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GUS BLACK: Today is not the Day…

10. November 2008

Wenn man der Musikpresse Glauben schenkt, muss Gus Black, Singer-Songwriter aus L.A., eine Mordswut im Bauch haben auf das Business, den Kommerz und all das. Auch die Ansage „Today is not the Day to Fuck with Gus Black“ – so der Albentitel in voller Länge – klingt nicht sehr pazifistisch. Entsprechend martialisch sieht auch das Cover aus, das an alte Blaxpoitation-Filme erinnert, oder eben an daran angelehnte Tarantino-Streifen à la Jackie Brown. Die positive Überraschung: Das Album ist im besten Sinne introvertiert, intim, ironisch und unaufdringlich.


Wie also sieht der Film wirklich aus, dessen Soundtrack „Today is not the Day…“ sein könnte? Schwarzweiß, ganz klar, und ein bisschen melancholisch. Einer der Filme, bei denen man mit dieser unbestimmten Seligkeit aus dem Kino kommt, weil man gerade Zeuge hoher Kinokunst geworden ist. Ein etwas elitäres Gefühl vielleicht, denn dieser Film wird nicht jedem gefallen, aber einen kleinen, treuen Fankreis bis zum Delirium begeistern.

Das Arrangement ist wundervoll reduziert: Stimme, Gitarre, ein paar leise Zwischentöne. Singer-Songwriter eben, und doch ganz eigen. Dazu kommen unaufgeregt intelligente Lyrics, die ein poetisches Level erreichen, das Fans von Nick Cave sehr glücklich machen dürfte. Apropos, in seiner sparsamen Instrumentierung und den ätherischen weiblichen Background Vocals erinnert das Album angenehm an Caves 2004er Doppelschlag „Abattoir Blues/The Lyre of Orpheus“, nur, dass „Today is not the day…“ eben ohne Piano auskommt und dafür auf sattes Akustik-Geklampfe setzt. Weniger Blues, mehr Folk.

Ob es jetzt nun die offensichtlichen Ohrwürmer wie „Little Prince Town“ und „Hurrah Hurrah Hurrah, Hurray Hurray“ sind oder sperrigere Songs wie „Variations on a Theme Called Honesty“: Man wird sie nicht mehr los, diese Melodien, sie verfolgen einen unauffällig und melden sich gerne ein paar Stunden, nachdem das Album durchgelaufen ist, aus dem Unterbewusstsein. Call the ambulance, cut the wedding cake, tell the prisoners they’re free – hilft alles nix, man muss und will und kann es immer wieder hören. Open your ears, my dear, everything’s ok.

Nicht nur wir sind ziemlich einig: Dieser Mann darf kein Geheimtipp sein, schreit es heraus, verbreitet Myspace-Links und Hörproben, rennt dem Radiosender eures Vertrauens die Türen ein.

Und vor allem: Hört ganz viel Gus Black.

Offizielle Homepage: www.gusmusic.com
Gus Black auf MySpace: myspace.com/gusblack

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