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Duke Special @ Electric Avenue Waterford (IE) | 15.10.2007

25. Oktober 2007

Ein Nordlicht in Südirland

Duke Special? Klingt nach etwas Besonderem – sieht außerdem nach was ganz Besonderem aus, schaut man sich den dazugehörigen Menschen an: Ein blonder Jack Sparrow, keine Dreadlocke gleicht der nächsten, schaut mit dickem Lidschatten aus Belfast zu uns herüber. Er trägt eine lustige Uniform, einem Sgt. Pepper nicht unähnlich, vielleicht nicht gar so bunt. Mit bürgerlichem Namen heißt er Peter Wilson, doch dieser Name ist am Ende der nächsten Zeile auch schon vergessen…

Duke Special - Songs from the Deep Forest (2006)Im Folgenden nennt man ihn also nur noch Duke Special, manchmal Mr. Special, oft auch nur Duke. Sein aktueller Rundling „Songs from the Deep Forest“ ist nun zwar auch schon ein Jahr alt, doch fiel mir vorletzten Samstag dieses Album, sein zweites, für nur 10 Euro in die Hände. Ein Schnäppchen für die sonst doch merklich drastischeren Preisverhältnisse in irischen Record Stores. Zumal mir hier auch noch eine limitierte Edition mit lohnenswerter Live-CD („Orchestral Manoeuvres in Belfast“) vorliegt. Ohne Orchester hingegen soll Duke Special auch noch zwei Tage später eben hier, im irischen Waterford, spielen. Recht oft ist der Nordire hier anzutreffen, feiert er doch in ganz UK und Irland beachtliche kommerzielle Erfolge. Und auf dem Festland? Ehrlich gesagt war mir der Herr bis dato kein Begriff, doch irgendwo habe ich schon einmal seinen Song „Everybody wants a little something“ gehört. Ein Werbesong, denke ich… Wirklich nicht gerade mein Lieblingstrack auf dem liebevoll aufgemachten „Songs from the Deep Forest“. Klingt eher glatt und radiotauglich. Dann doch lieber die persönlicheren, vielseitig auf- und ausgeschriebenen „Brixton leaves“, „No cover up“ oder „This could be my last day“, die letzteren beiden deutlich melancholischer, leicht verschmalzt, doch glaubwürdig, zumal der nordirische Akzent auch beim Singen durchkommt. Das bringt schon mal ein paar Sympathiepunkte mehr, die auf den optischen Exotenbonus aufsetzen. Erste Bilanz wird am 15. Oktober in der Waterforder Electric Avenue gezogen…

Bobby Martin?… Gar nicht mal so übel, was ein zeitlos anmutender Lokalmusiker da so vom Stapel lässt. Vor voll besetztem Hause falsettiert und klampft Bobby Martin? – so war doch sein Name, oder habe ich das falsch verstanden? – sich in die Herzen der Anwesenden. Ein bisschen „wicked“ ist dieser krumme, ständig wechselnde Gesangsstil schon, erreicht ab und an gar ganz luftige Höhen der hinteren Reihen – ja, die Avenue ist „halbbestuhlt“ – doch Vergleiche fallen schwer. Eine männliche Kate Bush? Na, so hoch zu den Sternen wollen wir nicht greifen. Gute Unterhaltung bietet der Bursche jedoch allemal…
Ganz im Gegensatz zum darauffolgenden Support: The Blue Ladies, oder so etwas in der Art: Als Frauen verkleidete Männer mit verstellten Stimmen, die mit Trivialliedgut kabarettartig versuchen, ganz dolle unterhaltsam zu sein. Nach drei dieser Luftnummern ist es leidlich anzusehen und vor allem eine Qual zu hören, man wünscht sich endlich Mr. Special herbei, zumal mit 22:00 Uhr schon eine recht fortgeschrittene Stunde angeschlagen hat und diese Tunten immer noch auf der winzigen Bühne weilen…

Klein ist er, der Duke, doch verliert sich seine Präsenz nicht auf der Bühne, ganz im Gegenteil: Hinter dieses Klavier gehört er, das ist klar, auch die Teelichter darauf unterstützen eine sich anbahnende private Atmosphäre. Schließlich kürt Duke Special alle Anwesenden zu Brüder und Schwestern, verteilt Songsheets und stimmt zum großen Mitsingen an. Duke Special - 15.10.2007 #5 Gut die Hälfte der zu spielenden Lieder gehören dem aktuellen Rundling an, früh ertönt mein Favorit „Brixton leaves“. Die Duke’sche Poesie tanzt stets auf jenem Grat, der dick aufgetragenen Schmalz von der Offenbarung ehrlicher Gefühle trennt. Doch gerade wenn es droht gar zu gefühlsduselig zu werden, lädt eine unverbraucht-poppig klingende Nummer zum Wippen und Mitsingen ein. Und gerade bei letzterer Aktitivität lassen sich die Iren nicht zwei mal bitten – lautstarker Support auf den Rängen und bis dicht vor den Bühnenrand, wo man steht, kniet und Barhocker vom Tresen geklaut hat.

Doch auch Duke Special beweist Live-Fitness mit seiner klaren und wohlklingenden, wenn auch nicht sonderlich flexiblen, Stimme. (But hell, Singer-Songwriter, so what?) Ich ließ mir außerdem beim kollektiven Anhören der „Orchestral Manouevres…“ Bonus-CD von mehreren Leuten bestätigen, dass Mr. Special stellenweise nach Robbie Williams klingt. Und das eher im positiven Sinne, wenn geswingt wird. Doch trotz seines Aussehens ist Duke (wie war das, Peter Watson? White? …Ah, Wilson!) ein recht bodenständiger Kerl geblieben: Schenkt seinen Fans in Waterford allerlei Kram von der Bühne, kommuniziert abseits des üblichen „Danke“ und „Ihr seid toll!“ mit dem Publikum auf freundlich-relaxte Art und würde sich mit den Leuten merklich noch gern weiter unterhalten – wäre es nicht schon nach 0 Uhr… So blasen nach der letzten Zugabe dann doch sehr rapide alle Gäste zum Marsch. Sie hatten eine gute Zeit: Voll mit Mitsingerei, einer guten musikalischen Darbietung, geölt mit Heineken, Carlsberg, Bulmers und Co. sowie dem ansteckenden Gelächter guter Freunde. Die Bartheke hat nun geschlossen, es gibt nichts mehr zu holen, die Stimmen vereinzeln sich in Waterfords Straßen…


Morgen wird Duke in Dublin zusammen mit seinem Orchester sowie José González, den Pet Shop Boys, Groove Armada und noch einigen anderen das Irish Museum of Modern Art zum Schmelzen bringen. Für Kurzentschlossene also gleich mehrere Gründe, morgen den nächstbesten Billigflieger zu entern. Nach Deutschland wird der spezielle Herr jedenfalls demnächst erstmal nicht kommen, denn bereits im März wurde in good ol‘ Germany an vier Stationen halt gemacht.

» Zu allen Bildern von Duke Special.
» Offizielle Seite von Duke Special: www.dukespecial.com

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