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ELVENKING: „The Scythe“

19. September 2007

Eines muss ich aus meinem Preview zur kürzlich erschienenen (14.09.2007) neuen ELVENKING-CD“The Scythe“ korrigieren: Es gibt sie auch auf diesem Album – gefährlich schnittige Leadgitarren, wie sie nur der Tod persönlich – und jener ist Konzept auf dem Elvenking-Langeisen Nummer vier – zurechtsensen kann. Unter anderem ist das dem Gastauftritt vom King Diamond-/Candlemass-Gitarristen Mike Wead zu verdanken, dessen Bands den Italienern angesichts der neu gewonnenen düsteren Grundstimmung auch die ein oder andere Inspiration gewesen sein könnte. Ein weiterer Gast ist übrigens Elvenkings ehemaliger Gitarrist und Grunzer Jarpen, der sich hier auf „The Scythe“ das ein oder andere mal in letzterer Tätigkeit ordentlich auskotzen darf. Denn so gelungen Damnagoras‘ Screams auch sind, die er neben seinen typischen spitzbübisch-„elfischen“ Vocals anbringt – das Grunzen wurde ihm nicht derart in die Wiege gelegt wie Jarpen. Less folk steht auf dem Programm, man setzt also somit den Weg fort, den man mit der letzten CD „The Winter Wake“ schon eingeschlagen hat.

Elvenking - The Scythe (2007)Der Vergleich zu In Flames, welchen das Informationsblättchen von AFM Records anbringt, hinkt aber doch etwas. Meiner Meinung kommt eine solche Verwandtschaft höchstens in den Songs „Poison Tears“ und „Death and the Suffering“ vor, welche übrigens nicht gerade zu den besten der neuen Platte zählen.

Und auch nach ausgiebigem Hören – „The Scythe“ wächst nach etwa der fünften Rotation zu seiner Höchstform an – wissen nicht alle Tracks uneingeschränkt zu gefallen und so meint man zunächst, die Highlights der offiziellen zehn Tracks (einen Bonussong gibt’s auf der limitierten Digi-Edition) and einer Hand mit zwei fehlenden Fingern abzählen zu können: „The Scythe“, „Infection“ und „The Divided Heart“ sind das. Später gesellt sich aber noch das abschließende und äußerst abwechslungsreiche Kleinepos „Dominhate“ dazu. Der Rest ist gemessen an der Klasse und den Fähigkeiten dieser – nach wie vor! – einmaligen und nahezu unvergleichlichen Folk Power Metal-Band (mit Düstereinschlag wohlgemerkt) eigentlich nur Mittelmaß.

Das Konzept von Leben und Tod wird übrigens durch kurze Sprechpassagen zwischen den Songs unterstrichen, wirken jedoch zunächst eher als Bremse im Drive des gesamten Albums. Die meisten dieser Interludien klingen in ihrer duchgereimten Form und semi-professionellen Vortragsweise eher wie Abzählreime… eine Ausnahme bildet hierbei das kultige Intro zum Smasher „The Divided Heart“, eingeleitet mit den Worten „half my heart a gift of purity, half my heart a deadly curse…“. Es schließt sich einer der besten, wenn nicht gar der beste Song der bisherigen Elvenking-Karriere an: „The Divided Heart“ ist catchy, emotional ehrlich und trotz seiner simplen Struktur doch vollgepackt mit tollen Ideen. Wer diesen hören möchte, wird bei einer Youtube-Suche fündig (wobei die zugehörige „Verfilmung“ doch eher gewöhnungbedürftig ist).

Wo ich sogar neuere Cradle of Filth heraushöre (die ich nebenbei bemerkt sehr cool finde)? Das schmissige „Infection“ wartet mit einer wahrhaft gruseligen Violinenleadmelodie auf, welche sich durch den gesamten gut drivenden Song zieht, Filth’sche Flüsterpassagen inklusive. Auch zusätzlicher Damengesang darf bei Elvenking mal wieder nicht fehlen: Die altbekannte Laura De Luca (Tystnaden) tritt zum ersten Mal bei „Romance and Wrath“ auf den Plan. Abgesehen von ihrer lichten Erscheinung tappt dieser Song im Vergleich zum anderen Laura-Damnagoras-Crossover „Dominhate“ ziemlich im Dunkeln: zwar enorm ideenreich doch ohne roten Faden. Akustikpassagen halten sich auf „The Scyhte“ eher im Hintergrund, sind dann aber um so schöner, man erwähne hierbei die Einleitung zu „Riddle of Stars“ oder das nette Fast-Instrumental „Totentanz“.

Abschließend ist zu sagen, dass sich dieses Album – wie bisher hoffentlich unschwer zu erkennen war – deutlich von den vorigen drei Langspielern der Norditaliener unterscheidet. Als Fan der ersten beiden Alben hoffe ich trotzdem, dass „The Scythe“ eher einen Versuch darstellt. Ein Experiment um zu sehen, wie man denn besonders heavy und düster klingt. Andernfalls wäre der Name Elvenking (der in Vergangenheit für eine besondere Magie und ideenreiche Spritzigkeit auszeichnete) bald auch nicht mehr angebracht. Müsste ich ein Ranking der bisherigen Elvenking-Diskographie vornehmen – so liegt „The Scythe“ gleichauf hinten mit „The Winter Wake (2006). Rang 1 teilen sich meiner Meinung nach das klangfrische Debütalbum „Heathenreel“ (2001), sowie „Wyrd“ (2004). Letzteres wurde zwar von einem Herrn namens Kleid eingesungen – der zugegeben ein paar Ecken höher kommt als Damna, jener aber eine deutlich markantere Stimme besitzt – doch im Nachhinein betrachtet beherbergt „Wyrd“ meines Erachtens von vorn bis hinten die besten Songs der Elvenking-Geschichte, bruchlos zu einem harmonischen Ganzen verknüpft.

Und ist „The Scythe“ diesmal „nur gut“ geworden, so wird dieses Album mit seiner leicht gothischen Melancholie und der erhöhten Heaviness sicher auch neue Hörer begeistern können… die dann auch hoffentlich den Weg zu den anderen Releases dieser enorm kreativen und einmaligen Band finden werden.

Homepage: www.elvenking.net

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