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Im Gespräch mit MARY EPWORTH und Will Twynham

31. März 2012

Vor einigen Wochen stolperte ich über die Musik von MARY EPWORTH und ihrer Jubilee Band. Ihr Debütalbum, eine coole Mischung aus Psych Folk und Singer-Songwriter-Melodien jenseits der ausgelatschten Pfade, wird demnächst erscheinen. Wir haben über diese Scheibe auch schon in höchsten Tönen gelobhuddelt. Sie und ihr Freund und Hand Of Glory-Partner Will Twynham gaben bereitwillig Auskunft über das neue Album, 60er-Jahre-Musik und all das, was sonst noch so ansteht…

Mary, wie bist du denn zur Musik gekommen? Es hört sich an als hättest du viel Zeit zwischen den Platten deines Daddys, der Musikschule, Abenden im Acoustic Club und Wochenenden auf dem Land verbracht, während im Auto Musik von der Incredible String Band lief? Nur so eine Vermutung…

MARY: Bei meinem Dad lief immer Jean Michel Jarre oder Kate Bush als ich noch ziemlich klein war, da ist bestimmt was bei mir hängengeblieben. Meine Familie ist auch sehr naturverbunden, daher habe ich vielleicht auch dieses pastorale von ihnen übernommen. Aber sonst machen meine Folks keine Musik, das muss wohl bei mir von innen kommen. Es gab nie Klavierstunden oder so etwas. Ernsthafter hat es mit der Musik bei mir angefangen als ich 14 war und in echt schäbigen Indiebands gesungen habe. Dann ging es aber rasch weiter…

Der Song „Black Doe“ stellt auf „Dream Life“ eher eine Ausnahme dar: Da geht es recht heftig, groovig und düster-doomig zur Sache. Auf der 7″-Single klingt der Sound sogar noch fieser. Ich mag diesen Sound aber, steht dir gut. „Dream Life“ als Album ist aber eher introvertiert, zahmer aber nicht weniger interessant. War das eine bewusste Entscheidung, das Album selbst ruhiger zu machen?

WILL: Nicht ruhiger als solches, aber wir versuchen eher jeden Song separat als eigene Einheit zu betrachten, statt nur an einem Sound für das große Ganze zu hängen. Ich glaube nicht dass es für einen Song wie „Sweet Boy“ angemessen gewesen wäre, auf dreckigen Drumfills und Fuzzgitarren zu beharren… 😉

MARY: Will hat recht. Wir wollten kein Gesamtkonzept für die Songs, wir wollten dass alle einzeln wahrgenommen werden, aber schon dass der Gesamtsound die Stücke als Ganzes verbindet.

Wie lange hat es denn gedauert die Songs zu schreiben und aufzunehmen und was waren die größten Herausforderungen dabei?

MARY: Das hat ziemlich lange gedauert. Einige hatte ich über Jahre im Kopf, andere waren viel einfacher als jetzt und mit der Zeit wurden sie zu etwas Neuem. „Black Doe“ war ursprünglich nur ein Song für Gesang und Gitarre, eine Art hypnotisches Fingerpicking-Stück. Es ist zu etwas ganz Neuem geworden.

Mary Epworth : Dream Life (2012)

Mary Epworth : Dream Life (2012)

Dein Bruder Paul ist ja derzeit ein sehr angesagter Musikmacher, der jüngst als Adele-Produzent vier Grammys abstauben durfte. Ist er für dich ein großer Einfluss oder irgendwie behilflich für deine eigene Musik?

MARY: Er ist mein großer Bruder und als wir klein waren, folgte ich immer seinem Beispiel. Als er Metal hörte, hörte ich auch Metal. Ich glaube das war ziemlich belastend. Ich frage mich ob ich in Bands gelandet wäre, wenn er in irgendetwas anderes als Musik geraten wäre. Andererseits, er mochte immer Fußball und mich ödet das einfach nur an… Vielleicht habe ich gerade meine eigene Frage beantwortet.

Wäre es für deinen eigenen Erfolg nicht das einfachste „gemeinsame Sache“ mit deinem Bruder zu machen?

MARY: Wäre das dann wirklich mein Erfolg oder seiner mit mir im Schlepptau? Seit wir Teenager sind, sind wir beide sehr unabhängig von dem was der andere tut. Wir haben beide einen sehr starken Willen und ich bin sehr stur und beschützend mit meinen eigenen Songs. Er arbeitet mit seinen Künstlern zusammen und es würde nicht besonders gut passen, wenn wir zusammenarbeiten würden. Er hat geholfen, aber auf eine sehr heraushaltende Art. Er ist aber eine hervorragende Quelle was Wissen übers Musikbusiness angeht. Außerdem wurde ein großer Teil unseres Albums auf seinem alten Macbook aufgenommen, das er uns gesponsert hat. Ich hoffe dass wir eines Tages doch mal zusammenarbeiten werden, aber das muss abseits meines eigenen Soloschaffens sein.

Du und Will ihr habt sogar euer eigenes Label am Laufen, Hand Of Glory. Wann und warum habt ihr euch dazu entschlossen, das Ganze nicht nur alles allein zu stemmen, sondern sogar andere Bands zu veröffentlichen?

MARY: Ich glaube wir haben begriffen, dass wir beide wohl wahnsinnig werden würden, wenn wir ewig darauf warteten irgendwann entdeckt zu werden. Wir haben H.O.G. zusammen mit ein paar Freunden ins Leben gerufen, Clubnächte veranstaltet etc. Es macht auch mal Spaß, sich mit was anderem als nur der eigenen Musik zu beschäftigen. Es gab Zeiten da war es einfach nur frustrierend, über diesem Album zu brüten, weil es echt lange dauerte. Es ist eine willkommene Abwechslung, auch mal über die Musik von jemand anderem nachzudenken. Wenn man das macht, muss man sich nicht ständig die Frage stellen „Was mach ich hier eigentlich?“ und kann auch mal enthusiastisch für etwas anderes brennen.“

Welche Bands sind denn bei eurem Label? Das ganze Erscheinungsbild sieht ein wenig kauzig aus… auf eine nette Art!

WILL: Also, „bei“ unserem Label sind bisher nur Mary und ich. Wir haben eine Single für die OUTDOOR TYPES herausgebracht; das sind Freunde von uns. Im Moment haben wir auch eine EP von THE DOWNLINERS SECT (eine 60er-Garagenband) im Katalog. Derzeit also nur eine handvoll von 7″, aber wir wollen mit dem Label gern noch produktiver werden.

MARY: Wir möchten diese Seite von Hand Of Glory noch ausweiten. Will hat sein eigenes Soloalbum auch fast fertig und wir haben viele wunderbare Platten, die wir gern wiederveröffentlichen wollen. Man kann sich da ganz schnell begeistern, es macht total Spaß!

In der Kneipe ich Bishop’s Stortford, wo ich euch zum ersten mal traf, war es ja nicht zu übersehen dass ihr beide und insbesondere Will große Vinylfans seid. Ich denke mal dass es auch ein 12″-Release für „Dream Life“ geben wird!?

MARY: Ich denke ich lasse Will diese Frage beantworten. Ich bin kein Sammler, aber er lebt und atmet Vinyl.

WILL: Ich denke die Frage kannst du genauso beantworten wie ich. 😉 Ja, wir pressen das Album auf Vinyl. Wir haben das extra schon so in A- und B-Seite eingeteilt!

Es ist ja kein Geheimnis, dass auch eure Musik sehr den Flair der 60er atmet, was man auch in euren beiden bisherigen Musikvideos sehen kann. Will trug ja auch Tonnen an alten Singles mit sich herum. Was fasziniert euch denn an dieser Ära und könnt ihr vielleicht ein paar „Must-Know“-Artists nennen, die euch dahingehend maßgeblich beeinflusst haben?

WILL: Ich glaube „Popmusik“ war damals so neu. Geld wurde in alle möglichen komischen Projekte reingesteckt, wo man heute gar nichts mehr investieren würde. Viele künstlerische Statements haben ein Riesenbudget bekommen. Wir beide sind zum Beispiel besessen von RAMASES, einem Klempner aus Sheffield, der von sich glaubte, die Reinkarnation eines ägyptischen Gottes zu sein. Er brachte ein paar Singles und zwei LPs raus, und das alles auf Major Labels mit richtig großem Budget und ambitionierten Produktionen. Sowas passiert heute nicht mehr und ich finde das ganz schön schade. Ich glaube nicht dass die Leute über die Jahre weniger talentiert geworden sind, aber es gibt einfach weniger Investitionen und weniger Risiko. Das ist furchtbar. Ansonsten höre ich mir Psychplatten aus der ganzen Welt an. Vor dem Internet war es schwierig, überhaupt die Namen der Bands aus anderen Ländern zu lesen, nun kannst du aber innerhalb von Sekunden bei YouTube reinhören, das ist schon krass. Im Moment gefallen mir besonders TRAFFIC SOUND (Peru), JOHN E SHARPE AND THE SQUIRES (Südafrika), THE COMBUSTIBLES (Indien) und ganz viel UK Rock’n’Roll wie ROY YOUNG, CHERRY WAINER, JOHNNY KIDD etc.

MARY: Das sehe ich alles auch so, aber ich für meinen Teil muss noch betonen, dass die 60er und 70er absolut blühende Epochen der populären Musik waren. Ganz viel Musik geht auf diese Ära zurück. Ich denke das kann man auch von uns behaupten, aber wir wollen nicht nur zurückschauen. Was Einflüsse angeht, so sage ich immer, dass die BEACH BOYS meine Religion sind, und das stimmt auch. Es gibt aber auch Platz für THE ZOMBIES, APHRODITE’S CHILD, die frühen BEE GEES, CURT BOETTCHER und TODD RUNDGREN… Ich könnte ewig so weiter machen! Man kann nicht behaupten, dass moderne Musik schlecht ist, aber das Ding ist, das diese Jungs sie erfunden haben. Die haben als Skiffle- oder Beatgruppen angefangen, wurden dann zu Pop, dann zu Psychedelic und dann schließlich Prog oder Glam. Es muss wie eine Knospe an einem Baum gewesen sein, die sich zur Blüte öffnet. Jede Zwischenstation auf dieser Reise war schön, weil alles neu und experimentell war. Sie haben das alles gemacht und sich zeitgleich weiterentwickelt und das ist für mich voll energetisierend und erfreulich.

Was sind eure Pläne nachdem ihr „Dream Life“ veröffentlicht habt?

MARY: Wer weiß! Auf kurze und praktische Sicht wollen wir natürlich die Platte betouren, uns Gedanken über eine neue machen und Wills Album mit ADAPTER ADAPTER veröffentlichen. Auf längere Sicht denken wir viel über Fragen des Lebens und die Zukunft nach. Wir werden sehen wo uns dieses Album hinbringt. Es ist alles andere als einfach, von der Musik zu leben, deshalb haben wir auch diesen Titel gewählt. Was ist ein „Traumleben“ und wie erlangt man es? Weißt du, wenn du es hast? Große Fragen.

Soweit ich weiß sucht ihr auch noch nach einem Vertrieb hier in Deutschland. Gibt’s da irgendwelche Neuigkeiten?

MARY: Wir haben besonders viel Rückmeldung auf „Black Doe“ im britischen Radio bekommen und viele Leute sind auf uns aufmerksam geworden. Wir haben einige Leute hier, die mit uns arbeiten wollen und natürlich machen wir uns Gedanken, wie wir öfter nach Deutschland kommen können. Daumen drücken!

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Mary Epworth official: www.maryepworth.com
Mary Epworth @ Facebook: https://www.facebook.com/maryepworth

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