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Dorian Wood @ Hebbel am Ufer, Berlin | 28.10.2014

3. November 2014

Dorian Wood @ Hebbel am Ufer, Berlin | 28.10.2014Viele, die an diesem Abend zur Show von Dorian Wood ins Hebbel am Ufer gekommen waren, kannten den Ausnahmekünstler erst für eine kurze Zeit. Wahrscheinlich interessierte sich insbesondere das treue HAU-Publikum für den eigenwilligen, zauberhaften Musiker aus Los Angeles. Viele, die ihn bereits im Februar im Privatclub erlebt hatten, blieben zuhause, weil einfach nicht so recht durchsickern wollte, dass er mal wieder in der Stadt ist, zum mittlerweile sechsten Mal.

Im Vorfeld der Show verstrickte man sich voller Vorfreunde in allerhand Dialoge mit anderen Gästen und zeigte sich erstaunt über die Lobhudeleien seiner Gesprächspartner: „Also, ich habe auf alle Fälle noch nie jemanden gehört, der so klingt wie er!“ So simpel dies auch scheinen mag, in diesem Satz steckt ganz viel Wahrheit. Dorian Wood ist ein Kunst-Phänomenen, fernab jeglichen Massenkonsums. Er hat sich seine eigene kleine Avantgarde-Nische zurechtgerückt, in der er Musik kreiiert, die aus dem tiefsten Inneren seiner Seele stammt, Musik, die ihn gleichermaßen am Leben hält, und den Zuhörer gewiss einen eiskalten Schauer über den Rücken jagt. Er besingt depressive Zustände und redet Klartext. Thematisch geht es dabei um die angespannte Beziehung zu seinem Vater, seine Homosexualität, die Tatsache, dass er wohl aufgrund seines Übergewichts mehr Schweiß entwickelt als der Durchschnittskünstler. Und ja, ganz gewiss, Dorian Wood ist eben kein Durchschnitt. Er ist anders als andere, es gelingt ihm mit seiner Kunst einen Sturm freizusetzen, das es einen kaum auf den Sitzen hält.

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Im Hebbel am Ufer blickte Dorian Wood in sitzende Gesichter. Er schien den Moment zu genießen, auf dem Parkett dieses wunderschönen Theaters am linken Bühnenrand auf einen Flügel zu hauen und in der Mitte des Raumes seine gewaltige Stimmkraft nach Außen zu krempeln und wild zu gestikulieren. Natürlich gefiel einem das Konzert besser als das im Februar. Sicherlich kann er auch auf engstem Raume verzaubern, aber Dorian Wood steht eine Theater-Bühne eben noch besser, weil man die Theatralik seiner Songs noch viel intensiver aufsaugen kann – durch den Schall und die Geschichte des Raumes. Auch stehen seine Begleitmusiker an Akkordeon, Kontrabass, Schlagzeug und Gitarre verstärkt im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gar nicht auszumalen, was man erst fühlte, würde Dorian Wood wirklich mal mit einem großen Kammerorchester anrücken, das er gelegentlich in seiner Heimatstadt um sich versammelt. Er strahlte eine unendliche Dankbarkeit aus, so war seine letzte Amtshandlung sich mit der Faust mehrmals sanft auf die Brust zu klopfen, loszulassen, und so ganz viel Herzenswärme ans Publikum zurückzugeben, das zeitgleich frenetischen Applaus spendierte.

Dorian Wood im Internet
Homepage: www.dorianwood.com
Facebook: www.facebook.com/dorianwoodmusic
Tumblr: www.dorianwood.tumblr.com


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