Suche

HOLMES : Burning Bridges

10. Juni 2012

Holmes (c) Kristoffer Hedberg

Holmes (c) Kristoffer Hedberg

Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass auch nur irgendeine Band die musikalische Genialität meines Alltime-Helden NEIL YOUNG erreichen könnte ohne so eine lausige Möchtegern-Kopie zu sein. Für all jene, die Youngs „Ningelgesang“ nicht leiden können, ist es wohl das Beste, diesen Artikel nun wegzuklicken. HOLMES würden euch nicht glücklich machen. All jene aber, die beim Klang der Old Black ins Seufzen kommen, oder gar bei sensiblem Gesang, sehnsüchtigen Texten und diesem typisch-relaxten, bassigen Dumdedidum-Rhythmus á la „Harvest“: Willkommen in der Welt von Holmes. Es klingt beinahe, als hätte der Urvater des Grunge höchstselbst das Erbe seiner früheren Tage auf die Schultern dieser sechs Schweden gepflanzt, besonders auf die von Holmes-Mastermind Kristoffer Bolander, dessen Stimmbänder of Gold klar und lebhaft wunderbar melancholisch tönen, begleitet von Johan Björklunds „Heulen im Hawaii-Stil“ der Lapsteel-Gitarre und Larisa Ljungkronas traurig-schunkelndem Akkordeon…

Nachdem sie zwei fantastische folkig-melancholische Alben herausgebracht haben, gibt es nun die essentiell wichtige dritte Platte „Burning Bridges“ zu hören. Die Songs sind noch besser als die auf „Wolves“ und dem Zweitling „Have I Told You Lately That I Loathe You“. Stücke wie der schöne Opener „Brothers“ oder „Night, Bright Night“ atmen die typisch herzerwärmende Atmosphäre der früheren Scheiben, aber es gibt auch viele neue Einflüsse zu hören: „All I Had In Store“ ist so schleppend langsam und dicht, dass jede Doomband wie die Hintergrundmusik einer Kindergartenfeier klingt und „Vinter“ verweist auf den großartigen SUN KIL MOON / RED HOUSE PAINTERS-Kopf Mark Kozelek… Es gibt aber auch eine handvoll frohgelauntere, poppige Nummern: „Where Dreams Come From“, „Waiting“ oder „Debris“ zum Beispiel. Zu Letzterem gibt es übrigens auch ein sehr witziges Video (s. unten), in dem die Bandmitglieder als Playmobilfiguren durch ein Puppenhaus hüpfen… Alles in allem ist „Burning Bridges“ bis dato das wahrscheinlich vielseitigste Holmes-Album mit sehr starkem So(n)gwriting und melancholischer Eingängigkeit an jeder Ecke. Das einzig verstörende ist vielleicht das Ende des letzten Songs „Captain Weakheart“, was so ungefähr so klingt, als gingen meine Boxen so langsam aber sicher durch einen Wackelkontakt zu Bruch… sehr beunruhigend, aber sei es drum: Dies ist definitiv eines der Alben des Jahres!

Der Rolling Stone hat sie übrigens als „Scandinavian Americana“ betitelt und dem kann man zustimmen, wenn man auf diesen ganzen Genrekram steht. Falls nicht, riskiert einfach ein Ohr; Holmes haben ihren ganzen Kram auf Bandcamp abgelegt!

Holmes im Internet:
Homepage: www.holmesareburningbridges.com
Facebook: www.facebook.com/holmesarewolves
Bandcamp: holmes.bandcamp.com

1 Kommentar

  1. Gudrun

    gerade vorhin habe ich die Scheibe als eine der zwei für mich besten Alben 2012 benannt im klienicum … Das muss Gedanken Übertragung sein… Die andere Scheibe ist Einar Stray

    #4589

Schreib einen Kommentar