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HELLSONGS – Hymns in the Key of 666

14. November 2008

Mutabor! Hellsongs haben altbekannten, altbewährten Metal-Klassikern speckige Birkenstocks angezogen, die propellerbangenden Matten liebevoll geflochten und Dave Mustaine, Bruce Dickinson und viele weitere mehr zum fröhlichen Makramee-Workshop in die Kommune 1 geladen. Schlaghose statt Shorts, Debattierclub statt Moshpit. Glaubt ihr nicht? So klingt es aber, wenn die drei Schweden zu Akustik-Klampfe und Cello greifen und uncoverbare Lieder covern.

Man sollte meinen, es dürfte vielen unbelehrbaren Metalfans die meterlangen Nackenhaare in die Höhe treiben, dass den Songs das neue Hippiegewand auch noch richtig gut steht. Harriet Olssons Gesang ist sehr sanft, sehr mädchenhaft, und harmoniert perfekt mit dem akustischen Arrangement. Von einer Gradwanderung ist da erstaunlich wenig zu hören, die Grenzen zwischen „Symphony of Destruction“ und „Eve of Destruction“ verschwimmen, und auch Peter, Paul & Mary sind nicht weit.

Aber sämtlicher Widrigkeiten zum Trotz haben Hellsongs vom Metalfan bis zum Bob-Dylan-Anhänger quer durch die Bank begeistert – Selbstironie funktioniert eben, wenn man sich beliebt machen will, ohne sich anzubiedern.

Das Trio Infernale hat sich unter anderem an „Seasons in the Abyss“ (Slayer), „Paranoid“ (Black Sabbath), „The Trooper“ (Iron Maiden) und „Thunderstruck“ (AC/DC) bedient. Natürlich könnten böse Zungen behaupten, wer nur eine Handvoll bekannter Songs covert, kann kein guter Musiker sein. Wo bleibt denn da die Kreativität, der Schöpfergeist? In Wahrheit beweisen Hellsongs jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist, denn sie befreien die Titel erst aus ihrem – an der einen oder anderen Stelle sicherlich zu engen – Korsett, um dann aus einer ganz anderen Perspektive erneut Maß zu nehmen. Manche der Songs erkennt man bis zum Einsetzen des Chorus nicht, andere wiederum sofort, aber fest steht, dass wir es hier mit einer wirklich neuen Interpretation zu tun haben. Es ist ein bisschen, als würde man alte Bekannte auf einem Maskenball wiedertreffen: Zuerst fragt man sich, sind sie es wirklich? Und je näher man kommt, desto vertrauter wird’s.

Für harte Jungs sind Hellsongs vielleicht die perfekte Einschlaf-Musik, wenn es still wird in Wacken, am Ring, im Park oder daheim. Alle anderen werden sie auch gerne hören, wenn es mit dem Bulli Richtung Goa geht (das war jetzt übrigens ’ne Anspielung auf das süße Cover). Und am Ende sind sie wirklich alle glücklich vereint, die Hippies, die Metaller, die alten und die neuen Fans. Die Gegensätze, die es eigentlich gar nicht gibt.

Hier noch flott ein paar Bühnentermine:

18. November: Berlin, Maschinenhaus, 20:00 Uhr
19. November: Hamburg, Übel & Gefährlich, 20:00 Uhr
20. November: Dresden, Bärenzwinger, 20:00 Uhr
21. November: Viersen, Trafostation, 20:00 Uhr
22. November: Osnabrück, Rosenhof, 20:00 Uhr

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