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Die Apokalyptischen Reiter… @ Centrum Erfurt | 24.10.2008

4. November 2008

Support: Mustasch, Honigdieb, Marionette, (Disaster K.F.W.)

Eine der besten Livebands aus deutschen Landen sind ohne Frage Die Apokalyptischen Reiter. Kaum eine Band versteht es, Energie und Spielfreude auf eine so sympathische Art miteinander zu verbinden und selbst ein noch so kleines Menschenhäuflein in den Wahnsinn zu treiben.

Marionette - 24.10.2008 #2 Dass es aber in der thüringischen Heimat der Band kein Menschenhäuflein geben würde, sondern dass das Centrum berstend voll sein würde, war bereits trotz dieses doch recht seltsam geschnürten Tourpakets – kurzum auch „Reiterfestspiele genannt – im Vorfeld klar. Zunächst sollten Disaster K.F.W. den Abend eröffnen, die ich leider in Gänze – wie auch den größten Teil des MARIONETTE-Auftritts – verpassen musste. Die jungen Schweden Marionette boten jedoch einen sehr interessanten Anblick: blutjunge geschminkte, wahrhaft irgendwie marionettenartig aussehende Buben, die zum ersten mal auf einer Tour außerhalb ihres Heimatlandes spielen, jedoch alles andere als nervös herüberkamen. Die Burschen ernteten tatsächlich viel Zuspruch und heizten die ebenfalls sehr jung wirkenden ersten Reihen gut ein. Die Musik kann man als eine Art Metalcore bezeichnen, nicht sonderlich kreativ, aber durchaus sehr livetauglich und überzeugend dargeboten.


Die folgende Band hätte unterschiedlicher nicht sein können. In Windeseile richteten sich HONIGDIEB die Bühne her und auch diese ließen sich in ihrem visuellen Auftritt nicht lumpen. Musikalisch wie auch „inhaltlich“ ist die Chose des Dortmunders und seiner Mitmusiker aber so gar nicht mein Ding. Zwar hat auch diese Musik ihre Daseinsberechtigung, da sie eine mit Nichts vergleichbare Mischung aus Punk, Rock, Ska, Pop mit Folkparts bietet, doch das neurotische Herumgezucke von Sänger Hannes geht mir schon nach wenigen Songs kräftigst auf den Zeiger. Nichts gegen Humor in der Musik, doch diese kribbelbunte plakative und um jeden Preis um Anstoß bemühte Art ist mir nichts. Zwar steckt eine löbliche Message („sei wie du bist, mach wie dir beliebt…“) hinter all diesen geschmacklosen Details dieser One-man-Show, doch muss man in diesem seltsamen Bühnengebahren und schrecklich daneben klingendem, nervenden (Sprech-)“Gesang“ tief danach wühlen.


Mustasch - 24.10.2008 #3 Glücklicherweise waren aber auch Honigdieb recht schnell mit ihrem Set fertig und machten Platz für wirklich geile Musik. Vor dem Auftritt waren mir MUSTASCH aus Schweden nur namentlich ein Begriff, doch schon bei den ersten Tönen wurde mir klar: Das ist es! Straff nach vorn gerichteter Drecksrock mit kräftigem Stoner- und Retroschlag von ganz und gar charismatischen und toll interagierenden Musikern, allen voran natürlich Sänger Ralf, der mit seinen Ansagen auf holprigem Deutsch sofort das gesamte Publikum auf seine Seite zog. Zwischendurch machte eine Flasche Jack Daniels die Runde. Mustasch stehen wahrhaft für beards’n’booze und wissen das mit unglaublich drivenden, eingängigen Hymnen zu untermauern. Wer zum Beispiel auf die Spiritual Beggars steht, sollte hier unbedingt mal reinhören – absolut männlich, haha… Der Gang zum Merchstand nach diesem famosen Gig war für mich dann auch selbstredend Pflicht… Mustasch gracias, ihr verrückten Schweden!


Wer sich von den frechen Burschen selbst mal Bild machen möchte, kann das Video-Tourtagebuch der Band konsultieren, die vierte Folge kommt morgen heraus, hier sei euch schon einmal die erste ans Herz gelegt, starring Ritter Ralf und die recht müden Reiter:
Mustasch and Die Apokalyptichen Reiter Tour Diary – Episode 1

Wie schon eingangs erwähnt stellt der Auf(t)ritt in Erfurt quasi ein Heimspiel für DIE APOKALYPTISCHEN REITER dar. Nach einer etwas längeren Umbauphase zogen vor allem zwei Neuerungen die Blicke auf sich: die neue Gitarristin Lady Cat-Man, welche fortan Pitrone ersetzt und die Schaukel des Dr. Pest, der wiederum selbst seinem Stil treu bleibt und sich mit Maske und Lackmini peitscheschwingend zu seinem neuen Spielzeug begab. Der Weg des 2006er Albums „Riders on the Storm“ wurde mit dem neuen, seit August in den Läden stehenden Album übrigens konsequent fortgesetzt und so haben sich die Reiter und die neue Reiterin an diesem Abend vor allem dem neuen Material und der positiven Botschaft von Liebe, Licht und Lebenslust verschrieben. Statt aber eine ganz und gar unbändige Show zu erleben, wurde ich Zeuge einer für meine Begriffe etwas zu routiniert wirkenden Darbietung. Da habe ich wahrlich schon besseren Reitershows beiwohnen dürfen. Kann aber auch natürlich daran liegen, dass die Tour zu diesem Zeitpunkt auch gerade erst begonnen hatte und das neue Material ist noch recht frisch ist und „angetestet“ werden will. Die Fans nahmen trotzdem jeden einzelnen Song dankbar hin, es gab Crowdsurfer, Moshpits und eine Wall-of-death bei „Adrenalin“ war auch dabei. Sie sind nun einmal eine großartige Liveband, auch wenn sie – wie hier in Erfurt – nicht ihren besten Tag erwischt haben.

Zum Abschluss bediene ich mich einmal dreist eines weiteren Tourtagebuchs, diesmal dem der Reiter, welches auch auf deren offizieller Heimseite immer noch fast täglich aktualisiert wird…

Die Apokalyptischen Reiter - 24.10.2008 #7 „Eine rauschende Ballnacht in unserer Heimat. Ein Wiedersehen mit unseren Familien und Freunden. Schweiß, Pogo, eine energiegeladene Show, ein sehr dankbares, tanzwütiges Publikum. Unsere Freunde von Disaster K.F.W. eröffnen heute den Reigen, mit dabei unser alter Lichtmann Sepsis und natürlich Reiter-Legende Skelleton. Alle Bands ernten heute tolle Reaktionen und sind super glücklich. Das Essen herrlich deftige Thüringer Küche, Rotkohl und Klöße waren immer schon Garanten für eine trinkfreudige Aftershow-Party. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, denn nun heißt es für lange Zeit Abschied nehmen von unseren Liebsten, noch 27 Shows heißt es nach dieser. So langsam stellt sich der Körper auf den Tourneerhythmus um. Man kann nur schlafen, wenn der Bus rollt und man seicht in den Schlaf geschaukelt wird. Ein bisschen wie ein Ostseedampfer. Nur Schlaglöcher statt Wellen. Und ohne frische Brise.“ (Volk-Man) @ www.reitermania.de

Am Ende dieser Tour werden in jedem Falle MUSTASCH als die Sieger vom Platz gehen, denn dass die Reiter eine hervorragende Liveband sind, das ist bereits bekannt, Mustasch hingegen sind hierzulande ein noch relativ unbeschriebenes Blatt. Übrigens, wer die neue Scheibe „Licht“ noch nicht besitzt: Es lohnt sich (Ebenso wie der aktuelle Rundling „The Latest Version of the Truth“ der Mustaschios)! Auf Tour wird auch eine schicke Schallplattenversion (Gatefold mit allen Texten und schneeweißem Vinyl) für faire 15 Euro verkauft, auch die zahlreichen neuen Shirtdesigns können sich sehen lassen.

Heute Abend geht der Wahnsinn weiter, vom Osten und Norden bewegt man sich fortan in die süd(west)licheren Gefilde:

04.11. Frankfurt – Batschkapp
05.11. Nürnberg – Hirsch
06.11. München – Backstage
07.11. A-Henndorf bei Salzburg – Wallerseehalle
08.11. A-Wien – Gasometer
09.11. A-Innsbruck – Hafen
11.11. Stuttgart – LKA
12.11. Freiburg – Jazzhaus
13.11. Karlsruhe – Substage
14.11. Kaiserslautern – Kammgarn
15.11. CH-Winterthur – Salzhaus
16.11. CH-Pratteln – Z7

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