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Dol Ammad – Wenn der Metal…

7. Juli 2007

Wenn der Metal mit der Oper vögelt

Star TalesUnausgetretene Pfade betrat vor etwa zwei Jahren ein Grieche mit dem wohlklingenden Namen Thanasis Lightbridge. Im Gepäck hatte er eine CD mit nicht minder fantasievoller Titulierung: „Star Tales“, Proviant, der dem experimenthungrigen Musikfreund gleichermaßen die Nährstoffe Oper, Electronica und Haudrauf-Metal einflößt. An dieser Symbiose, bei denen einem vielleicht die Namen Therion, Bal-Sagoth oder Star One in den Sinn kommen, hat sich auf dem zweiten Album nicht viel geändert, und doch ist Thanasis mit „Ocean Dynamics“ eine Scheibe gelungen, die ihren Weg durch das All noch stolzer fortsetzen kann als das Debüt. Nicht zuletzt wegen der homogeneren Kompositionen, die auf dem auf „Star Tales“ noch recht überambitioniert durch Raum und Zeit flogen, kann man die neue fliegende Untertasse als guten Fortschritt angesehen werden. Lobend ließ ich dies den Chefdenker und Tastenmann wissen…

TL: „Hallo Katrin, danke für deine netten Worte! Ich glaube auch, dass „Ocean Dynamics“ die perfekte Evolution der einmaligen Musikwelt ist, die wir mit unserem Debütalbum „Star Tales“ erdacht und angefangen haben. Glücklicherweise denken unsere Fans und die Medien ebenso darüber und die Reviews sind mehr als positiv. „Ocean Dynamics“ war bisher nur online verfügbar, aber wir sind gerade dabei, für unser frisch geschaffenes Plattenlabel die physische Distribution mit ein paar wichtigen Promotern rund um den Globus zu initiieren.“

Was die musikalischen Änderungen betrifft, wichen beispielsweise bunte Keyboardklimper-Fresken malerisch-atmosphärischen Klangteppichen, Blastparts wurden reduziert, kommen an ihren wenigen Stellen jedoch umso effektiver zum Einsatz, Sopranistin Kortessa ist oftmals mit ihren gewöhnungsbedürftigen Sprechpassagen zu hören… und schon sind wir inmitten des Themas der personellen Aufstellung. Ein Name springt erfreulicherweise sogleich wieder ins Gesicht: Alex Holzwarth (Rhapsody, Sieges Even) saß einmal mehr als äußerst vielseitiger Schlagwerker auf dem Schemel. Neu ist, dass DC Cooper (ex-Royal Hunt, Silent Force) für einen Song auf „Ocean Dynamics“ den Leadgesang übernahm, und der vormals 12-köpfige klassische Chor aufgestockt wurde auf nunmehr 14 Damen und Herren mit (fast) voller Sangesbreite von Bass bis Sopran. Da ist es gar nicht so einfach, seine Schäfchen zusammenzuhalten. Ich fragte Thanasis, wie er denn die Arbeit mit solch einem großen Haufen anstelle…

TL: „Zeitweise ist das schon sehr schwierig gewesen. Der Zeitplan musste ständig eingesehen und eingehalten werden, da die Band mittlerweile 19 Mitglieder beherbergt, jeder mit seinem eigenen vollgestopften Terminkalender, da sie ja alle professionelle beziehungsweise semi-professionelle Musiker sind.“

Gerade bei dieser personellen Fülle gab es aber sicherlich irgendwelche erwähnenswerten „Unfälle“ oder spezielle Situationen während der Arbeiten zu „Ocean Dynamics“!?

TL: „Oh doch, ich erinnere mich an eine lustige Situation als wir diese sehr anspruchsvolle Sopranpassage zu Beginn von „Thalassa Dominion Part IV“ aufnahmen…“

…Es sei dazu zu sagen, dass die drei Ladies am Anfang dieses Stückes etwa 40 lang Sekunden ohne Atempause in extraterrestrischen Höhen flanieren…

TL: „…Ich war so auf die Monitore fokussiert, die Kopfhörer aufgesetzt und zu mir selbst sprechend… Als ich dann zu den Mädels aufsah, bemerkte ich, dass sie rot angelaufen waren und wegen ihres Atemverlustes nicht mehr sprechen konnten! Haha, das war ein recht lustiger Moment! Sie haben aber einen exzellenten Job abgeliefert und jede schwierige Phrasierung hinbekommen.“

Auch Alex Holzwarth war zu der Zeit mal wieder sehr geschäftig mit Rhapsody…

TL: „Bei Alex haben wir glücklicherweise einen Zeitpunkt gefunden, der seinen Aktivitäten in Rhapsody oder Sieges Even nicht in die Quere kam… Ein ganz besonderer Freund, Robert Hunecke Rizzo, war mein Kontaktpartner zu Alex Holzwarth. Alex hat in die Musik hineingehört und fand sie glücklicherweise sehr interessant…“

Nebenbei bemerkt: Man sollte sich unbedingt mal das Drumming von Alex auf „Ocean Dynamics“ anhören. Ist es die Idee vom Herrn Holzwarth gewesen war, auf diesem Album noch präziser zu trommeln, und inwiefern steuern andere Musiker ihre Ideen zum bestehenden Material bei?

TL: „Es war meine Idee, diesmal für „Ocean Dynamics“ ein paar herausfordernde Drumparts zu schaffen, und da ich Alex zu mir in ins hauseigene Studio einlud, hatten wir Zeit zum experimentieren und ausprobieren verschiedener Dinge an den Drums. Wir hatten diesmal außerdem bessere Kontrolle über den Sound, allgemein gesagt bin ich sehr zufrieden mit dem Drum-Sound. Ich fürchte, die anderen Musiker tragen nicht so viel zum kreativen Prozess bei, da ich immer gern alles so hätte, wie es mir im Geiste herumschwebt… Natürlich bin ich aber für eine kreative Diskussion immer zu haben…. Aber auch DC Cooper hatte einen sehr engen Zeitplan, aber wir haben es geschafft, eine Woche für Dol Ammad zu pauken, seine erstaunliche Performance aufzunehmen und zusammen eine coole Zeit zu haben! Was die Aufnahmen angeht: Da wir mein persönliches Studio benutzten, ging alles ziemlich glatt, ohne Unfalle oder besondere Situationen. Normalerweise schaffen wir uns eine nette Atmosphäre und ich bin dann verantwortlich für ein paar Smoothies und Snacks.“

Dol Ammad

In Bands ist es nicht gerade ungewöhnlich, dass ein einzelner den Posten als Songschreiber inne hat. Wie sieht es hier aus? Ist Dol Ammad eher als ein persönliches Musikprojekt zu verstehen denn als Band?

TL: „Ich denke, da ich die gesamte Musik allein komponiere, für die Ausgaben und das weitere Organisatorische bei Dol Ammad verantwortlich bin, kann man leicht sagen, dass es sich hierbei eher um ein persönliches Projekt denn um eine Band handelt. Trotzdem mag ich das Gefühl, dass wir als Team von Künstlern unter dem Dach eines bestimmten Projektplans zusammenarbeiten. Dol Ammad ist so etwas wie eine Theatergruppe mit Schauspielern und einem neuen Stück mit jedem Album. Ich bin der Regisseur und Produzent und jedes Mitglied hat seine Rolle in diesem Stück. Jedes Mitglied ist essentiell und sein oder ihr artistischer Einfluss schlägt sich im finalen Ergebnis nieder.“

Verglichen mit dem vorigen Album konnte Mr. Lightbridge ja nun zwei zusätzliche Chormitglieder dazugewinnen. Ich wollte wissen, ob es ausgenommen von den Neuankömmlingen die selben Ladies und Gentlemen sind, die schon auf dem Debüt „Star Tales“ zu hören waren…

TL: „Ja, für “Ocean Dynamics” ist eine neue männliche und drei neue weiblichen Stimmen hinzugekommen. Der Rest des Chores ist identisch zu dem „Star Tales“-Aufgebot. Sie waren alle mal gemeinsam in einem speziellen griechischen Chor, nun gehören sie diversen professionellen Chören an oder verdienen ihre Brötchen als Solo-Künstler. Mein Kontakt zu ihnen kam durch einen „Star Tales“-Mitstreiter, der ein enger Freund zu der Truppe war. Er brachte mich in Kontakt mit den anderen Chorsängern, damit ich meine Idee erklären konnte, dieses spezielle neue Musikgenre zu kreieren… Ein großer Unterschied im Line-up ist übrigens auch Dim, unser neuer Gitarrist.“

Es mag wohl kaum Dims Entscheidung gewesen sein, aber „Star Tales“ war schon deutlich gitarrenlastiger als das sphärische „Ocean Dynamics“, denn mal ehrlich, Tracks wie „Vortex 3003“ vom Debüt waren ja wohl sonnenschwere Lichtgeschwindigkeits-Wuchtbrummen vor dem intergalaktischen Herrn, eine Tatsache, die ich persönlich auf dem neuen Rundling etwas vermisse. Der Track „Solarwinds“ ist da aber eine willkommene Ausnahme und auch auf der Myspace-Seite von Dol Ammad hörbar, checken gehen! Mit dem „Thalassa Dominion“-Vierteiler liegt uns zwar mit Abstand die sphärischste Komposition vor, die sich jedoch so langsam aber sicher und sehr organisch zum Gipfel heraufschaukelt: Der Holzwarth mal wieder! Der wird seinem Namen mal vollauf gerecht und holzt einen Megablastbeat mit derart Präzision und zwischendurch sogar mit sehr eigenwilliger Akzentuierung vom Fell, dass sich jeder Blacky mal getrost hinter diesem Hau-Degen verstecken kann.

Eine Bereicherung ist auch DC Cooper als Solosänger bei „Aquatic Majesty“, bisher übernahm bei Dol Ammad ja immer „nur“ der Chor alle Gesänge. Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob Thanasis mit dem Gedanken spielt, einen permanenten Metal/Rock-Sänger neben dem Chor zu engagieren… Oder sollte es etwas Besonderes bleiben, wenn der Chor der „Leadsänger“ ist?

TL: „Nein, dieser Gedanke kam mir noch nie, da Dol Ammad immer vom Chor getragen sein wird. Das war die Anfangsidee und so bevorzuge ich das auch. Die Idee mit dem Gastsänger war mehr zum Spaß, einfach nur um festzustellen wie das klingt… und natürlich als Erfüllung eines Traumes, mit so einem großartigen Sänger wie DC Cooper zusammenzuarbeiten. Es war für den Song „Aquatic Majesty“ natürlich sehr dienlich, und wenn ich so etwas je wiederholen sollte, dann nur, wenn es für einen bestimmten Song nötig wäre, und dann wieder nur als Gastrolle mit einer Person, mit der ich mich gerne mal treffen und zusammenarbeiten würde. Der Chor IST der Sänger von Dol Ammad!“

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