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Florence And The Machine live @ Arena, Berlin | 01.12.2012

3. Dezember 2012

Samstag, kurz vor Acht. Berlin-Treptower Park. Die Bahn voller Menschen. Raus, nach links im Schnellschritt, noch 600 Meter bis zur Arena. Aufgeregte Dialoge, der Eingang in Sichtweite, Erstaunen über die bereits pickepackevolle Halle.

Selten finden Konzerte in dem einstigen Betriebshof für Omnibusse statt, doch wenn, haben sich Künstler von Welt angekündigt. Heute standen Florence And The Machine auf dem Programm und die haben sich mittlerweile zu einer absoluten Größe im Musikzirkus entwickelt, konnten vom Debüt „Lungs“ (2009) vier Millionen Einheiten absetzen und spätestens seit dem Nachfolgewerk „Ceremonials“ (2011) ist klar: Die Band aus London ist nicht mehr aufzuhalten. Beim letzten Mal – im März – bezauberte man die Fans noch in der Columbiahalle, doch eine mittelgroße Location reicht mittlerweile nicht mehr aus. Selbst die 7500 Menschen fassende Arena war seit langem ausverkauft.

Florence Welch ist der Kopf von Florence And The Machine, die Denkerin und Lenkerin, die Frau, auf die alle Blicke gerichtet sind, wenn der Vorhang fällt. Sie hat eine Stimme, die man unter Millionen wiedererkennt, nicht nur weil sie durch Einzigartigkeit glänzt, sondern auch weil man das Unwort „schiefer Ton“ kurzzeitig aus dem Wortschatz streichen kann. Da fragt man sich manchmal: Kommt sie von einem anderen Stern? Florence ist eine Künstlerin auf die die Welt gewartet hat. Sie bewegt sich zwischen Licht und Schatten, zwischen Schluchten und Gipfeln, zwischen dir und mir.

Kurz nach Acht: Die Vorband Spector stand nun auf der Bühne. Das bedeutete, die letzten wertvollen Plätze möglichst nah an der Bühne zu sichern – ein ziemlich schwieriges Unterfangen! Wer so richtig weit vorne stehen wollte, musste bereits zwei Stunden eher dagewesen sein.

Und endlich: Florence Welch, zunächst nur als Silhouette greifbar, übernahm mit ihrer Stimme die Herrschaft in Alt-Treptow! Eine schmale Tür führte sie von der Art Deco-angehauchten Hintergrundkonstruktion zur Bühne, wo sie in die Arme von tausenden jubelnden Menschen lief. Und dabei konzentrierte sie sich, gehüllt in ein schwarzes rückenfreies Puffärmelkleid und umrahmt von einem grellen Lichtkegel, anfangs nur aufs Wesentliche – aufs Singen. Mit fortschreitender Dauer nahmen die akkrobatischen Einlagen und Kurzsprints von der linken zur rechten Bühnenseite und zurück zu. Und endlich beim fünften Stück hörte man, was man hören wollte: „Hallo Berlin!“ Die Jubelrufe erstarkten, vor allem nach einigen Herzstillstand-Sologesängen, welche die gerade mal 26-jährige gegen Ende einiger Songs am vorderen Bühnenrand stehend mit vollster Konzentration kreierte. Und manchmal – bevor sie zum nächsten eindrucksvollen Ton ansetzte – lachte sie. Sie kann’s halt, sie darf das! Und ihr Publikum gehorcht. Viele ließen sich nicht zweimal bitten als sie den Wunsch äußerte, möglichst viele Leute möchten jetzt mal bitte auf die Schultern ihrer Begleitung klettern!

Insgesamt zehn Musiker tummelten sich auf der Bühne. Für das große Ganze braucht halt auch eine Ausnahmekünstlerin eine große, kräftige Maschine mit ganz vielen Knöpfen, insbesondere die Harfe klammerte sich hartnäckig an der Sängerin fest! Allerdings dienten die drei Backgroundsänger vielmehr als Ergänzung anstatt zur Unterstützung.

„Ich habe ein Meerschweinchen in meinem Schlafsack“ – diese Erkenntnis in deutscher Sprache sorgte für schallendes Gelächter. Florence würde gerne mehr Deutsch sprechen und versprach beim nächsten Mal mehr als den einzigen Satz, der aus dem Deutsch-Unterricht hängengeblieben ist, draufzuhaben!

Bevor ein bezauberndes Konzert nach anderthalb Stunden zuende ging, schnappte sich Florence ein farbenfrohes Fan-Transparent mit der Aufschrift „Berlin is shining“ – in Anlehnung an den Song „Spectrum“ – und stemmte dies sichtlich gerührt in die Höhe. Bei „The Dog Days Are Over“ – wohl einem ihrer schwungvollsten Lieder – forderte sie jeden im Raum dazu auf, seine liebste mitgebrachte Person oder Neubekanntschaft zu umarmen und zu küssen. Jetzt hätte nur noch gefehlt, dass sie zum Sprung ansetzt.

Ein herzlicher Dank geht an Marcel Benoit für die Fotos.

Florence And The Machine im Internet.
Homepage: www.florenceandthemachine.net
Facebook: www.facebook.com/florenceandthemachine
Twitter: www.twitter.com/flo_tweet

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