Suche

Ein Omen des Lenzes: Die Ankunft der Kniddelfalter

22. März 2008

FiddelalterMolk im Kurzportrait

Vor wenigen Tagen schrieb ich noch von zwei spätwinterlichen Perlen dunkler Progressivmusik, heute lassen wir auf weitaus spaßigere und einfacher verdaulichere Art und Weise den Frühling in die eigenen vier Wände und reisen dafür in den Norden der Bundesrepublik. Die Kniddelfalter von FiddelalterMolkDort – genauer genommen in Hamburg – erwarten uns fünf Herren, die zusammen die Spaßfolkbande FIDDELALTERMOLK bilden. Die Frage nach dem großen Woher und Warum beantwortet man selbst folgendermaßen:

„Fiddelaltermolk wurden irgendwann im Mittelalter gegründet als ein alter bärtiger Mann Balin einen Haselnussstrauch und eine Ziege schenkte, und dieser sich daraus einen Dudelsack baute um fortan merkwürdige Musik darauf zu spielen. Angelockt von den Klängen kamen mehr und mehr Leute dazu um mitzumachen, einige blieben, einige nicht.“

Nun besteht die Kombo aus diesem sackpfeifenden Balin, einem gitarrespielenden Musikpädagogen, einem Trommler mit Grindcore-Hintergründen (was man auch hört…), einem Bassisten (vermutlich immernoch Kontrabass!?), seit neuestem auch Bandopa Claus und natürlich dem kultigen Molk, sozusagen das Bandmaskottchen. Singen darf jeder mal. Mittelalter- und folktypische Instrumente wie Mandola, Maultrommel, Whistles, Banjo und natürlich die namensgebende Fiedel bereichern den Sound der Hamburger, oder vielmehr stellen sie die Grundlage alldessen dar, denn man bedient sich vornehmlich mehr oder weniger bekannter Traditionals der irischen und britischen Inseln und motzt sie ordentlich mit Stromgitarre, satten Bassläufen und treibenden Drums auf.

Und was hat man damit bisher erreicht? Nun, noch nicht allzu viel, zahlreiche Besetzungswechsel, zwei Demoscheiben in Albumlänge in Eigenregie, etliche Liveauftritte… Generell schien recht viel Spaß gehabt zu haben, wird man Zeuge des sympathischen Umgangstons auf der Bandseite. Na, das ist doch immerhin etwas. Ohnehin kommt doch solche Musik live immer sehr gut… Wer sich schon mal vorm Auftritt mit dem Material anfreunden möchte, dem kann ich die beiden bisherigen Outputs nur ans Herz legen.

Die beiden Scheiben sind schon mal optimal produziert: Klare Folkinstrumente, ein Bass wie ein lustiger Tanzbär, ein schön rumpeliges Schlagzeug und männlicher Gesang aus vielerlei Munde – gegröhlt, gelallt oder geraunt. Stücke „Follow me up to Carlow“, „Eileen Oge“, „Foggy Dew“ oder das bezeichnende „Watt wolln wir trinken?“ sind wunderbare Ohrwürmer und selbst die flotten Instrumentalstücke lassen kein Tanzbein ungeschwungen. Abwechslung? Nicht wirklich, braucht man ja auch nicht unbedingt. Wozu kitschige Balladen als Ruhepole, wenn man die volle Packung Partyfolk haben kann? Ein kleiner feiner Unterschied ist beim direkten Vergleich der CDs jedoch auszumachen: Während „FiddelalterMolk“ mit cooleren Ohrwürmern und stärkerem Leadgesang trumpft (der Herr namens Jokus ist leider abgewandert), bilden die leicht funkigen Stromgitarren auf dem „Kniddelfalter“ ein hübsches Novum. Allerdings kann hier der einzige französischsprachige Song „Tourdion“ nicht besonders punkten. Freunde von Banden wie Fiddler’s Green, den gerade in Deutschland tourenden Dropkick Murphys oder Flogging Molly kommen aber auch hierbei voll auf ihre Kosten.

FiddelalterMolk (2004)
FiddelalterMolk (2004)1. Follow me up to Carlow
2. Tie the Bonnet + Toss the Feathers
3. Seacoalers
4. Butterfly + Drowsy Maggie
5. Eileen Oge
6. Watchmaker + Harvest Home
7. Donald McGillavry
8. Hungaresca
9. Johnny I Hardly Knew Ye

(zum Downloaden ganzer Stücke die entsprechenden Links klicken, mehr Hörausschnitte auf der Bandseite…)

Kniddelfalter (2007)
Kniddelfalter (2007)1. Rali twm sion + Ymdaith gwyr dyfaint
2. Come yae oer frae France
3. Farewell to Ireland
4. St. Antonius Feest
5. Ships are Sailing + Mjr Malley’s Jig
6. The Foggy Dew
7. Mjr Harrison + Golden Studjig
8. Watt wolln wir trinken?
9. The Musical Priest + Saccows
10. Das Straßenräuberlied
11. Hot Asphalt
12. Tourdion
13. La Manfredina di Tristano

Beide Scheiben sind übrigens für humane 8 Euronen über die offizielle Bandseite (s.u.) zu beziehen, die ebenso nett und sympathisch daherkommt wie die CDs selbst.

Ich hatte zwar noch nicht das Vergnügen, aber auf der Bühne (da gehört folkiger Punkrock schließlich hin…) sind FiddelalterMolk sicher ein Riesenspaß. Und wer im April noch nicht viel vor hat, sollte sich mal einen dieser beiden Termine fett anstreichen und den Frühling auf folkt-fröhliche Art und Weise begrüßen:

24.04.: Volxdorf (Riff) [mit CoUnTeRcLoCkWiSe]
30.04.: Lüneburg (Bauwagenplatz Gut Wienebüttel)

www.fiddelaldermolk.de

In diesem Sinne wünscht RockZOOM seinen Lesern noch ein paar nette Ostertage!

Schreib einen Kommentar