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Foo Fighters: „Back & Forth“ – Dokufilm + “Wasting Light”-Livemitschnitt im Kino am 7.4.2011

12. April 2011

Foo Fighters 2011“One Night Only” wurde die Dokumentation “Back & Forth” in verschiedensten Kinos auf dem Erdball gezeigt – so auch in Wien. Da nahm man schon mal in Kauf, dass sich das Kino am anderen Ende der Stadt befindet. Das hat mitunter damit zu tun, dass der Autor dieses Textes eine ganz spezielle Beziehung zur Musik der Foo Fighters hat:

Im Dezember 1994 lernte ich durch meinen Bruder am Nachmittag des 24.12.1994 eine neue, spannend klingende, musikalische Welt kennen. Bis dahin hörte ich nämlich vor allem die damaligen Popcharts, die beiden Best Of-Alben der Beatles, diverse TV-Melodien, Michael Jackson oder die zu Recht in Vergessenheit geratene 80er-Rockband „Mr. Mister“. Aufregend und neu klang das, was man auch außerhalb des brüderlichen Zimmers hören konnte: Nirvanas „Nevermind“. Diese Band sollte mich nachhaltig beeindrucken. Ich bekam das Album noch am gleichen Abend auf Musikkassette geschenkt. Schon ein paar Tage später musste ich aber einsehen, dass es meine neuen Helden, diese Bandformation, nicht mehr gab: Ein musikalischer Jahresrückblick eines damals noch englischsprachigen Musiksenders wiederholte auch die Schreckensmeldung des Jahres: Kurt Cobain, Songschreiber, Sänger und Gitarrist von Nirvana hatte im April 1994 Selbstmord begangen.

Ein paar Monate später erfuhr ich, dass Nirvanas Schlagzeuger Dave Grohl eine eigene Band namens „Foo Fighters“ ins Leben gerufen hatte. „I’ll Stick Around“, das erste Video und das kurze Zeit später veröffentlichte und selbstbetitelte Debut konnten mich -wie ich über die Jahre merkte- im Gegensatz zu Krist Novoselics Projekten „Sweet 75“ und „Eyes Adrift“ schnell überzeugen.

Das Wien-Konzert der Foo Fighters am österreichischen Nationalfeiertag, dem 26.10. des Jahres 1995, war ein ganz besonderes für mich – es war mein allererstes Rockkonzert überhaupt. Es fand im Museumspalast statt, der mittlerweile in Museumsquartier umbenannt wurde. Und da meine Eltern ihren zwölfjährigen Sohn nicht alleine auf ein Rockkonzert ließen, erbarmte sich meine Schwester, mich dorthin zu begleiten. Es beeindruckte mich nachhaltig. Seit dieser Zeit bin ich Fan dieser Band, die mir seitdem am Herzen liegt und eigentlich immer eine sichere Bank war und – wie ich diesen Abend feststellen sollte – es auch noch immer ist!

Die Dokumentation:

„Back & Forth“ beginnt da, wo die Geschichte von Nirvana endete: mit dem Selbstmord Kurt Cobains. Grohl erzählt, wie gelähmt er monatelang danach kaum Musik gespielt hatte, in der Angst, immer wieder an die tragischen Geschehnisse erinnert zu werden. Dann trat er aber doch gemeinsam mit Tom Petty bei der Satire- und Sketchshow „Saturday Night Live“ auf. Petty bat Grohl einen Fixplatz am Schlagzeug an, den Grohl dankend ablehnte. Er nahm das Erstlingswerk „Foo Fighters“ im Alleingang auf, spielte nahezu alle Parts selbst ein und dachte anfangs laut Eigenaussage im Film nicht einmal an eine Veröffentlichung. Er gab diversen Freunden das Tape, die ihn wiederum darin bestärkten, es zu veröffentlichen. Um auf Tour gehen zu können, stellte er sich aus Pat Smear (The Germs/Nirvana-Tourgitarrist), Nate Mendel und William Goldsmith (beide Ex-Sunny Day Real Estate) eine Band zusammen. Mit Mike Watt und Eddie Vedders Zweitband Hovercraft absolvierten sie in der Folge eine Reihe von Konzerten. Sie hatten anfangs damit zu kämpfen, dass sie in Interviews nur über Cobain befragt wurden. „Is this a song about Kurt?“ war die wohl am häufigsten gestellte Frage. Dies sollte sich mit dem 1997 erschienenen Zweitlingswerk „The Colour & The Shape“ ändern. Doch bevor es so weit kommen konnte, musste William Goldsmith erkennen, wie schwierig es ist, als Drummer der Foo Fighters Dave Grohls Vorstellungen bezüglich der Drumparts zu genügen. Anfangs ohne sein Wissen nahm Grohl die von ihm eingespielten Schlagzeugparts neu auf. Goldsmith war aufgrund dessen – verständlicher Weise – in seinem Stolz verletzt und schlug Grohls Angebot aus, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten. Wie man im Film sehen konnte, ist dies wohl jetzt auch noch immer ein wunder Punkt, sowohl bei Grohl als auch vor allem bei Goldsmith.

Ein neuer Schlagzeuger musste her und wurde in dem „Sunnyboy“ Taylor Hawkins, der für Alanis Morrissette auf deren „Jagged Little Pill“- Tour mitwirkte, schlussendlich – nach der Fertigstellung von „The Colour & The Shape“ – auch gefunden. Mit diesem Album gelang es den Foo Fighters mit zeitlosen Fan-Favoriten wie „Everlong“, „Monkey Wrench“ und „Enough Space“ ein Stück weit aus dem Schatten von Nirvana herauszutreten.

Dann die nächste Hiobsbotschaft: Pat Smear teilte seinen Bandkollegen mit, dass er die Band verlassen wolle. Laut den Protagonisten einigte man sich darauf, dass Smear noch sechs Wochen mit den Foo Fighters auf Tour geht und man in dieser Zeit nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau halten könne. Grohl dachte dabei gleich an Franz Stahl, seinen Freund und früheren Bandkollegen bei der Undergroundband „Scream“. Aus den sechs Wochen wurden ganze sechs Monate. Doch der Wechsel wurde vollzogen. Stahl ist neben einigen Livevideos im Netz auch in dem offiziellen Video zur Single-Auskoppelung „My Hero“ zu sehen.

Als die Band nach der Tour zu „The Colour & The Shape“ neues Songmaterial verfassen wollte, sollte es zwischen Stahl und dem Rest der Band aber nicht so richtig funken. Ähnlich wie bei Goldsmith merkte man Stahl die Enttäuschung über den Rauswurf auch noch Jahre später im Interview an, das in „Back & Forth“ zu sehen ist.

Dave Grohl in DokumentationHawkins, Mendel und Grohl nahmen „There Is Nothing Left To Lose“ (VÖ: 1999) als Trio auf. Hawkins, seines Zeichens bekennender Fan von “The Police” hätte es, wie er in der Dokumentation auch sagt, gerne gesehen, wenn aus den Foo Fighters ein Trio geworden wäre. Doch Bandchef ist und bleibt – wie Hawkins über die Jahre immer wieder in Interviews betonte – nun einmal Grohl. Und der wollte einen soliden, rockigen Sound. Also musste abermals ein Gitarrist her. Eine der lustigsten Episoden aus „Back & Forth“ ist die Schilderung der mehrtägigen Gitarristen-Auditions. Einer der Bewerber, an den sich Grohl im Film erinnert, war sichtlich nervös. Er fragte die Bandmitglieder nach Autogrammen, hatte nagelneues Equipment, allen voran eine E-Gitarre in einem Koffer – aber leider keinen Schlüssel für seinen Gitarrenkoffer dabei!

Chris Shifflett (u.a. Ex-No Use For A Name/Me First & The Gimme Gimmes) machte schlussendlich das Rennen und wurde zum fixen Bandmitglied. Die Foo Fighters konnten sich unter anderem durch neue Stücke wie „Learn To Fly“, „Breakout“ und „Next Year“ eine immer größer werdende Fanschar erarbeiten und tourten ein weiteres Mal rund um die Welt.

Hawkins experimentierte damals etwas zu viel mit illegalen Substanzen und wurde nach einer Überdosis in ein Krankenhaus gebracht. Glücklicherweise blieb Grohl von einem weiteren Schicksalsschlag verschont. Hawkins überlebte, die Band begab sich in eine Pause.

Die Pause nutzte Grohl, um mit Queens Of The Stone „Songs For The Deaf“ aufzunehmen. Er spielte hierbei Schlagzeug und ging sogar mit Josh Homme & Co. auf Tour. Das verursachte Unbehagen beim Rest der Foo Fighters, die Zukunft der Band war ungewiss. 2002 spielte Grohl sowohl mit den Foo Fighters als auch mit Queens Of The Stone Age an zwei aufeinander folgenden Tagen auf dem Coachella Festival. Die Band wusste während der Vorbereitungen nicht, ob sie danach noch weitermachen wollte, Streitereien – vor allem zwischen Hawkins und Grohl – waren im Vorfeld aufgekommen. Doch der Auftritt glückte und rockte, weswegen man sich dafür entschied, ein neues Album aufzunehmen.

„One By One“ beinhaltete abermals Fan-Favoriten wie „All My Life“ und „Times Like These“, das ebenfalls als Single erschienene “Low”, das mit einem abgefahrenen Video beworben wurde, in dem Grohl und Jack Black (Tenacious D/ zahlreiche Filme, z.B. „High Fidelity“, „Nichts wie raus aus Orange County“) Hillbillys spielten, die sich in einem Motelzimmer die Kante gaben und Frauenkleider anzogen.

„Back & Forth“ beschreibt im weiteren Verlauf den Release des Doppelalbums „In Your Honor“, das aus einer Rock- und einer Akustikplatte bestand. Die Foo Fighters gingen mit neuen Songs wie „Best Of You“ und „DOA“ auf Rocktournee und spielten daraufhin auch eine Akustiktour, für die sie sich einige Gastmusiker leisteten. Der bekannteste Tourmusiker in den Reihen der Foo Fighters war Rückkehrer Pat Smear. Die Tour wurde auch auf der CD bzw. DVD “Skin & Bones” verewigt.

Foo Fighters "Back and Forth"„Echoes, Silence, Patience & Grace“ (2007) brachte den Foo Fighters mit dem Opener „The Pretender“ einen weiteren Hit. Das Album kombinierte die beiden unterschiedlichen Seiten des Vorgängeralbums. Der Höhepunkt der darauf folgenden Tour stellten die ebenfalls auf DVD erschienenen Konzerte im Londoner Wembley Stadion 2008 dar. Prominente Gäste waren hierbei John Paul Jones und Jimmy Page, mit denen Grohl und Hawkins die Led Zeppelin-Klassiker „Rock And Roll“ und „Ramble On“ intonierten. Für die Foo Fighters wurde damit ein feuchter Rock n‘ Roll-Traum Wirklichkeit.

Zu guter Letzt gibt uns die Dokumentation einen Einblick in die Aufnahmen des kürzlich erschienenen, siebten Studioalbums „Wasting Light“. Pat Smear ist mittlerweile nicht mehr nur Tourgitarrist, sondern wieder offizielles Bandmitglied. Die Band nahm das Album in Grohls Garage unter der Regie von Produzent Butch Vig – ganz retro – ohne Mithilfe von Computern in familiärer Atmosphäre analog auf. Prominente Gäste sind diesmal Bob Mould (Hüsker Dü, Sugar, als Solokünstler) und Krist Novoselic (Nirvana, Sweet 75, Eyes Adrift). Mould unterstützte die Foos auf „Dear Rosemary“ mit Gitarre und Gesang, während Novoselic „I Should Have Known“ via Bass und Akkordeon bereicherte.

Die letzte Szene des Films führt uns zum Überraschungskonzert der Foo Fighters im „Roxy“ in Los Angeles 2011. Der Film endet mit den folgenden Worten Grohls:

„I feel bad about the bad things, I feel good about the good things. But I would not change a single thing.“

Der Livemitschnitt:
Nach einer fünfminütigen Pause folgte eine, im HQ der Foo Fighters am 5. April 2011 aufgenommene Performance des gesamten neuen Albums. Die ca. 50 Minuten zeigten deutlich, dass „Wasting Light“ ein kraftvolles Album ist, das live gespielt werden will. Die Band betrat wortlos die „Bühne“ ihres Hauptquartiers und rockte sich eingespielt, spritzig und sogar noch heavier als auf dem Album durch den neuen Longplayer. Schade war dabei nur, dass während des Livemitschnittes Probleme mit dem Ton auftauchten, während der 50 Minuten klickte es etliche Male und mehrere, zweisekündige Tonausfälle trübten den Genuss der Darbietung.
„See you on the road“ sind Grohls letzte Worte eines rundum gelungenen Kinoabends. Meine Antwort: Das werden wir!

Fazit:
Die Dokumentation besticht durch tolles Videomaterial und äußerst informative Interviews. Für Fans der Foo Fighters ist die Dokumentation ein Genuss und ein Muss. Mit einem DVD-Release darf noch in diesem Jahr gerechnet werden. Wer den Film nicht im Kino sehen konnte: Unbedingt ansehen, es lohnt sich! Die oben erwähnten Tonstörungen waren der einzige Wermutstropfen an diesem Abend. Trotzdem machte vor allem die Dokumentation und die tontechnisch einwandfreien Teile der „Wasting Light“-Performance Lust auf mehr!

Foo Fighters im WWW:

Offizielle Homepage: www.foofighters.com
MySpace: www.myspace.com/foofighters
Facebook: www.facebook.com/foofighters

Tourdaten 2011:
Interlaken, Greenfield Festival (SUI) – 9.6.2011
Southside Festival (GER) – 17.6.2011
Berlin, Wuhlheide (GER) – 18.6.2011
Hurricane Festival (GER) – 19.6.2011
St. Pölten, Frequency Festival (AUT) – 20.8.2011
Erfurt, Highfield Festival (GER) – 21.8.2011
Köln, Lanxess Arena (GER) – 23.8.2011
Übersee, Chiemsee Festival (GER) – 24.8.2011

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