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Vertragslose Freimusik für Folkhungrige #2: ELVARHØI

17. Juni 2008

Elvarhøi logo

Wieder einmal handelt es sich bei Elvarhøi um skandinavischen Folk, diesmal aber im Vergleich zu den von mir bereits vorgestellten Schweden Fejd mit (zumindest zeitweise) gehöriger Metal-Schlagseite. Dennoch ist es nicht sehr gewöhnlich, dass sehr junge Leute wie diese Norwegerinnen und Norweger sich zusammenfinden, um ausgerechnet eine folkorientierte Musik mit dem Aufdruck „Nationalromantic Metal“ zu fabrizieren. Dabei nannte man sich ganz zu Beginn noch Oddvar Steinkjempe og de Grimme Granskoger, was soviel heißt wie „Oddvar Steinriese und der grimmige Fichtenwald“ und eher eine Nonsens-Band darstellte. Doch mit den ersten Songs nahm die Musik immer mehr Gestalt an und bekam schließlich einen naturmystischen, schon beinahe ätherischen Touch. Und so heißt die deutsche Übersetzung zum heutigen Namen „Elfenheim“. Multiinstrumentalist, Text- und Songschreiber Magnus über die eigentliche Entstehung seiner Band im Jahr 2004:

Ivar und ich haben Elvarhøi hauptsächlich gegründet, um Musik wie jene zu machen, die wir uns auch selber gern anhören. Und zu dieser Zeit war das für mich fast ausschließlich Folk Metal á la Elvenking, Skyclad oder Ásmegin. Wir wollten dies auf unsere eigene Weise bewerkstelligen, und so fühlte es sich für uns nur natürlich an, die Kultur unseres eigenen Volkes als Basis dafür zu nutzen. Die Nationalromantik folgte auch ganz natürlich, denn die diese norwegische Geistesströmung des 19. Jahrhunderts stellt das offensichtliche Portal dafür dar. Für mich bezeichnet “Nationalromantic Metal” Musik, die den Geist der nationalromantischen Periode auf “Heavy Metal-Art” weiterträgt. Wir benutzen diese Bezeichnung auch gar nicht mehr so häufig, da es möglich ist, dass mancheiner sie als Euphemismus von Nazismus verstehen könnte. Nach dem Trubel der deutschen Antifa respektive der Paganfest Tour scheint es immer noch, dass manche Leute denken, Folk/Pagan Metal ist Nazimusik.
(Magnus André Wandås: violin, flutes & more)

Han så dei vakre utpostane
Dei stolte og majestetiske fjell
uberørt av menneskanes herjing
usett av andre enn han selv
(He could see the beautiful frontiers
the proud majestic mountains
unspoiled by the ravages of man
unseen by anyone but him
Vil den reine lufta bli reinare?
Dei solblanke dagar bli lysare?
Stjerneblanke netter bli vakrare?
Eller ville dei døy?
Will clean air smell any sweeter?
Will sunny days be any brighter?
Starry nights hold more wonder?
Or will they be gone?)

Wer darin Nährboden für Nationalsozialismus sieht, der muss wohl paranoid sein, verfolgt von einem Männlein mit quadratisch gestutztem Oberlippenbart, welcher, hätte er die wahre Schönheit dieses Liedes, dieser Liedsituation, verstanden, nie imstande gewesen wäre, die in seinem Namen begangenen Verbrechen geschehen zu machen. Doch dies ist ein Kapitel, welches noch viele Seiten füllen würde. Voller Frieden – nicht mit Blauäugigkeit, Elvarhøi 2006sondern mit fern schweifendem Blick – sind die letzten Worte der ersten Demo-CD von Elvarhøi. Und aufgrund der Wichtigkeit des immer wieder auftauchenden leidigen Themas „Nationalsozialismus im Metal“ möge man mir verzeihen, mit dem eigentlichen Schluss begonnen zu haben…

Die jungen Skandinavier haben zwar erst eine Demo zurechtgezaubert, doch ist die im letzten Jahr neu gemixte Version von „Fjellet Faller Aldri“ seit einiger Zeit kostenlos von der liebevoll aufgemachten Bandwebseite in voller Länge herunterladbar. Zwar muss man auf diese Weise auf das fantastische Cover-Artwork der mit der Band befreundeten Sara Bruun verzichten, und das ist gerade schade für diejenigen, die den aquarell verspielten Illustrationsstil des J.R.R. Tolkien sehr mögen, doch gibt es zum Trost auch ein wunderschönes Wallpaper auf der besagten Bandseite, welches die Kühle der rein digital vorliegenden Musik durch die natürliche Frische einer hübschen Fjellansicht würdig wettmachen sollte. Auch in Zukunft wird Sara zum Elvarhøi-Konzept beitragen:

Man kann sich absolut sicher sein, dass sie auch in Zukunft für unser Artwork verantwortlich sein wird. Es existiert bereits ein großartiges Ölgemälde zu „Endekvad“. Ihr visueller Ausdruck und unsere Musik gehen Hand in Hand. Es wäre einfach nicht vollständig ohne ihre Kunst. (Magnus André Wandås: violin, flutes & more)

Doch bevor über Zukunftsmusik geschrieben wird, ein Blick auf die bisher vorliegenden Ergebnisse…

Elvarhøi: Fjellet Faller Aldri (2006)
1. Eg rodde meg ut… [Download]
2. Drikkevise [Download]
3. Trú [Download]
4. Skogens Vandrar [Download]
5. Daudeskaar [Download]
6. Venelite [Download]
7. Lykkejegaren [Download]


Bonus Tracks der Remix-Version:
8. Skogens Vandrar (Live) [Download]
9. Venelite Blues Solo [Download]
10. Lykkejegaren
(Original Sing a-long Version) [Download]

Über die Musik an sich braucht man nicht viele Worte verlieren. Für all jene Internetnutzer, die jedoch nicht mit einer schnellen Breitband-Verbindung ausgestattet sind, vielleicht trotzdem noch ein paar Worte, während die Lieder Platz auf dem heimischen PC finden: Wie man an den Titeln schon erkennen kann, sind alle Lieder in norwegischer Sprache gehalten. Alles andere wäre für norwegische Nationalromatik auch widersinnig. Und so beginnt die EP mit einem sehr kurzen „angestromten“ traditionellen Stück aus Norwegen, bevor mit „Drikkevise“ das erste Stück aus der eigenen Feder ertönt. Eine junge angenehme Männerstimme, Gustav Jørgen Pedersen, geleitet neben Maultrommel, Akustikgitarre, Violine, Blockflöte und schön stark verzerrter E-Gitarre und allerhand Stimmgewirr („Hei Skål!“) durch den Trinkspruch. Das hört sich vielleicht nach allerhand an, doch bleibt Elvarhøis Musik stets recht einfach und transparent, sehr liedhaft mit typischer Strophe-Refrain-Struktur.

Etwas sehnsüchtiger ertönt „Trú“ vor allem aufgrund des mehrstimmigen Gesangs der jungen Männer. Eine tragende Rolle spielen außerdem die sanfte Flötenmelodie und als Kontrastprogramm die hoffentlich absichtlich sehr kantig verzerrte Gitarre. Doch angesichts der Tatsache, dass es sich bei der aktuellen Version von „Fjellet Faller Aldri“ nicht nur um eine neu gemasterte sondern komplett frisch gemixte Fassung handelt, macht die Band deutlich, dass diesmal nichts dem Zufall überlassen wurde…

Nun, wir haben nicht wirklich ein professionelles Studio, nur mich und meinen Computer. „Oppi Fjellet Studios“ war Gustavs Haus, bei mir zu Hause sind die „Uti Skauen Studios“. Es gibt (noch) keine extra dafür eingerichteten Räume, doch es klappt bisher ganz gut was die elektrischen Instrumente angeht, während wir mit den akustischen Instrumnten gern draußen experimentieren. In der Natur haben sie ihren ganz einmaligen Klang, der in einem Studio nicht gut reproduziert werden kann. Magnus (Elvarhøi)Andererseits, es kann durchaus andere Probleme geben: Es fliegt zum Beispiel ein Flugzeug vorbei und ruiniert den ganzen Take oder man muss früh mit den Aufnahmen aufhören, weil es zu dunkel oder zu kalt wird. Drinnen gibt es diese Probleme natürlich nicht.
(Magnus André Wandås: violin, flutes & more)

Mit „Skogens Vandrar“ wird der Abwechslung genüge getan und ein rein akustischer, sehr verträumter Song schwebt nur so dahin und stellt eine willkommene Pause dar. Die Liveversion der remixten Edition ist da schon etwas anders, mitunter auch gewöhnungsbedürftig, doch immerhin noch der lohnenswerteste Track der „Bonusdreingaben“ auf „Fjellet Faller Aldri 2.0“. Die anderen „Boni“ kommen in Form eines sehr kurzen und merklich lauter gemasterten Bluessolo zu „Venelite“ und einer Liveversion des schon positiv von mir erwähnten „Lykkejegaren“ daher. Diese ist jedoch mehr als nur missglückt. Klingt als ob ein paar besoffene Halbstarke sich zu einer sehr spontanen Aktion hinreißen ließen. Tat das Not?

Hehe. Nein, das war ganz und gar nicht nötig. Vielleicht war es auch keine so gute Idee. Es gab ursprügnlich sogar ein paar mehr. Wir spielen viele Soli und komische Dinge während unserer Aufnahmen, also vor und nach den eigentlichen Takes, um einen gewissen Groove zu bekommen. So kam zum Beispiel das „Venelite Blues Solo“ zustande, obwohl es eine vollkommen andere Stimmung hat. Ich habe es übrigens als Handy-Klingelton! Die Singalong-Version von „Lykkejegaren“ war sogar noch überflüssiger. Ursprünglich war „Lykkejegaren“ auch nur ein Dort-und-auf-der-Stelle-Song eines späten Abends im Studio, quasi als Bonustrack gedacht. Die „Singalong Version“ entstand als erste, aber am nächsten Morgen haben wir selbst nicht mehr verstanden, was wir uns bei dem Gesang dachten, waren aber mit den Gitarren sehr zufrieden. Und so nahmen wir das Ganze nochmal mit Gustav allein am Gesang auf. Nostalgiegefühle brachten die „Singalong Version“ dann doch auf den Remix. Und deshalb sollten Veröffentlichungen wohl sorgam geplant werden! 😉 Was wir ab sofort auch so handhaben wollen.
(Magnus André Wandås: violin, flutes & more)

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Keine Kommentare

  1. Sheik Yerboutie

    wirklich ein fantastischer Tip!

    Ich finde, man merkt einfach, dass die Musik von Herzen kommt und die Truppe nicht zu denen gehört, die mit folkloristischen Tönen auf den kräftig anziehenden Zug aufspringen wollen.

    Auch die selbst nach dem Remix ordentlich ungeschliffene Produktion stört da nicht. Das ist natürlich Ansichtssache, aber für mich darf solcherlei Musik ruhig bodenständig klingen – nein, muss es sogar vielleicht. (Lediglich Stereo-Gitarren wären vielleicht wünschenswert)

    Kann man also jedem Freund von authentischem Folk Rock/Metal uneingeschränkt weiterempfehlen!

    ach ja: klasse Cover-Artwork!!

    #944

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