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Karpatenhund @ Kesselhaus Lemgo | 15.05.2008

15. Juni 2008

Support: GeradeSo! & Sternbuschweg

Seit mittlerweile drei Jahren ist das ostwestfälische Campusradio Triquency nun „on air“ und dieses kleine Jubiläum nahm man jüngst zum Anlass, im Kesselhaus zu Lemgo ein Konzert mit drei Bands zu veranstalten. Rein musikalisch betrachtet liegt Ostwestfalen-Lippe ohnehin eher im Niemandsland, jedenfalls finden hier nur sehr selten Auftritte von bekannteren Künstlern statt. Da muss schon eine Kneipe die Toten Hosen bei einem Bundesliga-Tippspiel „gewinnen“ oder die Sportfreunde Stiller gemeinsam mit engagierten Bürgern ein Zeichen gegen Rechts setzen, damit auch in unserer schönen „Provinz“ mal eine Live-Veranstaltung mit prominenteren Musikern stattfindet. Insofern sollte man meinen, dass insbesondere die jüngeren Musikfans mehr als froh darüber sein sollten, wenn eine mittlerweile recht bekannte Formation wie KARPATENHUND den Weg ins Lipperland findet, immerhin durften sich die Kölner bereits auf diversen größeren Bühnen überall in der Republik austoben und mit ihrem Song „Gegen den Rest“, welcher der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ als Titelmelodie diente, konnte man auch bundesweit mediales Aufsehen erregen. Für uns von RockZOOM natürlich eine willkommene Gelegenheit, mal wieder über ein lokales Ereignis zu berichten, auch in der Hoffnung auf ein volles Haus und ein begeistertes Publikum, zumal mit GeradeSo! eine Combo aus dem nahen Detmold als Vorband auftreten sollte.

Eigentlich war alles perfekt, die Eintrittspreise locker erschwinglich, das Wetter ließ in Anbetracht dunkler Wolken keine anderen Abendplanungen sinnvoll erscheinen und auch das Programm in der Glotze dürfte wohl keinen ans heimische Sofa gefesselt haben. Umso größer jedoch unser Erstaunen, als wir, am Kesselhaus angekommen, gerade mal zwei Dutzend Leute antrafen. Hatten wir etwa was verpasst, wurde die Veranstaltung kurzfristig abgesagt? Doch dem war mitnichten so, der Termin stand und das Konzert fand statt. Zwar füllte sich der Laden im Verlauf des Abends noch ein wenig, dennoch musste man sich fragen, wo eigentlich all die musikinteressierten Lipper an diesem Abend waren?! Offenbar schienen auch die Veranstalter ob des nur mageren Zuschauerzuspruchs etwas irritiert, anders als mit dem Hoffen auf verspätet eintreffende Fanscharen war der späte Beginn des Konzerts wohl nicht zu erklären. Die ersten Reihen waren glücklicherweise recht gut gefüllt, als dann endlich die vier Jungs von GERADESO! die kleine Bühne betraten und mit ihrem frischen Indie-Pop-Rock munter loslegten. Mit Songs wie „Herzschlag“ oder „Doch nur eine Bitte“ von der gleichnamigen Mini-CD sorgten die Detmolder für viel Stimmung und dank des eigens mitgebrachten Fanclubs reichte es sogar noch für eine Zugabe. Auch Karpatenhund schien der Gig zu gefallen, speziell Sängerin Claire verweilte recht lange inmitten des Publikums und tanzte zu den Rhythmen der lippischen Local Heroes. Erfrischender Auftritt der vier Residenzler, von denen man auch in Zukunft hoffentlich noch einiges hören wird!

GERADESO!


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Im Anschluss machten sich dann STERNBUSCHWEG auf, die anwesenden Zuhörer mit ihrer Mischung aus Brit-Pop und Berliner Indie-Schule zu erobern. Das Quartett um Sänger Wolfgang Müller-Molenar spielte an diesem Abend einen guten, soliden Gig, dem vielleicht ein wenig mehr Energie wie beispielsweise beim Opener „Mein Herz schlägt“ positiv zu Gesicht gestanden hätte. Der Funke der Begeisterung sprang jedenfalls nicht so recht auf das Publikum über, schade eigentlich, denn die sympathischen Berliner hätten durchaus mehr Applaus und Zuspruch verdient gehabt. Unterm Strich war es aber ein engagierter Auftritt der Hauptstädter, die mit ihrem Material vom aktuellen Album „Mein Herz schlägt weiter jeden Tag“ durchaus zu überzeugen wussten, auch wenn man an diesem Abend eventuell ein wenig zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein schien.

STERNBUSCHWEG

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Hatten sich die Zuschauerreihen im Verlauf des Gigs von Sternbuschweg ein wenig gelichtet, so durfte man erwarten, dass sich die Fans zum finalen Hauptact des Abends wieder in Scharen vor der Bühne versammeln sollten. Dicht gedrängt standen sie auch, zumindest in den ersten vier Reihen, dahinter war es aber rein zahlenmäßig leider erschreckend spärlich gesät! Schwer zu sagen, ob es an der schon weit fortgeschrittenen Uhrzeit, der bereits zurückliegenden, anstrengenden Arbeitswoche oder dem Stand des Mondes lag, jedenfalls war es eine recht überschaubare Menge, vor der sich KARPATENHUND nun anschickten, ihre energiegeladenen Songs zum Besten zu geben. Und die in fesche Uniformen gekleideten Kölner um ihre temperamentvolle Sängerin Claire gaben von Beginn an mächtig Gas und ließen sich auch von der nur geringen Besucherzahl nicht aus dem Konzept bringen. Mit ihren mitreißenden Songs wie „Ist es das was du wolltest“, „Nicht wirklich glücklich“ oder „Alles ist schiefgegangen“ brachten Karpatenhund ihr Publikum zum Tanzen, Mähne schütteln, hüpfen und mitsingen, mal einzeln und mal alles zugleich! Die Gitarren sägten, die Beats wummerten durch das Kesselhaus, umflirrt von schrägen Keyboardlinien und Saxophon- oder Glockenspiel-Intermezzi – poppig, rockig, mitreißend und von ungemein positiver Ausstrahlung! Und spätestens bei „Gegen den Rest“ stand kein Fuß mehr still, kein Kopf mehr, der nicht im Takt der Musik hin und her geschwungen wurde, und kein Gesicht mehr, in dem nicht mindestens der Anflug eines zufriedenen Lächelns zu erblicken war. Kein Wunder, dass die fünf Kapitäne nicht ohne Zugaben von der Bühne entlassen wurden, immer wieder angefeuert und begeistert beklatscht! Ein ehrlicher und temperamentvoller Auftritt, wie man ihn von dieser jungen und sympathischen Band bereits gewohnt ist. Schade eigentlich nur, dass lediglich ein paar Dutzend Zuschauer diesem Konzert beiwohnten, denn die Rheinländer hätten wahrlich größere Besuchermengen verdient!

KARPATENHUND

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Damit wären wir auch schon bei den beiden einzigen Kritikpunkten an diesem Abend. Zum einen wäre da die doch recht bescheidene Akustik im Kesselhaus, die mit ihrem Garagensound eine manchmal etwas unangenehme Proberaum-Atmosphäre produzierte. Dieses Manko machten die Bands aber dank ihrer Energie und Spielfreude beinahe wett, sodass man hierüber getrost hinweg sehen, wenn auch weniger hören konnte. Viel schwerer wiegt da eigentlich die geringe Besucherzahl an diesem Abend! Nicht nur die Künstler hätten mehr Zuschauer verdient gehabt, auch für die Veranstalter wäre das ein gerechter Lohn für ihre Arbeit und die ganzen Anstrengungen gewesen. Wenn man sich dann vor Augen führt, dass ungefähr im gleichen Zeitraum der gescheiterte DSDS-Teilnehmer und Gurkenlaster-Hasardeur Daniel K. die Detmolder Stadthalle bis auf den letzten Platz füllen konnte, dann muss man sich doch ernsthaft Sorgen um den musikalischen Geschmack seiner Mitbürger machen. Damit das nicht falsch verstanden wird: Nichts gegen den bockenden Kübel, wir leben in einem freien Land, in dem jeder die Art von Musik machen darf, auf die er oder sie Bock hat, aber wenn man dann die ewigen Klagen insbesondere von jüngeren Leuten hört, dass hier in der Region nie etwas stattfindet, und dann bei einer doch recht bekannten Band wie Karpatenhund nicht mal Besucher in dreistelliger Zahl anwesend sind, dann fragt man sich ernsthaft, ob man nicht im falschen Film ist!

Was bleibt als Fazit? Rein musikalisch ein überaus positives, denn mit den beiden Vorbands hat man einen guten Griff getan, speziell der Auftritt der vier Youngster von GERADESO! hat Appetit auf mehr gemacht! Und KARPATENHUND waren an diesem Abend mal wieder eine Macht und über jeden Zweifel erhaben und haben das Kesselhaus mächtig gerockt! Bleibt eigentlich nur der etwas schale Beigeschmack der wenigen Zuschauer, wobei man sich in diesem Zusammenhang wirklich fragen darf, was noch alles passieren muss, damit die Musikinteressierten im beschaulichen Lipperland ihre Hintern hochkriegen und den Weg zu Veranstaltungen dieser Art antreten. Ansonsten darf sich nämlich irgendwann keiner mehr beschweren, wenn hier für jüngere Leute wirklich nichts Aufregenderes mehr stattfindet als Schützenfeste und Taubenzuchtausstellungen…

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» GeradeSo! bei MySpace: www.myspace.com/geradeso
» Sternbuschweg bei MySpace: www.myspace.com/sternbuschweg
» Karpatenhund bei MySpace: www.myspace.com/karpatenhund

Fotos: Jana Legler
Text: Andreas Neitzel

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