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DERDIAN: „New Era Pt. 2 – War of the Gods“

24. September 2007

Freunde gepflogener Metallgeräusche! Mit Stolz gastiere ich zum zweiten Male in Martins Metalkolumne und möchte euch nun eine meiner liebsten Italo Melodic Power Metal Heroen ans Herz aus Stahl legen! So manch einer wird sich nun angwidert abwenden, nur zu, die Liebhaber jener Melodeien machen’s sich hier bitte umso bequemer.

Derdian Band 2007DERDIAN treten so langsam in Rhapsodys Fußstapfen… ups, ich mein Rhapsody of Fire… Rhapsody of fuckin‘ evil hellish Fire, roaaar!!! *hüstel* Ähja. Zum einen wird Italiens jahrelanges Melo-Metal-Aushängeschild im Kreise vom Magic Circle Music immer mehr zum Manowar’schen Schoßhund (Ich stelle mir gerade das „Gods of War“-Cover vor und ersetze die Gesichter der nackten Frauen zu Fuße der Kings of Metal durch die von Luca Turilli und Co… was zwar komisch aussieht, mit Brüsten und so, das derzeitige Verhältnis aber recht gut beschreibt.), zum anderen war die letzte Scheibe „Triumph or Agony“ bis dato die mit Abstand schlechteste: pompös überladen ohne Ende, orchestral breitgetreten mit wenigen kompositorischen Höhepunkten und trotzdem irgendwie sehr selbstverliebt…

Soviel zur Lage meiner einstigen Helden Rhapsody. Derdian klingen so wie Rhapsody vor fünf bis zehn Jahren: speedig, hymnisch, lebensbejahend, emotional und frisch mit dem Hang zur Verspieltheit. Natürlich darf die obligatorische Fantasy-Story mit zugehörigem Textwerk nicht fehlen, sonst ist’s nur halb so unterhaltsam.

Derdian - New Era Pt. 1Vor zwei Jahren legten mit „New Era Pt. 1“ die Herren aus Mailand ihr erstes Langeisen auf den Tisch, was eben genau so frisch und eingä ngig klang, als auch mit einer spannenden Geschichte aufwartete. Keyboarder und Chefsongschreiber Garry fasste für mich einst den Inhalt dieser doch recht umfangreichen Geschichte des Derdian-Debüts zusammen:

„„New Era Pt. I“ befasst sich mit Derdian, einer kleinen Stadt, welche in die Hände eines verrückten Tyrannen namens Troghlor gerät, ein blutdurstiger Krieger, der durch eine Allianz mit einem bösen Gott zu einem dämonischen Eroberer wird: Und eine neue Ära beginnt für Derdian…“

Wer Rhapsody zu ihren besten Zeiten liebte – und das waren bisher definitiv die beiden „Symphonies of Enchanted Lands“ sowie „Power of the Dragonflame“ – muss auch Derdian beide Ohren leihen. Wobei man sagen muss, dass die jungen Herren Derdian mit deutlich kleinerem Budget gerüstet sind und folglich etliches mit Synthesizern herbeigekünstelt werden musste. Das wirkt auf dem Debut zugegeben immer etwas steril, verleiht dem Ganzen jedoch einen netten barocken Anschlag.

‘Derdian - New Era Pt. 2Groß anders als beim Vorgänger ist hier auf „New Era Pt. 2 – War of the Gods“ nur wenig. Die Songs haben nun aber mehr kompositorischen Tiefgang, will heißen sie sind nicht ganz so schmissig und ohrwurmverdächtig wie noch beim Erstling, doch keineswegs schlechter. Bisweilen präsentiert man sich sogar leicht progressiv, mitnichten frickelig, doch durchaus sehr fähig an den eigenen Instrumenten. Doch Vorsicht ist geboten: Wem ein italienischer Akzent im Gesang Magenschmerzen bereitet, für den ist wohl auch der zweite Streich dieser Mailänder keine Medizin. Nichtsdestotrotz haftet Sänger Joe eine besonders sympathische Klangfarbe an, deren Passion in der obligatorischen Pianoballade ihren Höhepunkt findet. Zugegeben: Das grenzt schon sehr am Schmalzbrotverzehr, doch alles in allem ist „New Era Pt. 2 – War of the Gods“ durchaus düsterer geraten, da Gitarrist Enrico (nennt sich auch Henry) hier öfter als noch beim Debüt zum Mikro greift. Und dieser Herr klingt ohne zu Grunzen doch deeeeutlich und wesentlich bedrohlicher tiefer als sein hauptamtlich trällernder Bandkollege.

Eben jenen Henry habe ich mal zu ein paar knackigen Punkten befragt…

K: In deinen eigenen Worten: Was hat sich seit „New Era Pt. I“ in eurer Musik veraendert?

Henry: Ich glaube, dass es gemessen an unserem ersten Album eine Entwickung gab. Zum ersten ist unsere Technik besser geworden: Zu Beginn war es nicht leicht, aber nun ist es einfacher für uns, unsere Emotionen in Musik zu transferieren. Das ist fantastisch, Katrin, glaub mir! Zweitens: Es gibt mehr Arrangements, Harmonien, Gesangslinien usw. Dieses Album ist gewiss sehr reichhaltig. Außerdem hat „New Era Pt. 2“ mehr Power. Diesmal hatten wir eine sehr gute Produktion, einen starken Sound. Wir hatten Glück, mit Danilo, unserem Tocntechniker, arbeiten zu können. Er ist sehr professionell! Es haben sich also so einige Dinge bei Derdian geändert.

K: Ist mit „New Era Pt. 2 ? War of the Gods“ die „New Era“-Story eigentlich abgeschlossen? Jedenfalls sagte mir Garry in unserem letzten Derdian-Interview, dass diese Geschichte zwei Teile umfassen soll…

Henry: Ja, zu Beginn sollte „New Era“ eine Saga mit nur zwei Kapiteln sein. Am Ende haben wir jedoch verstanden, dass es noch so viele Dinge zu erzählen gibt, dass die Saga eigentlich noch viel länger ist, also musste noch ein weiteres Kapitel her. Und wir haben eine Menge Songs dazu geschrieben, also sollen alle unsere Fans rund um die Welt die Gelegenheit bekommen, sie zu hören. Es wird also einen dritten Teil geben: „New Era Pt. 3 – … SECRET !!! Hahaha !

K: Euer neues Album ist ja bei Magna Carta erschienen. Das hat mich ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, da MC ja eher ein Proglabel ist, und ihr nicht wirklich eine Progband seid. Aber nichtsdestrotz: Alles Gute zu diesem großartigen Deal! Wie seid ihr denn mit diesem Label in Kontakt gekommen, und was meinst du, wird diese Kooperation bringen?

Henry: Danke für die Glückwünsche, Katrin. Wir hatten das Glück, von Magna Carta kontaktiert zu werden. Sie haben uns auf Myspace gefunden und unsere Musik hat ihnen gefallen. Wir haben viele Myspace-Kontakte und Freunde, die uns jeden Tag viele positive Kommentare schreiben, also haben sie entschieden, uns zu kontaktieren, ob wir denn nicht an einer Kooperation interessiert seien. Natürlich haben wir eingewilligt. Magna Carta ist ein tolles Label, welches schon seit über 20 Jahren in der Metalszene arbeitet. Wir denken also, dass dies eine großartige Chance für Derdian ist, ein ganzes Stück weiter zu kommen. Kein Zweifel, dass wir große Hoffnungen in diese Zusammenarbeit setzen, und derzeit sind wir ziemlich glücklich damit. Magna Carta arbeitet auch sehr gut für unsere Promotion.

K: Glaubst du, dass es für euch dank Magna Carta möglich sein wird, auch außerhalb Italiens auf euch aufmerksam zu machen? Und damit meine ich selbstverständlich auch Livegigs in anderen Ländern. ist in dieser Hinsicht vielleicht schon was geplant?

Derdian’s Enrico (Henry) 2007Henry: Ich weiß noch nicht was die nächsten Schritte der Band sein werden, aber zur Zeit suchen wir nach einer Booking-Agentur, um eine Tour zu planen, und Magna Carta hilft uns dabei, eine zu finden. Aber es ist noch zu früh, um darüber Aussagen zu machen, da alle Booking-Agenturen zunächst Zusagen über die Tourbegleiter haben wollen. Wir müssen also noch ein paar Wochen abwarten, um hier genaue Aussagen machen zu können. Und unsere Musik muss auch erstmal viele Leute erreichen, denke ich. Derzeit sind also noch keine Livetermine geplant.

Was haltet ihr denn dieser Tage von Rhapsody (of Fire)? Ich glaube ja, dass sie den Bogen mit ihrem pompigen Megabombast-Zeug mittlerweile ein wenig überspannt haben. Was meinst du?

Henry: Wir mögen die ersten vier Rhapsody-Alben. Diese Band war uns schon immer eine Quelle der Inspiration. Ich persönlich mag das neue Material nicht so sehr, aber dennoch höre ich mir die älteren Sachen nach wie vor gerne an. Sie sind immer noch eine meiner Lieblingsbands. Ich kann mich noch gut an einen Auftrit hier in Mailand erinnern: Nach der Show hatte ich die Gelegenheit, Luca Turilli persönlich unsere Demoscheibe „Revenge“ in die Hand zu drücken. Es war toll, mit ihm über unsere Musik zu plauschen.

Wenn Derdian nun ein immens hohes Budget hätten, wofür würdest du es ausgeben? Ein ganzes Sinfonieorchester? Eine Welttour? Einen international renommierten Chor mit über 100 Personen? Einen „New Era“-Film? Oder was ganz anderes…?

Henry: Ohne Zweifel, Katrin: ein Orchester kommt uns nicht ins Haus, denn wir wollen unseren Sound recht heavy und durchschlagskräftig belassen… daher soll es für uns ebenso keinen großen Chor geben. Ich plädiere also für die Welttour und den Film! Es wäre echt ein Traum für uns, die eigene Saga in Widescreen und am Anfang mit einem „A George Lucas Film“ zu sehen !!! Ahahaa!

Vielen Dank!

Henry.

Doch was sagt eigentlich der Master of Disaster zu dieser ganzen Geschichte?

Martin:Nun liefern unsere italienischen Freunde mit „New era Pt. 2 (War of the Gods)“ die Fortsetzung in Form eines neuen Longplayers ab, der sich stilistisch nicht gravierend vom Vorgänger unterscheidet, aber doch in manchen Belangen eine Weiterentwicklung darstellt. DERDIAN verstehen es immer geschickter, verschiedene benachbarte Einflüsse miteinander zu einem sehr flüssigen, leicht konsumierbaren und doch alles andere als oberflächlichen Gesamtklang zu vermischen. […] es gibt auch weniger fesselnde Momente auf „New era Pt. 2 (War of the Gods)“. Da schleichen sich schon hin und wieder einige Längen und Banalitäten ein, manchmal scheinen DERDIAN geradezu kreative Auszeiten zu nehmen, in denen die kostbare Spielzeit mit Symphonic Metal von der Stange tot geschlagen wird. Gerade im Gitarrenbereich fehlt es immer wieder an zündenden Einfällen, die Klampfen übernehmen für meinen Geschmack viel zu selten die Initiative. Manchmal fehlt es auch an dramaturgischer Dichte und Intensität, dann plätschert die Platte auch mal ein paar Minuten schmerzlich unaufgeregt vor sich hin…

Naja, vielleicht noch ein paar Hördurchgänge mehr, Martin, dann klappt’s auch mit den so genannten „weniger dramaturgisch dichten“ Passagen… 😉
Aber man kann ja nicht immer einer Meinung sein, nicht wahr, Herr Kollege?

Links:
Martins Ansichten zu Derdians „New Era Pt. 2…“ in voller Pracht @ Metal2metal.de
Offizielle Derdian-Homepage
Derdian @ Myspace

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