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DORNENREICH: „Flammentriebe“

2. Februar 2011

Dornenreich: Flammentriebe (2011)Das mittlerweile siebte Scheit im heller denn je leuchtenden Feuer dieser österreichischen Ausnahmegruppe um Jochen Stock lodert durch und durch. Dornenreichs „Flammentriebe“ sind Nährboden und Löschwasser für den eigenen Innerbrand, sind kerosingetränkter Docht, lassen einfach nicht kalt wen Alltag und Massenmedium noch nicht haben erstarren lassen.

„Du bleibst grell – Wirst nie Nacht
Flammenmensch – Kennst nicht Acht
Du willst das Scheit – und koste es der Welten Preis.“

Auch wenn die Instrumentierung diesmal wieder deutlich härter ausfällt: Es ist ein natürliches Anknüpfen an das minimalistische, akustische Vorgängerwerk „In Luft geritzt“ von 2008. Omnipräsent sind Inves Geigentöne, Evígas mysteriös wandernde Akustikgitarre auch hier zugange. Zugleich sind die „Flammentriebe“ wütender, zugleich versöhnlicher. Energetisch ist vielleicht das richtige Wort. Wie kann das sein? Es ist der Kreis, der hier erneut seine lyrische Bahn zieht. Steter Wandel ist hörbar in der perfekten Text-Ton-Symbiose Dornenreichs und selbst auch Gegenstand…

Der Wandel, um den es mir im Rahmen von FLAMMENTRIEBE geht, ist ein gesamtgesellschaftlicher und nachhaltiger. Doch der kann nur entstehen, wenn das Individuum sich bewusst dazu entscheidet, der zerstörenden Selbsttäuschung, als Mensch der König dieser Welt zu sein, den Rücken kehrt. Wir leugnen die Tatsache, dass die Natur auf Kreisläufen basiert. Es ist unweigerlich so, dass das Pendel, das wir mit aller starren Kraft in die Gewinn- bzw. Ausbeutungsmaximierung zerren, bald mit derselben Kraft in die andere Richtung ausbrechen wird, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
(Evíga für Metal Hammer 02/11)

„Ende, Ende, tief im Land.
Wessen Rücken steht zur Wand?
Willst du der Mensch sein, der Leben vertritt?“

Die lebensbejahende Haltung Dornenreichs unterscheidet die Österreicher von allen anderen Black Metal Bands. Und obwohl hier einige Charakteristika klar der schwarzmetallischen Muse zuzuordnen sind – sägende Gitarren, hin und wieder ein Blastbeat („Kreis weckt Kraft!“), Dornenreich sind noch immer der inbegriff von Sturm und Drang – sie sind dieser Szene entwachsen, gereift, ohne zahm geworden zu sein. Evíga kann noch immer markerschütternde Schreie höchsten Ausdrucks ausstoßen, man höre hierzu nur einmal den Mittelteil des hypnotischen „Fährte der Nacht“, muss aber nicht mehr kieksen und wimmern wie noch zu früheren Zeiten der Tage „Her von welken Nächten“. Wer „Durch den Traum“ und „Hexenwind“ zu schätzen wusste und sich dazu die songschreiberische Finesse von „In Luft geritzt“ vorstellen kann, dem sind die „Flammentriebe“ empfohlen. Schwachstellen findet man nicht. Das Album strotzt vor dichterischer Dichte und dichter Dornenkunst.

Einmal mehr gilt: Gänsehaut statt Gänsemarsch, ab dem 11.02.2011 auf diversen Tonträgern ab 10.02.2011 live mit Agrypnie:

10.02.’11 DE- München / Backstage
11.02.’11 AT – Klagenfurt / Volxhaus
12.02.’11 AT – Wien / Szene
13.02.’11 DE – Nürnberg / Z-Bau
14.02.’11 DE – Dresden / Puschkin Club
15.02.’11 DE – Berlin / K17
16.02.’11 DE – Essen / Turock
17.02.’11 DE – Trier / ExHaus
18.02.’11 DE – Stuttgart / Haus 11
19.02.’11 CH – Uster / Rock City

1 Kommentar

  1. […] bei einem Gespräch mit dem Dornenreich-Chefdenker Jochen “Evíga” Stock, möge sich kundig machen oder den eigenen Augen und Ohren glauben […]

    #3067

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