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Jahresrücklausch 2011 – Teil 2: Platz 20-11

30. Dezember 2011

Die Plätze 30 bis 21 sind vergeben. Das äußerst starke Musikjahr 2011 hat noch etliches zu bieten, von Herzschmerz bis heavy ist wieder alles dabei. Ich kann nicht behaupten alles gehört zu haben, aber die folgenden zehn Jahreshighlights solltet ihr ruhig mal antesten:

Platz 20

Kate Bush : 50 Words For Snow
(VÖ: 18.11.11)
Erst kürzlich haben wir ein paar lobende wie auch leicht kritische Worte über das neue Werk der großen Dame des Pop verfasst. Und ja, wäre da nicht diese ominöse Zusammenkunft mit Elton John auf diesem Album – Kate Bushs neuer Rundling wäre bestimmt in meine persönliche Top 10 dieses Jahres gekommen. So bleibt aber immerhin noch ein ganz starkes und unberechenbares, ein schönes, ein selten simples wie auch häufiger experimentelles Winteralbum einer unvergleichlichen Ausnahmekünstlerin. Anspieltipps: „Lake Tahoe“, „Wild Man“, „Among Angels“

Platz 19


Bonnie „Prince“ Billy : Wolfroy Goes To Town

(VÖ: 07.10.11)
Mit einem schrägen Künstler geht es weiter. Bonnie „Prince“ Billy aka Will Oldham kann bereits auf eine lange Singer-Songwriter- sowie Schauspielerkarriere zurückblicken. Auf „Wolfroy…“ fährt der immer etwas ningelig klingende Amerikaner musikalisch eine entspannte Minimal-Songwriter- bis Countrylinie, erfindet dabei das Rad nicht neu, zieht aber auf seine verinnahmende Art in den Bann und ermuntert sogar ein ums andere mal durch die spitzbübisch durchtriebenen Texte – oder sind sie doch vollkommen unschuldig? Wer weiß das bei diesem Kerl so genau? – zu einem breiten Grinsen. In diesem Sinne: „Lover o lover please buy me a beer and bring all your enemies here!“ Anspieltipps: „Time To Be Clear“, „There Will Be Spring“, „Quail And Dumplings“

Platz 18

William Fitzsimmons : Gold In The Shadow
(VÖ: 25.03.11)
Noch so ein Vollbarttyp mit Gitarre… Das schönste Album der ganz leisen Töne geht dieses Jahr knapp vor Bonnie „Prince“ an den Psychotherapeuten William Fitzsimmons. Mit kaum mehr als einem Flüstern erzählt uns der Seelendoktor aus Illinois ein paar Lebensgeschichten psychischen Leidens von einer doch sehr menschlichen und nachvollziehbaren Seite, spärlich instrumentiert, doch mit einfach schönen Melodien zum Dahinknieen. Klar, ein Allheilmittel gegen alle Seelenleiden ist dieses zaghafte Kleinod nicht, aber so gibt es doch Trost und Zuversicht, vielleicht sogar Mut und Hoffnung. Mit den Anspieltipps tu ich mich etwas schwer, ist es doch so ein von-vorn-bis-hinten-gleichtolles Album, aber bitteschön: „Beautiful Girl“, „What Hold“

Platz 17

Primordial : Redemption At The Puritan’s Hand
(VÖ: 22.04.11)
Obacht, wir werden ein ganzes Stückchen lauter und zuversichtloser. Primordials siebentes Album konnte mich leider nicht ganz so sehr fesseln wie die beiden starken Vorgänger. Woran liegt es? Die allgegenwärtige Trostlosigkeit kann es nicht sein; „The Gathering Wilderness“ war vor sieben Jahren schon ein gehöriger Depribatzen sondergleichen und wusste trotzdem auf seine endzeitliche Art mitzureißen. Vielleicht liegt es an der Verbittertheit dieses fies klingenden Rundlings hier? Die Produktion ist schon arg rauh geraten und es gibt viele Querverweise in die alte Black-Metal-Zeit, aber mich stört eher ein bisschen, dass es bei den Iren gerade etwas zu stagnieren scheint. Die altbekannten Trademarks sind da: treibende Tribaldrums, schneidende Gitarren und über aller instrumentaler Epik und Leidenschaft Alans nach wie vor unvergleichlicher Gesang… aber eben auch recht viel Füllmaterial. Stark wirkt die Band hingegen im atmosphärischen, langsamen „Mouth Of Judas“, dessen Beginn eine kleine Ode an David E. Edwards zu sein scheint, den Alan bekanntlich auch sehr schätzt. Aber irgendwie hat selbst das beste Stück auf diesem Album so seine Längen und leider kommt sonst kein weiterer Track auf „Redemption…“ so zwingend daher wie es beispielsweise durchgängig auf dem brachial guten Vorgänger der Fall war. Aber verdammt nochmal, es sind immer noch Primordial und die müssen einfach in so einer Liste von mir stehen! Anspieltipps: „No Grave Deep Enough“, „The Mouth Of Judas“

Platz 16

Peter Gabriel : New Blood
(VÖ: 07.10.11)
Ich habe mich erst schwer damit getan, ob diese Kollektion überhaupt in dieser Übersicht Platz finden sollte, da es sich bei „New Blood“ ja um bereits veröffentlichte Songs des alten Genesis-Papstes handelt. Doch wenige Hördurchläufe später wusste ich, dass diese wunderbare Neuorchestrierung einfach perfekt zu den einzelnen Stücken passt, ja, regelrecht als wären sie für diese opulente Kulisse geschaffen worden. Gabriel hat ein wunderbares Gespür für Dramatik („Darkness“, Gänsehaut!) und an keiner Stelle wirkt das Ganze überladen; im Gegenteil: Die Songs an sich sind sogar auf auf ihr Wesentliches reduziert worden. Darüber schwebt diese nach all den Jahren immer noch so tadellos vielseitige wie emotionale Stimme Gabriels, übrigens hin und wieder von seiner eigenen Tochter oder der engelsgleichen Ane Brun „Don’t Give Up“ versüßt. Anspieltipps: „In Your Eyes“, „Darkness“, „Solsbury Hill“

Platz 15

The Kills : Blood Pressures
(VÖ: 01.04.11)
Vom Orchester zur Zweimann-Besetzung: The Kills haben mich dieses Jahr sehr spät erreicht. Erst als Jana ihre Begeisterung kundtat, langte ich ins Bibliotheksregal um mal in die aktuelle Scheibe der Lo-Fi-Garagecombo reinzuhorchen. Es hat mich angenehm hinweggefegt, muss ich sagen. Alison Mosshart und Jamie Hince singen ganz famos zusammen, das darunterliegende Instrumentarium ist auf ein geradeaus rockendes Minimum reduziert. Absolut unwiderstehlich tanzbar von vorn bis hinten. Nur beim schönen „The Last Goodbye“ darf man sich mal schnäuzend in den Armen liegen. Anspieltipps: „The Heart Is A Beating Drum“, „The Last Goodbye“

Platz 14

Omega Massif : Karpatia
(VÖ: 16.09.11)
Krach nochmal, diesmal dürfen es auch ein paar Gitarren mehr sein. Ich habe mich bereits wohlwollend über diesen fantastischen Brocken geäußert und wiederhole mich gerne: „Das neue Material ist zwingend und verleitet ab und an sogar zum freudigen Mosh durchs heimische Wohnzimmer. Auf eine bestimmte Geschwindigkeit lässt sich die Band da nicht festnageln. Bereits in “Aura” werden alle Register der Vielfalt gezogen und eine eben solche dichte Aura aufgebaut, die einen gekonnt mit einem lang ausatmenden e-Bow aus dem Alltag zerrt, hinein in die Karpaten, hinein ins groovende Vergnügen von “Wölfe”, in den maliziösen Sog von “Ursus Arctos”, versumpfen “Im Karst” bevor es noch im gleichen Stück in schwindelerregende Höhen der Rage geht, episch groß und erhaben, nur noch überragt vom Titeltrack selbst, der doomig-dräuend eine Kamerafahrt entlang zerklüfteter Felszinnen wagt und nahtlos in ein zunächst sogar etwas verträumtes “Steinernes Meer” mündet.“ Anspieltipps: „Aura“, „Steinernes Meer“

Platz 13

Opeth : Heritage
(VÖ: 16.09.11)
Das von allen Fans heiß erwartete Hammondorgel-NoGrowls-Album spaltete die Gemüter aufrgund der neuen Ausrichtung. Der band ist das reichlich schnuppe, wie wir früher diesen Monat von Basser Martin Mendez persönlich erfahren durten. Mit „Heritage“ hat man vielleicht ein wenig länger zu tun, da hier an vielen Stellen die ganz großen Ohrwurmmomente und typischen Wiedererkennungsmerkmale ausbleiben. Das soll aber nicht heißen, dass Opeth ihre Highlights (gänsehautmeißelnder Gruselsoul bei „I Feel The Dark“, straightforward-Dio-Rock bei „Slither“, jazztrippige Coolness bei „Nepenthe“) mit frickeligen Belanglosigkeiten überbrücken, mitnichten. „Heritage“ setzt hübsch auf schweifende Atmosphäre, das richtige Spannungsmaß zwischen akustischer Geheimniskrämerei und groovendem Metalausbruch (ansonsten ist da eher nichts metal, jaja) ohne die gewohnte Emotionalität außer Acht zu lassen. Es endet gar traumhaft mit dem instrumentalen Schwelgestück „Marrow Of The Earth“. Growls raus, 70s und Schönheit rein: längst überfällig seit dem Appetithappen „Damnation“ anno 2003. Anspieltipps: „The Devil’s Orchard“, „I Feel The Dark“, „Slither“

Platz 12

Jonathan Jeremiah : A Solitary Man
(VÖ: 12.08.11)
Manchmal ist das gute alte UKW-Radio doch noch zu mehr als dem Wetterbericht gut. Diese Scheibe war dieses Jahr irgendwann mal „CD der Woche“ bei MDR Figaro und so schob sich vor allem die markante Soulstimme dieses Briten zu morgendschlafener Zeit an mein schlafsandverknörbeltes Bewusstsein. Jeder einzelne Song dieser Platte gehört an seinen Platz: sei das mal nachdenklich Richtung Nick Drake blickend (na kommt, diese Assoziation MUSS bei den eingehenden Takten des Titelsongs einfach kommen!) und auf minimales Singer-Songwriter-Instrumentarium reduziert, dann hin und wieder an den besseren Tom Jones erinnernd, pompös und reich orchestriert. Sieben Jahre hat der noch recht junge und dabei so sehr reif klingende Kerl für dieses Debütalbum gebraucht. Dazwischen lagen ernüchternde Ausflüge über den großen Teich und diverse Aushilfsjobs, um die Kohle für die sinfonischen Schmankerl auf „A Solitary Man“ zusammenzusparen. Heraus kam dabei etwas ganz Zeitloses, Kurzweiliges wie auch lange Beständiges.

Platz 11

Wye Oak : Civilian
(VÖ: 04.03.11)
Anleihen aus Shoegaze, Folk, Grunge, Noise und Indie machen Wye Oak zum ganz besonderen Schmankerl im heimischen Plattenschrank, zumal mit dem Titelsong DAS Lied des Jahres seine Veröffentlichung gefunden hat! Und das alles mit nur einem Arm am Schlagzeug, den anderen am Keyboard und die wunderbare Jenn Wasner mit ihrem tollen Gesang und der zum Sturm wachsenden Gitarre. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr solch emotionale Knaller an Bord gewesen wären, aber die restlichen Stücke fahren eine eher düsterere, aber auch gelassenere Schiene, was immerhin auch sehr schön anzuhören ist. Alle Fans von Cat Power und Neil Young können hier getrost zulangen! Anspieltipps: „Holy Holy“, „Plains“, „Civilian“ (und hier mal eine ebenfalls lohnende Akustikversion des Tracks, aber immernoch recht unvergleichbar mit dem grandiosen Albumtrack):

Fortsetzung folgt…

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