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Fat Freddy’s Drop und Ladi6 @ Columbiahalle, Berlin | 29.06.2011

12. Juli 2011

Fat Freddy's Drop - 29.06.11 live in der Columbiahalle in Berlin “Work And Travel” in Neuseeland bedeutet zum einen, sich auf ein großes Abenteuer einzulassen, Land und Leute kennenzulernen, atemberaubenden Landschaften zu begegnen, aber auch mit allerhand Musik in Berührung zu kommen. Bis Juli letzten Jahres stapfte ich jedenfalls durch diverse Regionen Aotearoas und sah mich unerwartet mit einigen musikalischen Perlen konfrontiert. Es schwappt ja selten etwas rüber, dass man oft gar nicht weiß, was man eigentlich verpasst.

Ein ganz großes Ding dort auf der anderen Seite der Erdkugel ist Roots, Dub und Reggae-Musik, was zum neuseeländischen Lebensgefühl passt. Ich habe es nie so ganz geschafft, mich vollkommen für diese Klänge zu begeistern, bin eher bei experimentellen Rockbands wie An Emerald City und Electro-Pop wie Ladyhawke hängen geblieben. Dennoch blieb eine Band in Erinnerung, die eben ganz besonders erschien, weil sie nicht nur auf eine bestimmte dieser Richtungen einlässt. Nein, da trifft Dub-Roots-Reggae auf Folk/Jazz und Turntable-Funk-HipHop! Klingt heiß, oder? Ist es auch, vor allem live, wie überall zu hören war, und wir hatten die ganz große Freude FAT FREDDY’S DROP in Berlin erstmals in Aktion zu erleben und uns selbst von den Qualitäten des Septetts zu überzeugen. Als Support stand Landsfrau Ladi6 auf dem Programm.

Ladi6 - 29.06.11 live in der Columbiahalle in Berlin Ganz lange sah es so aus, als wollten die Menschen, die für Fat Freddy’s Drop gekommen waren bis zur Show des Hauptacts vor den Toren der Columbiahalle lieber Sonne tanken als sich mit dem Support-Act auseinanderzusetzen. Irgendwie trieb es die meisten gegen neun Uhr dann doch hinein und sie sollten für diese Entscheidung belohnt werden…

Wahrscheinlich war Ladi6 den meisten (noch!) gar kein Begriff – in Neuseeland hingegen ist sie bereits seit einigen Jahren eine große Nummer. Mit einem Glas Rotwein in der Hand hüpfte sie in ihrem Fleckenmuster-Overall auf die Bühne. Im Hintergrund positionierten sich ihre Beat-Anführer Parks & Julien Dyne, und ab ging die Post! Rotes Schummerlicht verhüllte das Gesicht der Sängerin zu Beginn, so sah sich das Publikum vielmehr mit der kräftigen Stimme und soulbetonten Beats konfrontiert. Zwei entscheidende Faktoren, die schon ein frühes Fazit ermöglichten: Das ist genau die Art Support, die einen die Zeit bis zum Hauptact versüßt! Als das lautstarke “New Zealand’s in the house tonight” von der Bühne schallte, hatte Ladi6 die Anwesenden endgültig auf ihrer Seite! In unterdessen farbenfrohes Licht getaucht, groovte sie vor sich hin, was das Zeug hielt, inklusive Schulterzucken, Kopfwippen, Armefuchteln, in die Knie gehen: kess, unaufgesetzt, ungeschminkt und sympathisch. So ganz anders als man es von manch anderen amerikanischen Kolleginnen gewohnt ist. Die Mischung aus Soul, HipHop und Handclap-Beats brachte die Meute also schon früh ins Schwitzen. Berlin ist – am Rande erwähnt – für Ladi6 und ihre Band die pure Inspirationsquelle. Gerade erschien das neue Werk “The Liberation of…”, dass einst zu großen Teilen in Berlin geschrieben wurde. Und als konnte die Band nicht genug davon kriegen, ist man wieder zurück in der Hauptstadt, in der Kreuzbergstraße, zumindest solange der europäische Sommer anhält! Wer die Gelegenheit hat Ladi6 und ihre Band mal live zu sehen: hingehen, los!

Fat Freddy's Drop - 29.06.11 live in der Columbiahalle in BerlinUnd dass man Fat Freddy’s Drop mindestens einmal im Leben gesehen haben muss, sollte sich in wenigen Minuten ebenfalls bewahrheiten! Übrigens zählt die Band sieben Mitglieder, und wenn man sich allein die Namen anschaut, lässt es einen vermuten, dass aus den Instrumenten nur faszinierende Töne herausstürmen können! Als da wären: Joe Dukie, Tony Chang, Fulla Flash, Jetlag Johnson, Dobie Blaze, DJ Fitchie und Hopepa.

Und eben jene sieben Kerle aus Wellington standen nun oben auf der Bühne einigen tausend Besuchern gegenüber, pressten Tuba, Posaune, Trompete und Saxofon gegen die Lippen, schwangen sich die Gitarren um, aktivierten die Turntables und legten los als gäbe es keinen Morgen. Und man sah sie wie verrückt tanzen, die Menschen (jung bis älter), zu einem Gemisch aus Dub-Roots-Reggae-Folk-Jazz-Funk-Electronica-HipHop. Pausen gab es kaum, denn beinahe jedes Lied überschritt die Zehnminutengrenze.

Wahrscheinlich wissen FFD vorher selbst nie wie so ein Konzert von ihnen endet, weil sie die Improvisationskünstler schlechthin sind. Kein Song einer Album-Veröffentlichung, und davon gibt es zwei, wird öde auf die Bühne projiziert. Einer der vielen Höhepunkte des Abends war beispielsweise als Sänger Joe den Sound sämtlicher Instrumente aufnahm und dann aus dem Nichts einen Live-Mix aus dem Hut (oder um genau zu sein: aus der Schirmmütze) zauberte! Weiterhin beeindruckte der Gastauftritt von Ladi6 ungemein, ummantelt von einem der besten Songs von Fat Freddy’s Drop! So schallte es immer wieder Richtung Publikum “Fire, Fire”! Yeah, das Feuerwerk brannte!

Fat Freddy's Drop - 29.06.11 live in der Columbiahalle in BerlinFFD experimentieren, was das Zeug hält, weshalb sicher jedes Konzert auch für die Band eine Besonderheit darstellt. Na klar, ist es vorteilhaft, derartig viele Instrumente einflechten zu können. Und viele Köche verderben den Brei ausnahmsweise mal nicht. So gar nicht! Jedes Bandmitglied ist ein besonderer Teil der Mannschaft. Wobei Mister Hopepa alias Joe Lindsay aus der Blasfraktion am meisten auffiel. Hatte der Kerl einen Groove im Arsch, unglaublich! Und ganz Kiwi-typisch erschien er mit Sonnenbrille, in Shorts und Tanktop, mit Extra glänzendem Stoff obendrauf! Fehlten eigentlich nur noch die Flip Flops. Neben ihm war ein Laptop positioniert – ansich nichts Außergewöhnliches – doch permanentes Anwinken machte einen stutzig. Bei der Zugabe wurde das Rätsel gelöst als der Laptop Richtung Publikum gedreht wurde. Ein kleiner Junge saß auf der anderen Seite der Erdkugel und schaute dem bunten Treiben zu.

Ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, mal auf einem Konzert gewesen zu sein, was zweieinhalb Stunden andauerte…

>> Zu allen Bildern von Ladi6 in der Columbiahalle

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Ladi6 im Internet:
Offizielle Homepage: www.ladi6.com
Facebook: www.facebook.com/ladi6
MySpace: www.myspace.com/ladi6

Fat Freddy’s Drop im Internet:
Offizielle Homepage: www.fatfreddysdrop.com
Facebook: www.facebook.com/#!/pages/Fat-Freddys-Drop/82968117198
MySpace: www.myspace.com/fatfreddysdropnz
Videos: www.fatfreddysdrop.tv

Und wer Blut geleckt hat, schaut sich hier ein paar bunte Musikvideos an.

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