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Efterklang: Piramida

27. September 2012

Eine verlassene Bergarbeitersiedlung auf Spitzbergen, die ihr letztes Leben vor mehr als einer Dekade ausgehaucht hat – und drei Dänen, die sich aufmachen, um genau dort die Basis für ihr neues Werk zu schaffen. Das klingt spannend und weckt in jedem, in dem noch ein kleiner Funke Abenteuerlust steckt große Erwartungen. Efterklang reisten zum Norden der Welt, durchwanderten die ehemals autarke Geisterstadt Pyramiden mit ihrem Field Recorder und sammelten innerhalb kürzester Zeit mehr als 1000 Tonspuren und Klangfetzen, welche anschließend in liebevoller Handarbeit zu einem großen Ganzen zusammengefügt wurden. Der neue Albumtitel stand somit auch direkt zu Beginn fest: „Piramida“ sollte der Nachfolger von „Magic Chairs“ heißen. Und eines sei vorab gesagt: eine schönere Liebeserklärung wurde wohl noch keinem anderem verlassenen Ort je gemacht. „Piramida“ verströmt einen Duft von viel Wärme, der durch jeden Winkel des Albums schleicht. Man lauscht dem ersten Titel „Hollow Mountain“ und schon packt einen der Gedanke, dass das hier ein sehr angenehmes Klangerlebnis werden wird. Nichts an den einzelnen Stücken ist anstrengend, was man aufgrund der fummeligen Entstehung von „Piramida“ vermuten könnte. Die drei Dänen um Sänger Casper Clausen haben in Zusammenarbeit mit dem Andromeda Mega Express Orchestra und einem 70-köpfigen Mädchenchor ein kleines alchemistisches Klangwunder erschaffen.

Ein Beispiel für diese wundersame Metamorphose ist der Song „Dreams Today“. Der vorgegebene Grundtakt zu Beginn des Titels ist nichts anderes, als der aufgezeichnete Laufschritt über Holzstege, die durch ganz Pyramiden führen. In „Sedna“ erklingt das vergessene Piano der Aula Pyramidens. Efterklang entlockten ihm nach so langer Zeit der Stille wieder Töne, die den Grundgedanken von „Piramida“ nicht besser abrunden könnten: Ein Album für die Geisterstadt – basierend auf Klängen und Geräuschen der Geisterstadt. Ein Hörspiel der besonderen Art; selbst nach dem zehnten Durchlauf entdeckt man in diesem dichten Geflecht neue Fragmente, die man vorher nicht wahrgenommen hat. So geschickt und behutsam wurden die einzelnen Titel arrangiert. Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, meine jedoch, dass Efterklang mit „Piramida“ ein einzigartiges Stück organischer Klangkunst hervorgebracht haben. Das muss ihnen erstmal Jemand nachmachen.

Efterklang im Internet:
Homepage: www.efterklang.net/home/
Facebook: www.facebook.com/efterklang

Termine:

02.12. Wien – Arena
03.12. Leipzig – Centraltheater
04.12 . Hamburg – Kampnagel
05.12. Berlin – Volksbühne
07.12. Zürich – Kilbi im Überall
11.12. Köln – Gebäude 9
14.12. Frankfurt – Brotfabrik
15.12. Hannover – Glocksee

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