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ELVENKING, quo vadis?

12. August 2007

‚Hilfe, was macht die denn hier?‘ Keine Panik. Ich darf. Habe unseren Master of Disaster extra gefragt, ob ich nicht auch mal selbst was in seine coole Metalkolumne schreiben kann. Und es ist mir wahrlich eine Ehre, diesen metallenen Flecken angesichts des bald erscheinenden vierten ELVENKING-Albums „The Scythe“ mit einer Art Preview zu beglücken. Ich sag’s lieber gleich: Ich habe das Album noch nicht gehört, sondern beziehe mich lediglich auf Videos und Samples, die bis dato im Netz für jedermann einseh- und hörbar sind. Und so wird sie aussehen, die kommende Scheibe dieser Power Metal Band mit Folk-Einflüssen, welche im September wieder aus Norditalien zu uns herübertönen wird:

The Scythe (VÖ: 14.09.2007)
Elvenking - The Scythe (2007)

1- The scythe
2- Lost hill of memories
3- Infection
4- Poison tears
5- A riddle of stars
6- Romance & Wrath
7- The divided heart
8- Horns Ablaze (digipack limited edition bonus track)
9- Totentanz
10- Death and the suffering
11- Dominhate

Moment. Power Metal mit Folk-Einflüssen schrieb ich da!? Wenn man sich den Schriftzug der Band in Kombination mit diesem Albumcover anschaut, welches ganz gut auch das nächste von King Diamond hätte sein können, da muss man berechtigterweise fragen, inwieweit wir hier noch frivol-tanzbaren Violinen- und Flötenfolk der ersten 2,5 Alben finden. Doch vorher noch ein kurzer Kommentar bezüglich King Diamond: Fast alle Mitglieder von Elvenking bezeichnen sich als Fan dieser Horror Metal-Formation und wen verwundert es, dass sie kurzerhand Gänsehaut-Gitarrenkünstler Mike Wead für ein paar knackige Leads eingeladen haben?

Ein vollständiger Song, Titeltrack „The Scythe“, sowie weitere Samples sind Myspace-Profil der Italiener anzuhören. Der Verdacht bestätigt sich: heavier, im Gesamtsound dunkler, deutlich weniger Folkelemente und eine aufdringlich bollernde Bass- und Rhythmusgitarrenfraktion. Kein Wunder, denn „The Scythe“ wird ein Konzeptalbum über den Tod. Nicht gerade innovativ, aber ich bin immer noch zuversichtlich, dass sich die ganze Pracht eines Konzeptalbums nur schwerlich auf einzelne Samples übertragbar ist. Verwunderlich für mich ist, dass beide derzeit komplett hörbaren Songs („The Scythe“ und „The Divided Heart“) mit äußerst eingängigen Refrains daherkommen. Beim Thema Tod hätte ich irgendwei etwas komplexeres erwartet, aber kann ja noch kommen… Sänger Damnagoras muss ich aber eine deutliche Steigerung seiner gesanglichen Fähigkeiten attestieren, so hat er sein Spektrum noch auf amtliche Screams ausgebaut (die ja früher immer von einem gewissen Jarpen zugebenermaßen richtig genial realisiert wurden).

Zu „The Divided Heart“ haben wir übrigens auch den ersten Videoclip in der Geschichte Elvenkings serviert bekommen:

Was fällt auf?
Das ist ein ziemlich guter Song, schön catchy, aber mich stören irgendwie wie schon gesagt die uninspirierten Bass- und Gitarrenläufe. Gerade wo es solomäßig mal interessant wird, gibt’s den Fade-out, och nö… Die Optik scheint mir zwanghaft auf modern gemacht, als würde nach 3 Alben nun endlich den Durchbruch im Mainstream suchen, oh-oh. Ja, schon mehrmals wurde unter den Fans diese neue Fassade angeprangert. Irgendeiner im Bandforum sagte mal, dass der Style was von Children of Bodom hat… dem kann ich leider irgendwie zustimmen… Alle Bandmitglieder begehen am Ende Selbstmord (naja, wenigstens hat der Sänger vorher nochmal diese Tante ins Bett gekriegt…), und das auf recht explizite Art und Weise, weshalb ich trotz des zukünftig enorm steigenden „Teenie-Potentials“ mal prognostiziere, dass dieser Clip entweder gar nicht oder für nur recht kurze Zeit das FreeTV bereichern wird.

Ach übrigens, bisher hat mich nur ein einziger Metalclip vollends überzeugen können: der von Metallicas „One“! …und in Ansätzen cooles Manowar-, Hammerfall- und Rhapsodygepose, weil das einfach urkomisch anzusehen ist!!!

Ein optimaler Elvenking-Clip würde für mich irgendwie folgendermaßen aussehen:

– Als Song nehme man den „Regality Dance“ vom Debütalbum „Heathenreel“
– Exposé: ein elfisches Abendmahl mit Nektar und Ambrosia, dann der Regality Dance, dessen Tanzschritte im Liedtext zwar ausführlich auf zungenbrecherische Art und Weise beschrieben werden, worunter man sich aber herzlich wenig vorstellen kann
– alle trinken über den Durst und tanzen schlussendlich nackt um ein Lagerfeuer… ohja, bitte! >;)

Aber es wird ja eh keinen Clip mehr zum Debütalbum geben. Und da ich ja eh kein Musikvideo-Fan bin, ist’s mir letztendlich doch irgendwie egal, dann schauen wir eben nach vorn: Ich sehe „The Scythe“ trotz der vermeintlichen Schwächen der Vorab-Songs mit Spannung entgegen, und denke und hoffe, dass diese eingängigen, schmissigen Stücke nicht die einzige Facette dieses Albums darstellen werden. Der Tod ist immerhin rätselhaft, vielgestaltig und verlangt nach tiefgründiger Auseinandersetzung…

Elvenking - “The Scythe” promo picture
(Bildquellen: www.elvenking.net)

Und mögen die Kings danach wieder auf elfischen Pfaden wandern… Vielleicht mit einem von den Fans viel geforderten Akustikalbum!?

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