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DAWN OF PERCEPTION: „The Perishing Silence“

19. Mai 2008

Dawn of Perception aus dem thüringischen Hildburghausen machen melodischen Death Metal. Genau genommen ist das Melodic Death Metal wie ihn andere nicht (mehr) spielen: treibend brachial, dennoch technisch anspruchsvoll; mit eingängigen, zugleich aber unverbraucht klingenden Melodien und vor allem ohne keyboardgeklimperte Schnörkel!

DAWN OF PERCEPTION: “The Perishing Silence”
(VÖ: April 2008)
DAWN OF PERCEPTION: “The Perishing Silence” (2008)
1. The Perishing Silence
2. Wings Unleashed
3. Requiem
4. My Ghost Of Desolation
5. Cast In Agony
6. Halo Of Nails

Gab es auf der (mittlerweile kostenlos herunterladbaren) ersten EP „Fragments“ noch Experimente mit Klargesang und Akustikgitarren, so konzentriert sich der Vierer mit dem zweiten Werk „The Perishing Silence“ auf das Wesentliche. Denn nach einem kleinen aber feinen, nostalgisch anmutenden Intro gibt es hier in Form von „Wings Unleashed“ einen Opener, der klar die Richtung weist: Drücken soll es! Heaviness mit allen Varianten der extremen Vocals stehen im Vordergrund. Und dabei schafft die Band es auch noch, einen wahnsinnig ohrwurmigen Einstieg abzuliefern. Meine anfänglichen Befürchtungen, Dawn of Perception würden bei der Produktion von Jacob Hansen (u.a. Volbeat, Communic, Mercenary etc.) in „Schlabberhosen“-Melodeath mit allen möglichen modernem Schnickschnack abdriften, kann man nun als falschen Alarm abtun. Die Band hat es wirklich irgendwie geschafft, die angenehm oldschoolig anmutenden Kompositionen, die schon auf „Fragments“ Freunde von At the Gates, frühen In Flames und Dark Tranquility begeisern konnten, in eine brachiale, druckvolle Produktion zu pressen. Ich nehme mal an, das war für die neue EP „The Perishing Silence“ alles so geplant und hole mir hierzu die Meinung des Gitarristen Benjamin Rodigas ein…

Benjamin: Ja, das war durchaus so geplant, wir hatten ja die erste CD komplett in Eigenregie aufgenommen, mit der neuen Scheibe wollten wir einfach etwas an Professionalität zulegen und eben auch in einem richtigen Studio aufnehmen. Im Nachhinein waren wir nicht ganz so zufrieden mit der Produktion der ersten EP. Jacob Hansen hat die CD allerdings nur gemastert. Wir wollten einfach dass jemand der Platte noch den letzten Feinschliff gibt, was ja denke ich auch gelungen ist. Und von modernem Schnickschnack ist ja nichts zu hören, oder? 😉

Es gab viele Kritiker, die sich vor allem an Gesang und Produktion der ersten Scheibe „Fragments“ gestört haben. Beides wurde ja nun mit „The Perishing Silence“ stark „novelliert“. Ich für meinen Teil finde jedoch, dass vor allem bei eurer ersten EP diese oldschoolige Note richtig geil herüber kam, wenn auch vielleicht unfreiwillig… Steht man als Band auch einem externen Druck gegenüber, der da sagt: „Um Platten zu verkaufen, muss man zeitgemäß klingen.“?

Benjamin: Naja, es ist ja immer ein schmaler Grat auf dem man da wandelt. Wir haben auf jeden Fall nicht die Absicht, irgendwie gezwungen zeitgemäß zu klingen nur um mehr Leute zu erreichen. Dawn of Perception 2008Ich sehe es einfach als eine Weiterentwicklung unseres Sounds und dazu gehört eben auch eine gute Produktion. Wir sind ja auch keine Oldschool-Puristen die sich neuen Dingen verschließen, ganz im Gegenteil. Ich denke wir haben einfach unseren Stil gefunden und etwas überflüssigen Ballast über Bord geworfen.

Und dass dies der Fall ist, bemerkt man spätestens beim zweiten Song „Requiem“: Zum einen groovt der Track ohne Ende, andererseits erinnert der progressiv-melodische Solopart in der Mitte des Songs an späte Death und ist somit alles andere als ein Zeuge der alten Göteborg-Death-Schule. Wer verspielten Soli nicht abgeneigt ist, kommt hier nicht nur ein mal auf seine Kosten. Frickelige Selbstbeweihräucherung ist das aber noch lange nicht. Gitarrist Benjmani stellt sein ohne Zweifel vorhandenes Können stets in den Dienst der Band und setzt die Einzeleinsätze songdienlich genau da hin, wo und wie lange es passt. Dass Dawn of Perception anno 2008 als tightes und vor allem super aufeinander eingespieltes Team agieren, beweisen zum Beispiel auch die vielen Rhythmus- und Tempowechsel innerhalb von „Cast in Agony“: Blast- und Grooveparts geben sich mit tiefem Gegrowl und stets rasiermesserscharfem Riffing die Hand und geben im Resultat den wohl am wenigsten melodischen Track auf „The Perishing Silence“ ab. Schon beinahe vergessen sind die Akustik- und Klargesang-Experimente der „Fragments“-EP. Ich wollte wissen, wie es kommt, dass man sich davon so schnell wieder getrennt hat und vor allem, mit welchen Augen heutzutage die erste EP gesehen wird…

Benjamin: Ja, wie eben schon erwähnt, wollten wir einfach eine etwas klarere Linie in unseren Sound bekommen und haben auch auf die Livetauglichkeit mehr Wert gelegt. Aber die Kompositionen sind auch teilweise unbewusst härter geworden und da hätten so manche Sachen einfach nicht mehr dazu gepasst. Heißt aber nicht, dass wir in Zukunft darauf komplett verzichten werden. Wenn es passt, werden sicher mal wieder etwas stilfremde Elemente einfließen. Der cleane Gesang hat dann auch nicht mehr wirklich zu den neuen Songs gepasst. Ich denke so ist das Konzept jetzt auch in sich stimmiger. Die erste EP würde ich vielleicht im Nachhinein als eine Stilfindung sehen und eine Art Experimentieren mit verschiedenen Ideen.

Mit der Livetauglichkeit wurde hier ein Punkt angesprochen, der mir im Bezug mit dem neuen Material auch schon aufgefallen ist: „The Perishing Silence“ muss live einfach scheiße geil herüberkommen, gerade aufgrund der Gnadenlosigkeit und Eingängigkeit, mit welchen hier zu Werke gegangen wurde. Was macht also die „Auftrittslage“? Gerade wo nun der Sommer und seine unzähligen Festivals vor der Tür steht…

Benjamin: Im Moment steht erstmal nur das Eisenwahn Festival am 26. Juli an. Dort spielen u.a. Unleashed, Sodom, Hatesphere und Disbelief. Da wird aber sicher noch einiges an Konzerten und vielleicht auch noch ein Festival dazu kommen.

Und ansonsten kann man davon ausgehen, dass in Sachen Labelsuche nun die Zeichen auf Sturm stehen und die Jungs schon viele tolle Ideen für ein erstes Album haben…!?

Benjamin: Ja, das steht jetzt an, mal schauen was sich da ergibt. Was neue Ideen betrifft sind wir im Moment ganz offen, wir werden sehen wo es sich hin entwickelt, alles ist möglich 😉 Wir wollen auf jeden Fall keine Band sein, die Songs nach Schema F produziert.

» Offizielle Seite von Dawn of Perception: dawnofperception.de
» Dawn of Perception bei MySpace: myspace.com/dawnofperception

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