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GET WELL SOON – The Scarlet Beast O’Seven Heads

4. September 2012

Ganz schön trashig mutet der Albumtitel der neuen Get Well Soon-Scheibe an: „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ mit dem Italowestern-Alternativtitel „La bestia scarlatta con sette teste“ erschien am 24. August über CitySlang und soll Konstantin Gropper und seine Band mal von einer etwas lockereren Seite zeigen. Das Vorhaben, eine fröhliche Platte zu machen, ist zwar irgendwie gescheitert (das liegt wohl in der Natur der melancholischen Gropper-Stimme), aber schön schräg ist Album Nummer drei des talentierten Multiinstrumentalisten ganz bestimmt geraten, zumindest akustisch schön. Rein optisch muss man nur einmal einen Blick auf das aufwändig produzierte Video von „Roland I Feel You“ werfen und findet sich ganz rasch irgendwo inmitten von Kill Bill, Dead Man und Mel Brooks-Klamauk wieder. Dazu kommt dann noch eine fette Prise Esoterik- und Sektenschnulli – was bishin zu einem kleinen „Netzkult“ seitens GWS, der „Communion of the Beast“ reicht – und das reicht dann als Beleg, dass Konstantin Gropper in seiner Jugend wohl deutlich zu viel ferngesehen hat.

Get Well Soon - The Scarlet Beast O' Seven Heads (24. Aug. 2012)

Get Well Soon - The Scarlet Beast O' Seven Heads (24. Aug. 2012)

Aber zum Glück geht’s am Ende ja um Musik und Gropper hat seine Kindheit nicht nur vorm TV, sondern auch an den Instrumenten verbracht. „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ ist der geniale Soundtrack zu einem beschissenen Film, den ich niemals sehen möchte. Die Filmmusik-Atmosphäre ist auf dem nunmehr dritten Album noch um einiges dichter gewoben als beim Zweitwerk „Vexations“. Gesprochene Passagen rücken auf „The Scarlet Beast…“ noch mehr in den Vordergrund und man kann deutliche Morricone-Anleihen vernehmen (opulent melodramatische Orchestrierungen mit theatralen Chören, anyone?). Damit aber nicht genug. „The Last Days Of Rome“ und „The Kids Today“ trumpfen mit elegant eingeschleustem 80er Vibe. Und das wirkt nicht einmal fehl am Platz. Wie kann es auch? Hier scheint alles erlaubt zu sein, außer Langeweile. Nein, ich sag’s noch einmal: Dieses Album klingt nicht fröhlich. Es klingt sympathisch kauzig und bestimmt auch (selbst)ironisch. Davon zeugen ja auch klangvolle Weltuntergang-und-Spaß-dabei-Titel wie „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“, übrigens auch ein sehr hübscher Track, wie so viele hier…

„Roland I Feel You“ ist noch am ehesten der Gassenhauer, den man dem Album als Aushängeschild voranstellen kann, aber eigentlich ergießt sich „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ doch am besten als Ganzes über die Ohrmuscheln. Ehrlich gesagt habe ich dieses Jahr kaum etwas Zusammenhängenderes mit einer solchen Verspieltheit erleben dürfen. Ihr schaut euch also am besten ein paar mal das unten stehende Video an, schüttelt den Kopf darüber oder wiehert schön ab, aber versprecht mir auch, es mindestens genauso oft mit geschlossenen Augen zu hören und anschließend in den nächsten Plattenladen zu rennen!

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