Suche

FROM MONUMENT TO MASSES verschenken CDs…

4. November 2008

Ja, wir haben ein paar Singles von „Beyond God & Elvis“, um dem Post Rock-Freund das Warten bis zum nächsten Album From Monument to Masses-Album „On Little Known Frequencies“ zu versüßen. Doch noch viel wichtiger als das: Wie kommt eigentlich eine Band zu Wort, die selbst keinen Sänger hat, sich aber selbst als politische Band (s. Biographie @ laut.de bezeichnet? Durch die Musik an sich natürlich. Ferner nutzt sie die Zitate anderer als Sprachsamples. In unserem Falle äußern sich Sergio und Matthew bezüglich ein paar spezieller Fragen auch mal persönlich…

So wäre es doch mal gut zu wissen, aus Sicht dieses Trios aus San Francisco die Beweggründe und das Gesamtkonzept der Band zu erfahren…!?

Matthew: Ich würde sagen, dass unser allererstes Ziel ist, eine Band zu sein und gut zu funktionieren… zu funktionieren, das ist das Wichtigste. Das ist heutzutage das Schwierigste, wenn man in einer Band ist: Wie bleibt man auf lange Sicht zusammen gesund und munter? Wenn Bands sich mehr Gedanken über ihr „Konzept“ statt über diesen Punkt machen, dann sind sie meiner Meinung nach verdammt. Über diesen Schlüsselpunkt hinaus beschreibe ich unser Konzept aber wie folgt: Musik kann Umgestaltung inspirieren und die Art und Weise umgestalten, wie wir inspiriert werden. Als Menschen schauen wir ständig nach kulturellen Phänomenen, die uns helfen, die Welt in neuem Licht zu sehen – seien das nun Filme, Tanz, visuelle Kunst oder Literatur – wir sehnen uns nach der Stimulation, die uns als Menschen weiter voranbringt – und nicht irgendwohin zurückbringt. Wir zusammen haben einen Weg gefunden, eine Form gefunden, um das Ganze größer zu machen als die Summe seiner einzelnen Teile. Dies füllt eine Leere, die wir in der Welt der Musik hören. Das macht uns glücklich und ist eine ständige Erinnerung an die Kraft der Organisation… oder „people power“. Wenn andere Leute zuhören und sich inspiriert fühlen, ihre eigene Kunst, Arbeit oder politische Analyse in neue Richtungen zu lenken, dann haben wir mehr erreicht als wir uns je vorgenommen haben und haben sogar noch ein größeres Geschenk dafür erhalten. Ha. Ist das nun zu sentimental? Oh, naja.

Die Single „Beyond God & Elvis“ ist seit dem 10. Oktober im Handel. Der Titel klingt irgendwie bekannt, leicht anders… Der Song an sich geht schnell ins Ohr, ist hinforttragend träumerisch und zugleich fröhlich und überschattend, unglaublich heavy und im nächsten Augenblick wieder mit klaren, unverzerrten Gitarren. Viele Facetten stecken in nur knapp 5 Minuten, welche dieser Song andauernd. Daher wird das Hauptthema noch einmal aufgegriffen und in den exklusiv auf der Single zu hörenden Zusatzversionen „Kino-fist Score Remix“ (ausschließlich von Streichern gespielt!) und dem bewusst kalt gestalteten, von vielen Loops und Samples durchzogenen „Cost & Materials Remix“ weiterbearbeitet. Was genau meint nun aber der Song(titel) inhaltlich? Ist es, dass wir für Gott und Elvis gleichermaßen Monumente geschaffen haben, über welche wir uns nun hinwegsetzen müssen?

Matthew: Der Titel ist eine alberne Abwandlung von Nietzsches „Beyond Good and Evil“ (dt. Titel: „Jenseits von Gut und Böse“). Wir sind nicht unbedingt Nietzsche-Fans, aber seine Texte haben ein paar hervorstehende Punkte was „Moral“ angeht. Unsere Gesellschaften werden so oft in Angst versetzt, von Dingen die als „böse“ benannt werden. Nimm zum Beispiel Terrorismus oder Totalitarismus: böse Sachen, die gefürchtet und bekämpft werden müssen von der „Rechtschaffenheit“ der Demokratie und des Kapitalismus, richtig? Nun, wir glauben, dass das eine riesige Vereinfachung der weltweiten Probleme heutzutage ist. Es kann nie so einfach sein wie GUT gegen BÖSE. Man muss hinter diese vagen Konzepte schauen, um die wahren Mächte und Mechanismen arbeiten zu sehen. Die Dinge, welche wirklich zu fürchten sind, sind lange nicht so wohl umschnitten und trocken. Das wahre Ausmaß der US-Außenpolitik unter G.W. Bushs Regime und der US-Imperialismus im Ganzen – das ist doch wesentlich bedrohlicher. Der Knackpunkt im Song ist, dass man akzeptieren muss, dass unsere jetzige Situation nicht von Geistern und Schwarzen Männern herbeibeschworen ist… Das kann für viele wirklich eine kathartische Einsicht sein.

Oder um es mit dem genauen Wortlaut der Sprachsamples des Titelsongs auszudrücken:

„This isn’t about good vs. evil, right or wrong. It’s about a machine that has taken over this nation…“

„Beyond God & Evil“ ist nicht der einzige Track der Single. Mit „The Role Traversal“ liegt ein gleichermaßen gutes Stück in ähnlich minimalistischer doch effektvoller Manier vor, welches dem Titelsong in nichts nachsteht. Auch hier hat Ed Brooks (Pearl Jam, Isis, Death Cab for Cutie) das Mastering übernommen und steht so für die soundtechnische Veredelung Pate. Eine nette Dreingabe stellen auch die beiden „Live“-Videos zu „Deafening“ (geniales Finale!) und „To Z (Repeat)“ dar, welche bewegte Bühnenbilder der Japan-Tour aus dem vorigen Jahr zeigen, wofür allerdings der QuickTime- oder VLC-Player benötigt wird.

Die Frage welche mir unbedingt noch unter den Nägeln brannte war, ob FMTM je darüber nachgedacht haben, sich einen Sänger zu engagieren, um Lyrics schreiben und ihr Anliegen somit besser und vor allen unmissverständlicher zum Ausdruck bringen zu können.

Sergio: Ich persönlich würde schon gern mal mit Sängern für ein paar Tracks arbeiten, nicht aber zwangsläufig bei all unseren Songs Gesang haben. Das Tolle an FMTM ist, dass es nicht viele Regeln gibt. Es ist nicht so, dass wir einer bestimmten Szene oder Genre verhaftet sind und ich glaube, dass unsere Fans zu den eher aufgeschlossenen Musikhörern zählen. Daher können wir uns im Bezug auf die Möglichkeiten unserer Musik die „Sag-niemals-nie“-Attitüde erlauben. Ich habe jedoch eine kurze Liste mit Sängern, mit denen ich gerne mal zusammenarbeiten würde, zum Beispiel Saul Williams, M.I.A., Zack de la Rocha, Lila Downs und ein paar weitere. Ich weiß nicht wie realisierbar das wäre, aber es wäre schon ziemlich geil, denn die haben alle ihre unverwechselbaren Stimmen und Stile. Nicht zu vergessen die kraftvollen Texte, für welche sie bekannt sind. Aber denke ich, dass ein Sänger helfen würde, um unsere Message zu verbreiten? Nein. Ich denke das wäre ein wenig engstirnig. Wenn sich Kunst zu sehr darauf konzentrieren würde, dass ihr Anliegen allzu einfach und effektiv an ihre Konsumenten gelangt, dann würde ihr das einiges an Kraft und Gewicht nehmen. Nimm zum Beispiel DaVincis „Mona Lisa“. Bis zum heutigen Tage versuchen die Leute, dieses Kunstwerk zu verstehen… Das ist Jahrhunderte her und immer noch gibt es ernsthaft hitzige Debatten über die Bedeutung, die „Message“ und die Leistung als künstlerisches Werk. Natürlich gibt es ein paar soziale Faktoren, die uns auf dieses Gemälde festlegen, aber was ich damit sagen will ist, dass wenn DaVinci einen Text angeheftet hätte, der da gesagt hätte „Ich habe dieses Bild gemalt, weil…“ und ziemlich klar seine „Message“ ausgedrückt hätte, würden die Leute dann darüber so hitzig debattieren? Ich glaube nicht. Ich meine, wenn wir uns einen Sänger ins Boot holen würden, um unseren Standpunkt deutlicher zu machen, dann würde es der Fähigkeit des Zuhörers unsere Musik wirklich erfahren und im eigenen Maße eine Geschichte kreiieren zu können, einen großen Abbruch tun. Natürlich, FMTM würden immer wissen, was sie selbst mit den Songs meinen, aber warum sollen wir den Leuten ihre Gedanken zerstören? Warum das Ende eines Filmes zerstören? Warum alles verraten? Also ja, ich glaube es wäre wirklich eine schlechte Idee, einen Sänger zu engagieren, um unsere Message unters Volk zu kriegen. Es ist außerdem ein Teil unserer Bandästhetik, keinen Leadsänger zu haben. Diese „Führungspersönlichkeit“ ist so gängig in der Rockkultur. Es gibt viele verschiedene Dinge, die bei der Musik von FMTM eine Rolle spielen und ich würde es hassen, wenn das für die Leute dann in diese „Sängerpersönlichkeiten“-Geschichte abdriften würde. Wir mögen die Idee wirklich sehr, die Musik in ihrer Gänze wirken zu lassen und hier und da ein paar Ausnahmen zuzulassen.

Blut geleckt? Dann schreibt einfach bis nächsten Montag eine E-Mail mit dem Betreff „From Monument to Masses“ und eurer Adresse an koordination@RockZOOM.de und mit etwas Glück bekommt ihr eine von vier mir hier vorliegenden „Beyond God & Elvis“-CDs zugeschickt. Ja, eine behalte ich. Wer dann aber doch lieber die 7″-Vinyl will, müsste woanders um die 10 Euro dafür hinlegen und natürlich auf die Videos verzichten…

In den letzten Tagen waren FMTM auch mit Armada in Deutschland auf Tour. Verpasst? Eine letzte Chance, zumindest FMTM in absehbarer Zeit zu Gesicht zu bekommen, besteht für euch noch beim kommenden Köln-Auftritt am 13. November im Tsunami-Club. Ansonsten heißt es Warten auf 2009, wenn „On Little Known Frequencies“ erscheinen wird und die Band hoffentlich auch im Anschluss wieder europäische Lande bereist.

www.monument-masses.com

Schreib einen Kommentar