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Jahresrücklausch 2011 – Teil 3: Platz 10-1

31. Dezember 2011

Zehn ganz besondere Alben. Allesamt für sich gesehen sind eine grandiose Bereicherung, begleiteten mich entweder auf Schritt und Tritt durchs ganze Jahr oder stießen erst spät zu mir und konnten mir das dunkle Jahresende mit geballter Emotion und/oder dichter Atmosphäre versüßen. Bei den Nummern 6 bis 10 habe ich bis zum Ende noch ein wenig hin und her geschoben, aber für meine Top 5 würde ich durchs Feuer gehen (im Falle von Platz 5 auch angebracht…), für die ersten drei gar erbitterten Raufhändel gegen jeden Goliath anfangen. Ihr könnt dagegen sagen was ihr wollt, es wird meine Meinung nicht ändern. Sehr gespannt bin ich aber auf eure Favoriten. Vermisst ihr hier einen? Es kann durchaus sein, dass mein Jahr zu kurz war, um den neuen Releases von Portugal. The Man, Colin Stetson (der in dieser Top 10 aber indirekt sogar zwei mal auftaucht!), The Black Keys oder Junius ein aufmerksames Ohr leihen zu können, was aber nachgeholt wird. Und ja, ich habe PJ Harvey gehört. Ich fand sie gut, aber “Let England Shake” berührte mich nicht sonderlich. Ja, ich habe die ambitionierten Veröffentlichungen von Light Bearer (Ex-Fall Of Efrafa) und Pain of Salvation vernommen, aber sie waren mir zu “overdone” und glitten einfach nur ständig an mir vorbei. Am Ende muss man auf Bauch und Herz hören… Ein “Kopfmusik”-Jahr war das bei mir wirklich nicht, eher das Jahr des vollbärtigen Bluesbruders. Und auch wenn es manchmal Frauen sind, die da verträumt über ihre Klampfen stringeln, die haben zumindest einen symbolischen Bart oder sie hätten einen, wüchse ihnen Gesichtsbehaarung. Doch bevor ich hier noch weiter über Bärte philosophiere, widme ich mich lieber wieder der Musik…

Platz 30-21

Platz 20-11

und nun

Platz 10-11

Platz 10

LOW : C’Mon
(VÖ: 15.04.11)
Der famose Alan Sparhawk und seine Frau Mimi Parker sind zurück. Mit mehr Gefühl und weniger Grimm als noch auf dem Post-9/11-Album “Drums & Guns” trumpft das Trio wieder mit mitreißenden Melodien, die besonders in den vokalharmonischen Passagen des Paares Parker/Sparhawk aufgehen. Doch vor Gitarrenverzerrung wird nach wie vor nicht zurückgeschreckt, wunderbares Beispiel dafür ist der zerrend-lärmige Einstieg in das sich nach und nach aufbäumende “Nothing But Heart”. Die Band, die den so genannten “Slowcore” erfand, legt hier zehn sehr vielseitige Stücke auf den Tisch, die trotz ihres zumeist getrageneren Tempos – daher die mit einem Augenzwinkern servierte Genrebeschreibung – nie langweilig oder langatmig werden. Anspieltipps: “Try To Sleep”, “Especially Me”, “Nothing But Heart”

Platz 9

Feist : Metals
(VÖ: 30.09.11)
Leslie Feist habe ich erst recht spät in diesem Jahr für mich entdeckt, aber “Metals” hat mich sofort umgehauen. Zum einen wegen der kreativen ohrwurmartigen Stücke, derer man sich so schnell nicht entziehen konnte, zum anderen wegen dieses geheimnisvollen Elementes in der wohltuenden Stimme dieser Dame. Was Frau Feist nämlich von den vielen ungezählten Popjazz-Ladies unterscheidet, ist dass sie durchweg überraschende Reibungen erzeugen kann ohne rotzig zu werden wie beispielsweise bei PJ Harvey oder Patti Smith (Alles Guteee!) der Fall. Man nehme hier das spannungsgeladene “A Commotion” mit den monotonen Stakkato-Streichern und der stampfenden Rhythmusabteilung oder “Undiscovered First”, welches buchstäblich in einer wahnsinnig intensiven Gesangsdarbietung von Feist und ihren zahlreichen Gastdamen gipfelt: “Is this the right mountain for us to climb?” Boah, Gänsehaut total. Doch wenn auch der Rest sehr harmonisch und balladesk ist: Eins fügt sich nahtlos ins andere und wer Cat Power mag, sollte hier wirklich mal reinhören. Anspieltipps: “The Bad In Each Other”, “Graveyard”, “Undiscovered First”

Platz 8

Wolves In The Throne Room : Celestial Lineage
(VÖ: 23.09.11)
Mit “Celestial Lineage” schließt sich ein Kreis, der im Jahr 2006 mit “Diadem Of 12 Stars” begann und zuletzt mit dem schwer zugänglichen “Black Cascade” äußerst ruppig für mich in sich zusammen zu fallen drohte. Zum Glück ist Album Nummer vier der optimale Anschluss an das von mir heißgeliebte Zweitwerk “Two Hunters”, setzt wieder deutlich mehr auf naturspirituelle Atmosphäre und lässt den Geist wieder durch dichte, dunkle Douglasienwälder des amerikanischen Nordwestens wandern. Klar ist das hier noch Black Metal und wer bisher Ansgt davor hatte, wird so schnell auch nicht auf den Geschmack kommen… Wenn man sich aber nun ohne Vorbehalte darauf einlässt, sich hereinliest in die Hintergründe der Lebensweise dieser einzigartigen Band und dann auch wieder die ätherische Stimme der hervorragend hypnostisierenden Jessica Kinney in sich lässt, der findet Schönheit und sogar Wärme in einem tot scheinenden hohlen Thuja-Stamm… und in diesem Sinne auch mein Anspieltipp neben dem sakralen “Woodland Cathedral”: “Thuja Magus Imperium”

Platz 7

The Head And The Heart : s/t
(VÖ: 22.04.11)
Ein richtiger Dauerbrenner bei mir ist dieses Jahr das selbstbetitelte Album der aus Seattle kommenden The Head And The Heart. Fängt der Folk Pop des Gespanns mit “Cats And Dogs”, “Ghosts” und dem ohrenumschmeichelnden “Coeur D’Alene” noch sehr fröhlich-beschwingt an, wird das Ganze nach hinten raus immer ein wenig wehmütiger. Die schöne Produktion überzeugt mit satt-warmen Bassklängen, einer sanft-treibenden Perkussion in der Mitte, darüber den fast dauerpräsenten aber nie aufdringlichen Pianomelodien und schließlich den glasklaren Gesängen der drei Goldstimmen Josiah Johnson, Jonathan Russell und Charity Rose Thielen. Zu Recht ist die Truppe beim Superlabel Subpop Records untergekommen. Dass die Band auch tatsächlich mit ganzem Herzen bei der Sache ist und ihrem Namen alle Ehre macht (“Don’t follow your head, follow your heart…”), beweist euch dieses Beispielvideo unten, übrigens in einer sehr hübschen Location… ;) Da darf auch die ein oder andere Note schon mal daneben gehen… Anspieltipps (eigentlich alle toll, aber hier mal ein Querschnitt): “Ghosts”, “Rivers And Roads”, “Heaven Go Easy On Me”

Platz 6

The Decemberists : The King Is Dead
(VÖ: 14.01.11)
Darf es noch etwas mehr Folk sein? Mundharmonika, Geigen, Akkordeon, Akustikgitarren und gehörig Driiiive nach vorn, das ist “The King Is Dead” vom Januar 2011. Die einzelnen Songs sind noch besser als auf “The Crane Wife”. Wer die Omnipräsenz der Stimme von Colin Meloy bis heute nicht mochte, wird sie auch hier nicht lieben, wer aber amerikanischen Folk schätzt, wird schon beim Opener “Don’t Carry It All” von einer leidenschaftlichen Mundharmonika-Einleitung im besten Neil Young-Stil zu “Harvest”-Zeiten entzückt. “The King Is Dead” bleibt von vorn bis hinten packend, mal balladesk (“Rise To Me”), unmittelbar danach stampfend und schön zum Mitsingen (“Rox In The Box”), dann wieder mit “January Hymn” zum Schwelgen schön. The Decemberists haben die ganz großen Melodien einfach drauf. Anspieltipps: “Don’t Carry It All”, “Rise To Me”, “June Hymn”

Für die Top 5 bitte weiterblättern… der Spannung wegen… ;)

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