ sind ausnahmslos starke Stücke vertreten. Und postmoderne Hippieband, weil die Jungs zum einen schon mutige elektronische Finessen und ordentlich Druck vorweisen können, zum anderen aber weil die Band echt ganz schön 70er Jahre Luft geatmet hat. Wer die Fleet Foxes zu schätzen weiß, sollte hier unbedingt reinhören! Mehr dazu übrigens in unserer Rezension zum Album.

Platz 3:

howth: newkirkHOWTH : Newkirk
Einmal mehr trifft feinste Singer-Songwriter-Musik auf elektronische Details, nahtlose Songschreiberqualität, ein Mützchen Folk und eine Prise Unbeschreiblichkeit. HOWTH aus Brooklyn sind nicht nur eine der sympathischsten Truppen des Jahres, die dieses Jahr ihr zweites Album in Eigenregie über eine Crowdfunding-Aktion finanziert haben, „Newkirk“ ist ganz nebenbei noch ein ultraverspielter, stets spannender und dennoch von vorn bis hinten authentischer und emotionaler Rundling geworden. Egal ob Banjo, Saxophon oder Piano: Howth bringen’s zusammen und machen’s rund. Davon dürft ihr euch hier in voller Länge überzeugen:

Platz 2:

DARK DARK DARK : Who Needs Who (2012)DARK DARK DARK : Who Needs Who
Dies ist ein Album schweren Herzens; viel schwermütiger als die vergangenen beiden Alben von Dark Dark Dark, die stets exzellenten weiblichen Gesang mit Pianoklängen und Südstaaten-Blechbläsern gekonnt kombinieren. Es gibt hier vorwiegend Balladen mit mehr als nur einem wehmütigen Unterton. Mit „Who Needs Who“ haben Dark Dark Dark eines der kreativsten und glaubhaftesten Alben des Jahres hingelegt. Und auch wenn diese Scheibe sehr melancholisch klingt, so ist es doch wie so häufig mit dieser Band: Wo Schatten ist, da ist auch Licht…

Platz 1:

holmes: burning bridgesHOLMES : Burning Bridges
Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass auch nur irgendeine Band die musikalische Genialität meines Alltime-Helden NEIL YOUNG erreichen könnte ohne so eine lausige Möchtegern-Kopie zu sein, aber besonders im Gesang macht sich die falsettene Leichtigkeit früherer Youngscheiben deutlich bemerkbar. Dazu gibt’s häufig diese schön unaufgeregte, satt-warme Percussion: Mühelosen „Swedish Americana“ gibt es hier bei „Burning Bridges“ von Holmes auf die Löffel in Form von elf höllisch gut durchkomponierten, melancholodischen Tracks, die in der Tat so gut geschrieben sind, dass man hier wahrlich schon von So(n)gwriting sprechen kann und deshalb gibt’s hier auch gleich alle elf Stücke als Stream…

Es gibt natürlich noch zahlreiche weitere Releases, die in 2012 überzeugen konnten. Kurz genannt seien da nur Grizzly Bear, Tame Impala, Iguana, Band of Horses, pg.lost, Nadine Maria Schmidt & Frühmorgens am Meer oder Chromatics. Letztere bieten ihr neues Album „Kill For Love“ übrigens für schlappe 5 US Dollar digital über den Webshop ihres Labels „Italians Do It Better“ an. Und das bei fetten 90 Minuten Spielzeit! Und da nun schon Januar ist und wir mit unserem Rückblick diesmal ein bisschen gepennt haben – oder warteten, nicht dass am 31.12. noch DER Knaller veröffentlicht geworden wäre 😉 – gibt’s an dieser Stelle auch schon mal einen…

Auuusblick

Den Kalender gezückt, folgende Album-Releases solltet ihr euch schon mal notieren und ich versuche, zu gegebener Zeit, euch zusätzlich mit Worten zum Erwerb der jeweils neuen Platten dieser außergewöhnlichen Künstler zu bewegen. Wie immer ist das nur eine kleine Auswahl:

Arbouretum : 22. Januar
Widowspeak : 22. Januar
On and On : 29. Januar
Nick Cave & The Badseeds : 15. Februar
My Sister Grenadine: 1. März
LOW : 22. März
The Ocean : 29. April

Ferner stehen im neuen Jahr Alben der großartigen Hochemotionalpostrocker HER NAME IS CALLA, der Nachfolger zum zeitlos wunderschönen 70s Folk-Album „The Courage Of Others“ von MIDLAKE, sowie neue Scheiben von „Leipzig’s First Lady of Noise“ SAFI und vielleicht auch ihren großen Brüdern von DISILLUSION an. Es wär‘ an der Zeit…

2 Kommentare

  1. […] Katrins kurzer Jahresrücklausch 2012 #nach oben Creative Commons: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 […]

    #34426
    • Thank you Katrin. Through you I just discovered a great band: Holmes.
      I just ordered their Album „Burning Bridges“ on Amazon.
      cannot wait to listen it on my stereo
      stay with your heart on
      Cosmin

      #50487

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