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Eine Ode an das Schuhwerk

8. Januar 2008

Irisches Tagebuch 2.0

Der Blick aus dem Fenster: Diesel 1,01:7 €, bleifrei 1,07:7 €? Das war einmal. Nun kostet beides 1,14:7 €. Ist mir aber auch egal, ich hab ein Rad… und definitiv auch ein Rad ab, dies in der Verkehrshölle Waterford zu benutzen. Am besten man verlässt sich auf die beiden eigenen Hinterläufe… wie jener:

Ein älterer Mann setzt zum Spurt über die Straße an.
Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er ohne Ampeln:
Rot ist eine Empfehlung.
Er wittert wohl den kommenden Regen –
oder hat einfach nur realisiert, dass das nahende Fahrzeug doch recht schnell auf ihn zukommt…

5 Minuten später regnet es tatsächlich, doch dafür muss man in Irland kein Hellseher sein. Man glaubt hierzulande den Wetterfröschen, wenn sie Niederschlag prophezeien… was sie nicht unbedingt beliebter macht…
Es hält sich in Grenzen, ein kurzer Schauer. Ein paar Schweinehunde später will ich mir dann doch die Lufschuhe anschnallen, da unten ist nämlich gerade ein kurzhosiger Jogger vorbeirannt: Runner-lad, I owe you a pint!
Doch wieder ein paar Tropfen, pah Tropfen, sind wir Schönwetterathleten? … doch gerade in so schöner Schreibstimmung… Habe mich dann doch zum Aufbruch gerüstet, nun schüttet es aber aus einer dicht gewordenen Wolkendecke, also Schuhe wieder in die Ecke… wieder eine Chance vertan, nicht gerade ohne Erleichterung. Da haben sie nochmal Glück gehabt, die ollen Treter.

Wie das eigene Auto wachsen sie einem mit jedem Kilometer mehr ans Herz, oder an den Fuß, ja doch, beides… unzählige Trainingseinheiten und Warmmachen zu Wettkämpfen als die Trägerin dieser Botten noch einer aktiven Laufbahn hinterhersprintete, sprang und stieß… Thüringer Wald-Matsch, Leipzig-Straßen, Tartanbahnen und Rasen der deutschen Stadien, in jüngster Vergangenheit auch irische Schafscheiße und Tramore-Sand, für die Berge brauchste Boots… Zwei halbe Marathons, den ganzen werden sie nicht mehr erleben, denn die Sohle sagt dem Rest des Schuhs so langsam auf Wiedersehen – ein langer Abschied, niemand will so richtig loslassen. Das könnte ein Schuhmacher ja noch gerade biegen, den Mief vieler Jahre bekommt er jedoch nicht heraus – der sitzt in jeder einzelnen Pore, nun, solange die Pore nicht allzu groß ist, dass sie einfach gar nichts mehr hält, sprich: Die Lochdichte hat in den letzten Monaten doch erschreckend zugenommen, die irische Insel ist keine Pediküre. Den Anblick dieser göttlichen Geh(h)ilfen in Bildform möchte ich allen lieber ersparen, und stattdessen nur noch eines loswerden:

Vielen Dank für die gemeinsame Leidenszeit, liebes Nike-Paar, dessen Modellnamen ich nicht mehr weiß, schon lange ist dieser nämlich verblasst… Doch was wäre dieser Name ursprünglich gewesen? Ein Code aus Nummern und Buchstaben. Du warst mehr. Danke.

…Ist es absurd, zwei Schuhen einen derartigen Abschied zu bescheren? Ich glaube nicht, denn jeder hat es doch, das Lieblingspaar Schuhe – lebe es lang und ohne Gestank.

–> Irisches Tagebuch 2.0 – Teil 1

Keine Kommentare

  1. Chris

    Hello, jsut read your in Waterford, or tramore? But your heading back soon? Had a chat with you down in cork at winterfest and didnt realise you where coming to Waterford, my home by the way. Im studying German and would have like the opportunity to practise a bit.

    #704
  2. Gut, als Uebung fuer dich gibt’s diesen Kommentar auf Deutsch:

    Waterford, richtig. Hast ne coole Mailadresse uebrigens, klappt das? Meine muesste hier ersichtlich sein. Freu mich auf jeden Plausch, also: Hoch die Hufe und ne saubere Sohle!

    #705
  3. Rigorch Bury

    Nur die Nacht weiß wie es Euch geht 😉

    #706

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