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Guybrush Threepwood ist der bessere Jack Sparrow

28. Februar 2008

Dabei gehen beide auf eine äh… wahre Begebenheit zurück. Nämlich auf die Disneyland-Fahrattraktion „Pirates of the Carribean“, die sowohl den Regisseur Gore Verbinski als auch Monkey Island-Macher Ron Gilbert schwer beeindruckt haben muss. Liest sich zugegebenermaßen auch recht spannend:

Zuerst fährt man durch eine tropische Lagune, vorbei am „Blue Bayou Restaurant“, bevor es einen Wasserfall hinunter in ein Labyrinth aus Grotten und Piratenverstecken geht. Nach einigen Minuten finden die kleinen Boote den Weg ins Freie, wo sie mitten in eine wilde Schlacht zwischen dem Piraten „Barbossa“ auf seinem Schiff und einem Karibischen Fort geraten. Man biegt nun in ein kleines Dorf ein, welches von den Piraten geplündert wird. Auf dem Hauptplatz des Dorfes sieht man wie die Piraten den Bürgermeister „Carlos“ in den Brunnen tauchen und ihm das Geheimnis um das Versteck des Schatzes, um den sich die Geschichte dreht, zu entlocken. Ein paar Meter weiter sieht man nun „Captain Jack Sparrow“, der sich hinter einem Kleiderständer versteckt…

Na das kennen wir ja – wohl aus Feigheit, aus Cleverness, oder einfach nur, weil der tollpatschige Pirat gerade zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort ist. In dieser Hinsicht sind sich Pixelpirat Guybrush aus Monkey Island und der Hollywood-Halunke durchaus ähnlich. Doch unser Freund mit dem verhältnismäßig bescheuerten Namen Guybrush Threepwood war als erster da… Wie, der gemeine Leser kennt Monkey Island nicht? Welch Frevel, geht doch die Geschichte dieses kultigen Computerspiels bis ins Jahr 1990 zurück. Wo ein Pixel noch die Fantasie beflügelte und sowohl ein stinkender Fisch als auch ein erfrischendes Glas Gerstensaft sein konnte… Benutze Fisch mit Piratenkopf, nehme Gerstensaft… bei einem Point-and-click-Adventure war der Imperativ noch eine nett gemeinte Empfehlung. Wer die Handlung und vor allem eine sehr kompakte Version des Humors vom ersten Teil (grafisch aber angelehnt an den dritten Teil) dieser ingesamt vierteiligen Spielereihe genießen möchte, gönnt sich Monkey Island im Schnelldurchlauf in Form ein genialen Fanprojektes von Marius Fietzek:

Was hat das ganze nun auf diesen im weitesten Sinne mit Musik zu tuenden Internetseiten von RockZOOM verloren? Es sind wohl die Töne, die dieser Spielereihe entspringen und eine wundervolle Einheit mit den witzigen Dialogen, schrägen Charakteren und hin und wieder auftauchenden neuzeitlichen Einflüssen bilden. Ich schreibe bewusst Töne, da neben entspannter Reggaemusik mit Jazzeinschlag, schunkelig-dreckigen Piratenhymnen, Eingeborenengetrommel und Kolonialistenmusik auch die ganze Geräuschfacette eine große Rolle spielt: Monkey Island 1 SoundtrackStimmengewirr polternder Piraten, knarrende Schiffsmasten und das Tosen der Brandung, Affengeschrei und Paradiesvogelgesang oder einfach nur lustiges Amiga-Gepiepsel des ersten Teiles. Die Musik des ersten Teiles wurde im Alleingang von Michael Land geschrieben, für die darauffolgenden Teile gab es Hilfe von Clint Bajakian und Peter McConnell, die ebenso aus dem LucasArts-Lager stammen.

Der folgende fiktive Text ist mit netten Soundfiles angereichert, welche alle den Kultspielen um Guybrush und seinen illustren Gesellen entstammen. Diese wurden von den Machern von Lucas Arts zum nichtkommerzeillen Gebrauch freigegeben und sind auf diversen Fanseiten (derer es viele gibt) gehostet. Lauscht doch einfach schonmal diesen ersten Hörbeispielen, während ihr euch diesen vollkommen sinnfreien Text (inspiriert durch die frühen Spiele) zu Gemüte führt…

[Monkey Island Titelsong von www.scummbar.com]

Es war einmal ein Sommertag im Leben eines Neuzeit-Möchtegern-Piraten
– ein musikalisches Walkthrough durch Leipzig-Süd(see)

Ein Jemand saß schon sehr sehr früh am Morgen – die karibische Hitze ist da noch erträglich – mit Grüntee vor den eigenen Studienaufzeichnungen und büffelte. Schatzkartenlesen macht eigentlich mehr Spaß, und wenn man’s geschickt anstellt, muss man später einmal nicht bis zum Monatsanfang auf das Gold warten. Ein Pirat braucht kein Diplom, wohl aber eine Ausbildung. Zu erlernen ist die hohe Fechtkunst, wie man Beute findet und sie natürlich stiehlt… Doch Piraten sind keine Frühaufsteher. Statt Grüntee gibt es Grog, unser Student muss noch viel lernen…

Also erstmal wieder in die Hängematte und dann gegen Mittag endlich raus aufs Wasser, auf die sieben Weltmeere! Nunja, das Leipziger Neuseenland mit seinen paar Süßwassertümpeln muss es vorerst auch tun… Doch bedarf es vorher selbstverständlich einer Crew! Und eines Schiffes! Stan? Wo ist dieser eifrige Alles-Ramsch-Händler, wenn man ihn braucht, oder einfach keiner sonst da ist? Dann eben zum Bootsverleih… und die Crew wird auf dem Weg eingesackt, doch der erste Hinderling stellt sich schon an der südlichen Karl-Liebknecht-Straße entgegen…

Möchtegern-Pirat: „Hallo, wir führen eine Umfrage zum Thema Ökostrom durch.“
Öko-Ulf: „Da wo ich hingehe, gibt es keinen Strom, ich segele in die Südsee, a pirate I was meant to be, trim the sails and roam the sea… machste mit?“
Öko-Ulf: „Ohja, Windenergie, toll, da bin ich dabei, das wird prima!“
Möchtegern-Pirat: „Und es gibt Schätze… und Schnaps… und Weiber!“
Öko-Ulf: „Kommen dabei Tiere zu Schaden?“
Möchtegern-Pirat: „Der 3-köpfige Affe war nicht mein Verschulden!“
Öko-Ulf: „Welch Ungerechtigkeit diesem armen Geschöpf auch immer widerfahren ist, ich werde es darüber befragen und diesem Treiben Einhalt gebieten!“
Möchtegern-Pirat: „Von mir aus, komm einfach mit, Ziel ist Monkey Island…“

[„Journey to Monkey Island“ von www.milegend.com]

Man sammelte unterwegs in Markkleeberg noch einen Türsteher ein, im Versprechen dass das Schiffsteher-sein doch mal eine nette Abwechslung sei, und überzeugte eine Mitdreißiger-Friseuse, dass es die langen Wochen auf See doch viel Arbeit für sie geben würde. Außerdem war sie eh gezwungen, das Handtuch zu werfen, nachdem sie einen zahlungsunwilligen Kunden mit selbigem die Luft abzuschnüren gedachte. Sie nahm mal für alle Fälle ihre Rasiermesser mit. Und die Crew ward komplett… bescheuert. Und das Schiff, äh, Boot nicht minder daneben. Da Öko-Ulf sind partout weigerte, ein motorisiertes Gefährt zu borgen, klaute man sich ein Paddelboot, zwei Funkantennen und eine große Bauplane, und brachte den Kahn dann irgendwie damit zu Gange.

Sieben Tage und sieben Nächte segelte man erfolglos auf den gefluteten Tagebaulöchern herum, bis sich der Schiffssteher aus lauter Langeweile an der Friseuse vergriff… die sich das natürlich nicht gefallen ließ, ein Rasiermesser zückte, den leblosen Steher in die Bauplane wickelte und von Bord warf. Da das Schiff nun seeuntüchtig war, hatte der Öko-Ulf auch keine Lust mehr hier sinnlos nach dem dreiköpfigen Affen herumzusuchen und band sich streikend an eine Funkantenne. „Hey Öko, das bringt doch nichts, such doch im Leipziger Zoo nach deinem Affen. Ich habe dort auch immer als Azubi den Gorillas die Haare frisiert…“, sprach’s die Friseuse und war sogleich von der Idee fasziniert, einem dreiköpfigen Affen einen Pagenschnitt, eine Wasserwelle und etwas voll hip Asymmetrisches zu verpassen. Tja, das nennt man dann wohl Meuterei. Unser Möchtegern-Pirat war jedenfalls stinksauer. Von manchen Leuten hätte man ganz gern eine Voodoo-Puppe, so eine wie unseren Voodoo-Udo vielleicht, doch das ist eine andere lange Geschichte, um deren Hintergründe nur die Eingeweihtesten wissen… [„The Voodoo Dolly“ von www.scummbar.com]

Piraten aus Monkey Island 1Der Frust über den Verlust von Crew und edlem Schlachtschiff musste also ordnungsgemäß heruntergespült werden. In Leipzig gibt es ausgesprochen viele Spelunken, die die Bezeichnung Scumm Bar verdient haben, eine gesonderte Namensnennung ist hier also nicht nötig. [Song von www.milegend.com]
Im Inneren der Bar wird der Möchtegern-Pirat Zeuge des Auftritts eines ganz Großen…

Guybrush: „Wollen sie mal meine Narbe sehen?“
Barkeeper: „Hängt davon ab. Ist die Geschichte gut?“
Guybrush: „Rein zufälligerweise sogar sehr gut. Es ist die Geschichte vom Geisterpiraten LeChuck und seinem grausamen Tod–“
Barkeeper: „Die kenn ich. Das ist die, wo er zuviel Malzbier trinkt, und so kräftig rülpst, daß er platzt.“
Guybrush: „Nicht ganz so.“
Barkeeper: „Ehrlich, ich mag keine Geschichten, die Leute vom Trinken abhalten sollen.“

So sprach’s der Keeper und es ward getrunken. Der Möchtegern-Pirat und Guybrush stürzten am Abend aus der Scumm Bar, gerade noch pünktlich um im Conne Island in Süd(see)-Leipzig, welches öfters mal buchstäblich zu einer Monkey Island wird, einem Konzert beizuwohnen… Schön war’s. Am 8. März werden sie wohl wieder kommen. Da spielen dann zwar keine Affen auf, doch wilde Pandabären wollen auf regressive Art und Weise ins Mikro proggen: „A Pirate I was meant to be, trim the sails and roam the sea“ [Song von www.worldofmi.com]. Die Rede ist von ein paar Herrschaften, die sich Dark Suns nennen und ohne Zweifel nicht mehr alle Zacken in ihrer Korona haben, wie ein kürzlich von ihnen erschienener Videoclip zeigte… doch das ist Zukunftsmusik…

Und wie kommt man nun an die richtig „fette Beute“? Also alle Songs aller Spiele? Die gefährlichen Klippen der Webpiraterie kann man getrost mal umschiffen, denn neben den bereits oben verlinkten Seiten präsentiert sich auf http://soundtracks.mixnmojo.com gleich eine ganze Schatzkiste voll LucasArts-Soundtracks. Jeder Monkey Island Soundtrack kommt mit hübschem ausdruckbaren Artwork inklusive Tracklisten, und wahlweise sogar noch als alte Amiga-Soundfiles. Bei www.tentakelvilla.de bekommen Puristen für wenige KB die Tracks der ersten beiden Spiele gar als MIDI serviert. Für die Spiele an sich müsste man dann doch noch die Geldkatze zücken… Aktuelle Emulatoren machen auch heutzutage noch den Spielgenuss auf Windows 2000, XP oder Vista möglich…

Ihr mögt vielleicht denken, ich hab ne Scheibe… Ja verdammt, ich habe die berühmt-berüchtigte Piratendrehscheibe, die man als Spielcode für die ersten beiden Games benötigt, hahahaha… Übrigens:

Es gibt zahlreiche MI-Fanseiten, u.a. sind das:
Captain Dread aus Monkey Island 2

http://www.svenheidel.de/mi-inside/ (mit einem schönen Grogrezept…)
http://www.worldofmi.com/ (wird leider nicht mehr gepflegt, doch immernoch sehenswert)
http://www.milegend.com/ (mit herrlichem „Beledigungsfechten“)

Zu guter letzt seht ihr nun zu eurer Linken Captain Dredd aus dem zweiten Teil der Monkey Island-Serie… ein etwas sonderbarer Kapitän, na, an wen erinnert’s?… Ich glaube immernoch fest, dass Gore Verbinski diese Spiele geliebt haben MUSS!

Naja, Ende, Tschüss!

weitere Links zum Thema:
Interview mit Macher Ron Gilbert
Die besten DOS-Games aller Zeiten
Majusarts.de (der Macher des tollen MI Flash-Films mit weiteren Projekten)

Keine Kommentare

  1. LadySparrow

    das ist ja so ein müll jack sparrow ist tausend mal besser !!

    #773
  2. Darum geht’s ja eigentlich gar nicht, hihi…

    #774

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