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Einar Stray Orchestra – Politricks (Review)

16. September 2014
Einar Stray Orchestra - Politricks

Einar Stray Orchestra – Politricks

Musik abseits aller Regeln, abseits von schablonenhaften Strukturen. Wenn man das Einar Stray Orchestra in eine Schublade stecken sollte, wären sie eher ein wuchtiger Kabinettschrank, in dessen Inneren sich verborgene Geheimtüren verbergen, wann immer man eine Lade öffnet. Der junge Norweger debütierte vor zwei Jahren mit dem Album „Chiaroscuro“, benannte sich Anfang des Jahres in Einar Stray Orchestra um und lässt nun mit Werk Nummer zwei „Politricks“ alle Dämme brechen. Orchestrale Passagen wechseln sich mit reduzierten folkigen Abschnitten ab. Und doch liegt die Intention ganz klar darin, ein großflächiges Pop-Opus zu erschaffen, das trotz seiner komplexen Form auf Jedermann zugänglich wirkt.

„Honey“ bietet da als Einstieg ein Vorgefühl, eine Vorahnung auf die folgenden Titel. Leicht schwingende Melancholie, wie sie wahrscheinlich nur Skandinavier formen können. Doch auch das ist nur ein Splitter des Einar Stray Orchestra´schen Repertoires. Was unscheinbar und sacht beginnt, türmt sich zu Klangwänden auf, die in den Himmel wachsen und den Hörer in eben jenen mitnehmen. „Politricks“, der Titelsong, wiederrum wird direkt zu einer weiteren Indie-Pophymne; irgendwie entrückt und doch sehr lässig. „Pockets Full Of Holes“ packt das gesamte Kammerpop-Programm aus und fesselt einmal mehr mit sinfonischem Aufbäumen. Ein Wechselbad der Gefühle, ein Wechselspiel mit der Instrumentierung. Mal bombastisch überladen, schon nahe an Post- und Progrock, mal leise und zerbrechlich. So klingt sie vielleicht, die Aufarbeitung des Moments, wenn man seine eigene Kindheit hinter sich lässt und zum ersten Mal als Erwachsener in die Welt blickt. Gefolgt von Erinnerungen und dem harten Aufwachen in einer Realität, die nur zu oft mehr Schein als alles andere ist. Der Verlust der Unschuld und das Verflüchtigen von Träumereien. Ganz so hart wie man meint wird diese Thematik allerdings nicht umgesetzt. Auch hier wieder ein Feingefühl, wie man es nur Musiker zuschreiben kann, deren Lebensmittelpunkt jenseits der Ost- und Nordsee ihre Kreise ziehen. „Politricks“ ist ein Boot, das viele Klippen umschifft, auf hohen Wellen getragen wird, den Abgrund immer vor Augen hat und letztlich doch sicher im Hafen einläuft. Etwas abgeklärter vielleicht, aber noch lange nicht bereit, Träume und den Zauber des Lebens in die dunkelsten Ecken der Seele zu verbannen.

Einar Stray Orchestra im Internet:
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Tourdaten:
20.09.14 – Reeperbahn Festival, Hamburg
21.09.14 – Studio 672, Köln
22.09.14 – Hafen 2, Offenbach
23.09.14 – Chelsea, Wien
26.09.14 – Franz Mehlhose, Erfurt
27.09.14 – Feinkostlampe, Hannover
29.09.14 – Privatclub, Berlin
30.09.14 – Societaetstheater, Dresden
01.10.14 – E-Werk, Erlangen
02.10.14 – UT Connewitz, Leipzig
07.10.14 – Gleis 22, Münster
08.10.14 – Café Galao, Stuttgart
09.10.14 – Muffatcafé, München
10.10.14 – Kiff, Aarau (CH)
11.10.14 – Albani Music Club, Winterthur

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