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FEJD – Ein Tanz in den Frühling

23. März 2009

Es wird Zeit; ich habe diesen Winter satt. Die ersten Schneetage waren schön: Seelenweiß im Nachweihnachtstief. Der erste Regen erträglich: Fortwaschung des zutage gekommenen Silvestermülls. Aber nun reicht’s: Dieser nichtssagende immergraue Himmel, diese dummen 3°C, bei denen man nicht weiß, was man anziehen soll, diese eingepennten Gesichter in der Straßenbahn… Ich kann’s nicht mehr sehen. Ich habe genug.
Lichtlechzend lassen einen die wenigen Sonnentage zurück; schaffen’s nicht aus eigener Kraft. Hinfortgeweht der Winter! Und zwar unter Zuhilfenahme von “Storm”, dem Debütalbum der Schweden FEJD.

Fejd (2007)Fejd aus Lilla Edet machen seit 2001 mittelalterlich anmutenden Folk in ihrer Muttersprache. Bis dato haben sie drei EPs herausgebracht, von denen noch zwei auf der offiziellen Webseite der Band kostenlos herunterladbar sind. Zur ersten Vorstellung verweise ich gern auf meinen Fejd-Beitrag aus dem letzten Jahr:

So steckt dieser Folk nicht nur voller traditionsreicher nordischer Instrumente (Nickelharpa, Maultrommel, Bouzouki, Hurdy Gurdy, schwedischer Dudelsack etc.), sondern hat auch viel damit auszudrücken: Akustikgitarrensoli träffar besinnlich-minimalistische Ohrwurmmelodien träffar verspieltes Alle-Beisammen-Musizieren, und oftmals brechen die Strukturen aus der typisch einfachen Strophe-Refrain-Liedelei aus und bahnen sich allein ihren Weg durch schwedische Wälder. Und dort klingt einer, als wäre er lange draußen gewesen, hätte viel kalte Luft eingeatmet: Patrik Rimmerfors ist nicht nur für die meisten Folkinstrumente verantwortlich, er übernimmt auch den Löwenanteil des äußerst angenehmen Gesangs: leicht angerauht, leicht gerollt, mal melodisch trancierend, mal feucht-fröhlich und tanzbar feiernd, doch immer mit diesem sehnsüchtig-stolzen Unterton…

Eld (2002) Huldran (2004) I en tid som var (2006)
Fejd - Eld (2006) Fejd - Huldran (2004) Fejd - In en tid som var (2002)



So ganz traditionell geht man jedoch nicht zu Werke: Die Handhabung der Drums verleugnet die ursprüngliche Metalherkunft nicht. Keyboarder Lennart Specht sowie das Rhythmusduo Thomas Antonsson (Bass) und Esko Salow (Drums) entstammen der Metalband Pathos. Letztere haben außerdem ihre metallischen Wurzeln in Form von Nostradameus, die Power Metallern ein Begriff sein könnten. So kann man Fejd im Endeffekt vielleicht “Swedish Folk Rock” nennen… (Katrin Kropf, 04.02.09)

Da wundert es auch nicht, dass Fejd – nun endlich! – bei einem Label untergekommen sind, dass in erster Linie ganz klar für die härteren Töne steht: Napalm Records…

Napalm hat eine große Tradition mit Acts der folkigen Art. Sie akzeptierten uns und das was wir hier tun; sie helfen uns, die Musik hinaus in die Welt zu tragen. Ich denke wir können zusammen ein größeres Publikum erreichen, als es uns mit einer anderen Art Label möglich gewesen wäre. Die meisten unserer Fans scheinen eh Metalfans zu sein, daher meinen wir, mit Napalm die richtige Entscheidung getroffen zu haben. [...] Patrik and Niklas spielen zwar manchmal auch auf verschiedenen Events als Folk-Duo auf, aber mal abgesehen davon haben auch sie als Metalmusiker angefangen. Patrik an der Gitarre, Niklas als Bassist. (Esko Salow, 20.03.09)

Auch auf dem am Freitag erscheinenden ersten Album “Storm” wird dieses Konzept von “metal/rock meets swedish traditional folk” konsequent fortgesetzt. Die einzelnen Stücke sind vielleicht nicht mehr gar so eingängig wie noch auf den Demoscheiben, doch erschließt sich der tiefgründige Wert der Musik spätestens draußen an der frischen Luft, bei Wind über einem weiten Feld oder dem Anblick der ersten mutigen Krokusse. Fejd: "Storm" (2009)Vielfältig sind die Stimmungen auf “Storm”: mal getragen von der wunderbar sehnsüchtelnden Weite in Patrik Rimmerfors’ Stimme (Bsp. ‘Äril’, mein Favorit!), ein andermal durch den Auftritt von Gastmusikern: ausgelassene Frühlingsgefühle werden beispielsweise bei ‘Älvorna Dansar’ wach, bei dem Patrik zauberhafte weibliche Unterstützung bekommt:

Ihr Name ist Elina Tervonen. Es ist pures Glück, dass wir von ihr gehört haben als wir im Studio waren. Eines Morgens bin ich schon eher ins Studio gekommen, als Marko Tervonen, unser Produzent, ein Lied mit seiner Frau zum Besten gab. Ich dachte sie hat eine wundervolle Stimme, also haben wir das in der Band besprochen wie es wohl wäre, wenn sie auf ‘Älvorna Dansar’ mitsingen würde. Das Lied war ursprünglich für Patrik bestimmt, er musste es ihr also beibringen. Das Ergebnis der Testaufnahme war fantastisch und nun sind wir sehr dankbar, dass daraus eine Art Elina-Song wurde. (Esko Salow, 20.03.09)

Zugegeben, Folk Metal-Bands gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Besonders solche, die meinen müssen, etwas über alte Kriegsgötter und Saufgelage singen zu müssen. Fejd gehören ganz bestimmt nicht zu dieser Party Metal-Sippe, und wenn es in ‘Älvorna Dansar’ auch lebensbejahend und froh zugeht, so wirkt das Ganze doch wesentlich ästhetischer was sowohl die Musik als auch die Texte angeht. Nun ist ja nicht jeder der schwedischen Sprache mächtig. Umso besser, dass es sich bei Fejd über die Jahre hin eingebürgert hat, dass die Texte auf der offiziellen Bandseite parallel auf Schwedisch und als englische Übersetzung zu lesen sind. Esko hat für uns vorab schonmal ‘Älvorna Dansar’ ins Englische übertragen:

Die Themen unserer Musik variieren stark und sind auch in sehr poetischem Schwedisch geschrieben, daher ist es schwierig und auch nicht ganz fair für Patrik, der auch immer die Texte schreibt, ins Englische zu übersetzen. Aber für euch werde ich es mal probieren:

Älvorna Dansar (Dance of the fairies)

Enchanting beauty in the dance of fairies
Shimmering being of light
Tears of silver in (Daggkåpa = Alchemilla Vulgaris, a plant) embrace
Twilight carefully falls

A mother of age so old and worn
still searching for the traces
She follows the paths in the green moss beds
A feather bed without life

See them then follow them tonight

Fairies dancing wildly on moon steep meadows
Silver covered is the ground in wizardry’s garb
A mirage made of light so captivating and tempting
Tones of a song with appealing words

Wandering souls they float as haze
Arched in the play of the fairies
The grieving mother falls to her knees of pardon
The children of the forest are here

See them then follow them tonight

Fairies dancing wildly…

Das ist nicht ganz akurat, aber nahe dran. Und wie ich bereits anmerkte: gegenüber Patrik nicht ganz fair, da die Texte auf Schwedisch natürlich viel besser klingen.

Der Beginn des folgenden ‘Vid Jore Å’ erinnert angenehm an die schwedischen Folker TRIAKEL, welche sich zusammen mit GARMARNA die wunderbare Emma Härdelin als Sängerin teilen. Die typisch schwedischen Melodien erhalten bei Fejd jedoch durch das zusätzliche Schlagzeug einen derartig unwiderstehlichen Drive, der dann doch eher an letztere Band, HEDNINGARNA oder VÄSEN erinnert. Alles andere als Füllmaterial, sondern eher stimmungsvoll und mittelalterlich anmutendFejd (2009) sind die Instrumentalstücke ‘Egils Polska’ und das abschließende ‘Likfärd’. Likfärd, zu Deutsch ‘Trauer’… dass der Frühling eben doch noch auf sich warten lässt…

Das Warten versüßen sollen die beiden Bonusstücke ‘Bergakungen’ und ‘Morgonstjärnan’, die dem Fejd-Fan der frühen Tage keine Fremden sind, handelt es sich doch hierbei um die ersten beiden Lieder der “Eld”-EP, die sich von ihren Originalen jedoch (leider?) nicht unterscheiden.

Napalm wollte ein paar Bonussongs haben, um die ganze Sache attraktiver zu machen. Sie haben eigentlich nach bisher unveröffentlichten Material gefragt, aber wir hatten da nichts bereits Aufgenommenes. Wir waren etwas in Eile, da wir unbedingt eine März-Veröffentlichung haben wollten. Das eigentliche Album endet mit ‘Likfärd’. (Esko Salow, 20.03.09)

Die Wiederveröffentlichung der ersten beiden EPs “I en tid som var” und “Huldran”, auch zusammen auf einer CD, negiert Esko jedoch:

Nein, wir werden sie nicht als Album wiederveröffentlichen. Sie waren als Demos gedacht und Sound und Performance sind in einer zu schlechten Qualität um sie so wie sie sind wiederzuöffentlichen. Aber wir sprechen auch darüber, von einigen Songs Neuaufnahmen zu machen, gegebenfalls als Bonustracks für kommende Alben. So wäre es auch cooler für diejenigen, die die originalen CDs der EPs besitzen, denn die sind heutzutage wirklich schwer zu finden. (Esko Salow, 20.03.09)

Zugeben, man kann nicht bestreiten, dass sich Fejd auf “Storm” ab und an auch ein bisschen wiederholen. Da diese Musik derzeit aber sowieso einmalig auf dieser Welt ist, nimmt man das gern mal in Kauf.

Demnächst spielen Fejd auch ihre ersten Auftritte auf einer handvoll Festivals in Deutschland, bei ersterem wird RockZOOM dabei sein und berichten:

18.Apr. 2009, 15:00 Uhr: Ragnarök Festival 6 (Lichtenfels)
27.Jun. 2009, 18:30 Uhr: Festung Open Air (Königstein bei Dresden)
03.Jul. 2009, 20:00 Uhr: Hörnerfest (Brande-Hörnerkirchen)

Wir alle haben noch andere Jobs, auf die wir Rücksicht nehmen müssen. Aber vielleicht werden die Dinge in Zukunft anders aussehen. Den Schritt von einer Garagenband zu Vollzeitmusikern vollziehen zu können wäre wirklich großartig; es ist doch recht schwierig, alles gleichzeitig machen zu müssen. Wir arbeiten daran, mehr Konzerte zu geben und werden in Zukunft viel mehr live spielen. Wir hoffen wirklich, viele von euch bei unseren Shows zu treffen, also seid nicht schüchtern: Kommt und redet mit uns. ;) Und bitte besucht unsere offizielle Bandhomepage und unsere Myspace-Seite. (Esko Salow, 20.03.09)

>> Offizielle Fejd Webseite: www.fejd.se
>> Fejd @ Myspace : www.myspace.com/fejd

ACHTUNG! ### Livestream am 23.03. @ www.heavylaw.com ###
(befindet sich rechts unten, einfach nur das Sound-Symbol anklicken und bei Laptops bitte gescheite Boxen oder Kopfhörer verwenden… ;))

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