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Interview mit BOHO DANCER

10. Juli 2012

Boho Dancer (c) Claus Bellers

Boho Dancer (c) Claus Bellers

Alle Jahre wieder ist Århus‘ SPOT Festival DAS Event, um die feinste neue skandinavische Musik im Pop- und Rock-Universum kennenzulernen. Aber um ehrlich zu sein, BOHO DANCER machen weder Pop oder Rockmusik. Wenn unser Boho-Baby überhaupt auf irgendeinen Namen hört, dann auf ‚unschuldig-grotesken Freakfolk aus Dänemark‘!

Ihre erste EP „Furry Skin“ hatte mich sofort in ihren Bann gezogen. Die gibt es glücklicherweise als Stream auf Soundcloud. Ida, Boho Dancers wundervolle Sängerin, hat uns rasch und detailliert ein paar Fragen beantwortet…

Hallo Ida! Ihr bekommt ja haufenweise positives Feedback auf eurer Soundcloud-Seite und auch der Auftritt beim SPOT-Festival hat hervorragende Kritiken bekommen. Wie war es denn für euch, bei diesem besonderen Festival mittlerweile ein zweites mal zu spielen?…

Ida: Das SPOT-Festival bietet dir die perfekte Gelegenheit, deine Musik einem sehr hingebungsvollen und offenen Publikum zu präsentieren. Die Leute dort hören sich normalerweise immer sehr viel neue Musik an; das ist für uns also perfekt. Letztes Jahr war SPOT überwältigend und magisch und als ein neuer Name in der Szene gab uns das Festival eine Menge. Dieses Jahr war auch überwältigend und magisch, aber darüberhinaus sorgten wir mit dem Konzert auch für einigen Wirbel und konnten die Aufmerksamkeit einiger Leute aus dem Ausland erhaschen. Wir haben vor, während und nach dem Festival hart gearbeitet und es hat sich ausgezahlt.

Ihr habt das SPOT Festival zwar schon zwei mal bespielen dürfen, aber es scheint als wärt ihr kaum über die dänischen Grenzen hinaus gekommen, um mal ein paar Shows im Ausland zu spielen!? Glaubt ihr dass sich das jetzt nach dem Release eurer ersten CD ändern wird?

Ida: Wir haben in der Tat nicht viel außerhalb Dänemarks gespielt. Aber das wird sich schon bald ändern, dank der positiven Reaktionen auf das SPOT-Konzert. Wir brennen darauf, mal rauszukommen und herauszufinden, was die Leute so von uns denken. Wir glauben wir haben viel zu bieten… mehr noch mit unserem bald erscheinenden ersten Album…

Es gibt Songs von BJÖRK und JONI MITCHELL, die „(The) Boho Dancer“ heißen. War eine dieser beiden Quellen der Ursprung für euren Bandnamen oder wie seid ihr darauf gekommen, euch so zu nennen?

Ida: Ich bin seit Jahren ein Joni Mitchell-Fan, und obwohl er nicht mein Lieblingssong ist, so mochten wir doch wirklich den Klang dieser Worte und das Bild eines Bohémien-Tänzers, der sich mit der Musik verbindet und auf eine höhere Ebene kommt. Musik schafft Bilder und der Boho Dancers ist eines dieser Bilder – Es ist ein aufmerksamer Zuhörer, der im Publikum loslässt; Es ist wir, wie wir loslassen; es kann alles sein, wozu dich die Musik macht. Eine Bohéme-Seele findet ihren Weg durch Bewegung von innen nach außen, durch Kunst und Offenheit.

Euer Sound ist irgendwie unheimlich, aber dennoch eingängig – Ich mag das. Das ist ein Zeichen guten Songwritings und zeigt, dass ihr wohl viel Zeit darauf verwendet habt, die erste EP „Furry Skin“ zu schreiben, zu arragngieren und zu produzieren. Wie lange habt ihr nun wirklich gebraucht, um diesen wunderbaren Sound und diese fünf Lieder zu formen?

Ida: Wir waren etwa zweieinhalb Wochen lang mit dem groaßrtigen, kreativen Produzenten Jonas Tranberg im Studio. Wir sind mit fünf Song zu ihm gekommen und einer dieser Songs ist erst an dem Tag fertiggeworden, an dem wir ihn aufnahmen. Das hat ihn ziemlich intensiv und frisch klingen lassen. Aber davor waren wir oft im Proberaum, um die Musik zu arrangieren, alles ganz nerdig. Wir sind dann mit freien Köpfen ins Studio gegangen und wussten, dass wir das Material hatten, es aber noch ganz besonders klingen lassen mussten. Wie lange hat’s gedauert… alles in allem 25 Jahre… :) Alles beeinflusst uns und es war 25 Jahre lang eine große Suche. „Furry Skin“ drückt diese Suche aus.

Ihr scheint mir auch als Band ein gutes Team zu sein. Wie sied ihr denn als BOHO DANCER zusammengekommen?

Ida: Símun studiert am Musikkonservatorium und Asker ist gerade dort fertiggeworden. Ich habe im frühen Alter eigene Songs geschrieben und hatte Glück, vor drei bis vier Jahren über Asker und Símun in der Musikszene von Aarhus zu stolpern als wir alle dort lebten. Asker ist ein par Jahre älter als ich und ich kenne ihn schon länger. Ich wollte schon immer mit ihm spielen, weil er so talentiert und cool war, aber es forderte von mir ein paar Jahre – und Coolness! – ihn zu fragen. Er hatte Símun als Bassisten vorgeschlagen, weil sie zusammen zur Schule gingen. Damals waren wir sogar noch vier Leute in der Band und hießen noch nicht BOHO DANCER. Das begann erst, als wir nur noch zu dritt waren und wir mit sechs Händen noch tiefer in den Sound einsteigen mussten. Das machte uns noch kreativer und experimenteller.

Dieses „Gruselige“, das ich erwähnte, kommt wahrscheinlich von meiner ersten BOHO DANCER-Erfahrung: dem Videoclip zu „Me & Your God“. Ida, du schaust da sehr unheimlich aus… Aber ich denke mal das ist genau die Idee von einem modernen Anti-Götzen-Song?

Ida: Es ist witzig, wie Zufälle am Ende Sinn machen können. Das Video sollte ursprünglich in Farbe sein, aber die Wand im Hintergrund sah so scheußlich aus, dass wir es am Ende schwarz-weiß machten, was das Ganze noch unheimlicher aussehen ließ. Die idee mit dem Haus, dass da gebaut und wieder zerstört wird, kam vom Videoproduzenten Jakob Keinicke. Wenn Gott stirbt, muss er physisch sein. Und wenn wir herausfinden, dass er nur menschlich ist, dann stirbt er. Das Haus, das wir erbaut haben, stürzt wieder ein. Es geht viel um Transformation in den Songs auf „Furry Skin“. Es muss hässlich aussehen und sich auch so anfühlen, damit du die Dinge klarer siehst, bis du wächst und dich vielleicht besser fühlst… Zumindest bis die nächste Transformation daherkommt.

Ich finde ja auch, dass „Pistols“ einen sehr spöttelden Ton an den Tag legt. „Everyone needs their pistols…“. Oft gibt es diese Gegensätze zwischen Idas lieblicher Stimme und den schönen Melodien (wenn auch mit einem psychedelischen Einschlag) und solchen Texten… Im selben Lied tauscht auch die Zeile „Lucy in the river…“ auf; eine Hommage an den Beatles-Klassiker „Lucy In The Sky“?

Ida: Ha, das gefällt mir, aber ich singe in Wirklichkeit „loose it in the river“. Vielleicht sollte ich den Text ändern! 😉

Zu welchen anderen Künstlern schaut ihr auf? Ich könnte wetten, dass auch VASHTI BUNYANs Musik eine große Inspiration für den Boho-Sound darstellt?

Ida: Ich bin auf VASHTI BUNYAN vor etwa einem halben Jahr gestoßen. Dieser „Train Song“ ist wirklich atemberaubend. Ich habe vor einigen Jahren Inspiration bei PATTI SMITH, NINA SIMONE und JONI MITCHELL gefunden. In Wirklichkeit tue ich das noch immer, weil alle drei Frauen starke künstlerische und authentische Persönlichkeiten sind. Sie haben mir in meiner eigenen Entwicklung als Künstlerin sehr geholfen. Wir sind uns alle bei NEIL YOUNG, LEONHARD COHEN und LOCAL NATIVES einig als wichtige Leute, zu denen wir alle aufschauen. Aber da gibt es so viele… Musik inspiriert einfach nur, egal ob du sie selbst spielst oder nur hörst…

Ich tippe mal, dass ihr schon fleißig am Debütalbum arbeitet? Könnt ihr uns da schon ein bisschen mehr erzählen?

Ida: Aber nur ein bisschen. :) Wir gehen in ein paar Wochen ins Studio. Wir haben viel tolles Material zur Auswahl und hegen hohe Erwartungen an das erste Album. Die Melodien und Texte sind da – nun müssen wir nur noch viele Nerven und Präsenz reinlegen und das Ganze aufnehmen, damit es jeder fühlen kann… Dann werden wir im Herbst ein bisschen durch Dänemark und südlich davon touren. Ich kann noch nicht viel preisgeben, aber die Dinge entwickeln sich sehr schön…

Offizielle Homepage: www.bohodancer.com

1 Kommentar

  1. Gudrun

    Vielen Dank! Wieder einmal ein toller Musiktipp und so ein nettes Gespräch. Da bleibt nur zu hoffen, dass es mit dem Debüt-Album nicht mehr so arg lang dauert!

    #5846

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