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Hüte auf Stelzen

9. November 2007

…Dabei zeichnet sich ein surreales Bild ab: Wohl eine Mischung aus langbeinigen Unwesen in Salvador Dalís „Versuchung des heiligen Antonius“ und den vielen „Männern mit Melone“ eines René Magritte. Weit weniger elitär muten die Gesichter hinter diesem Namen, die Stelzen unter diesen Hüten, an: Adrian und Bryan als die Gebrüder O’Connell sowie Eamonn Phelan aus der Grafschaft Carlow im südlichen Osten Irlands bilden zusammen die HUTS ON STILTS und sind nette Jungs aus meiner derzeitigen Nachbarschaft wie sie normaler nicht scheinen können.

Worin liegt also der Reiz an netten Jungs von nebenan? Vielleicht in der Tatsache, dass hier aus der Seele heraus mit einer E- und einer Akustikklampfe, mit einem Bass und einem Schlagzeug einfache, aber ehrliche Musik ihre Hörer sucht. Vielleicht sind es aber auch charmante 4-spurige Schlafzimmeraufnahmen, oder minimalistische Arrangements, die wohl gerade aufgrund ihrer Reduziertheit auf’s Wesentliche all jene gefangennehmen, die sich auf diese spontan anmutende Simplizität einlassen.

Huts on Stilts live @ Philly Grimes (18.10.2007)… Besonders wirkungsvoll kommt dies in intimen Konzerten im Kerzenschein zur Geltung – So geschehen am 18. Oktober in einem winzigen Pub namens Phil Grimes im irischen Waterford. Die dort jeden Donnerstag zelebrierten Candlelight Sessions locken stets ein junges buntgemischt-alternatives Publikum aus der Umgebung. Doch nicht nur angesichts der warmen Atmosphäre bei Guinness und Kerzenlicht geht es hier besonders familiär zu: Eamonns Bruder John hat für diesen Gig den Platz am Bass eingenommen. Fehlt eigentlich nur noch ein Drummer, doch leider musste dieser diesmal aus beruflichen Verpflichtungen seine digitale Vertretung schicken. John meint, dass der „echte Drummer“ einer der besten Schlagzeuger aus ihrer Umgebung ist. Ich will das gern glauben, doch wurden die Phil Grimes-Anwesenden gezwungen, dem unglaublich unpassend nach 80er-Jahre klingenden Drumcomputer zu lauschen. Doch trotz dieses kleinen elektronischen Hindernisses und der nur vier gespielten Lieder war es den drei Musikern auf der kleinen Bühne anzumerken, dass in diese Musik viel Herzblut einfließt.

Huts on Stilts live @ Philly Grimes (18.10.2007)Wem das der musikalischen Berschreibung noch nicht genug ist: Als Haupteinflüsse nennt man selbst Nada Surf, Kings of Convenience, Toumani Diabate, Low, sowie The Frank and Walters. Zwar kann ich mit diesen Namen nicht viel anfangen, aber vielleicht hilft’s ja jemandem bei der Einordnung. Am besten ist natürlich, man malt sich inspiriert von den Tönen eines „Kopraonu“, „Stumble“ oder dem neu eingespielten „All so very strange“ ein eigenes Bild dieser Band – Es muss ja nicht gleich ein Dalí oder Magritte sein…

Es gibt auf der Myspace-Seite der Band sogar CDs zu ordern: 4 Tracks, „Stumble“ nennt sich die Demodisc, sehr nett im weißgepappten Promo-Outfit. Die Jungs freuen sich ganz bestimmt über ein paar nette Worte und die ein oder andere Bestellung aus Deutschland.

Wer weiß, vielleicht werden sie ja eines Tages auch in Germoney zu sehen sein. In Norwegen waren sie bereits: Im Juli diesen Jahres gastierten sie erfolgreich beim gar nicht mal so kleinen Slottsfjell Festival, mögen sie noch weit kommen!

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