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Das Internet wird abgeschaltet

4. August 2007

Ein paar Szenarien zu Elton Johns jüngster Forderung...

Von seiner Musik mag man halten was man will… und vielleicht rührte meine anfänglich entgeisterte Reaktion auf seine Forderung für fünf Jahre das Internet komplett „abzuschalten“ auch daher, weil ich nicht gerade der größte Fan seiner Musik bin… denn genau betrachtet, ist es gar nicht mal so dumm, was er da möchte… Er sprach mit dem britischen Boulevard-Blatt SUN und da hieß es aus seinem Munde am 1. August:

Elton John: “I do think it would be an incredible experiment to shut down the whole internet for five years and see what sort of art is produced over that span.”

Im Folgenden mal ein paar zusammengesponnene Was-wäre-wenn-Szenarien dazu…

Szenario 1:
Unglaublich aber wahr, die Welt gelangte zur Einsicht und hörte auf Elton John…Es gibt kein Internet mehr. Friede, Freude, Eierkuchen. Mal ehrlich, in unserem tiefsten Inneren wünschen wir es uns ja doch. Einer zieht den Stecker und alle erleiden zusammen den kollektiven Entzug.

Doch während Sir John das ganze Problem nur aus dem Blickwinkel der Kunst betrachtete, hatte die WorldWideWegschaltung das gesamte Gesellschaftsleben wieder aufblühen lassen. Angefangen bei der Kultur: Weil viele Leute wieder hingehen, werden Konzerte wieder erschwinglich, und falls nicht, gehen Leute auf die Straße und fordern es:

Elton John: “Let’s get out in the streets and march and protest instead of sitting at home and blogging.”

Und wenn selbst das nichts hilft, treffen sich die Leute im Park, reden miteinander wie in den guten alten Zeiten, als die Tiere noch sprechen konnten, ziehen sich irgendwelches Zeug rein, klampfen und singen, lachen und tanzen nackt über die Wiese. Die nicht ganz so Extrovertierten, genau, die Leute, die uns bei Online-Spielen mit Namen wie Thor_Donnergott oder LadyAlhana über den Weg liefen, in Wirklichkeit aber bepickelter, übergewichtiger Thorsten und graue Maus Anne heißen, treffen wir in den Bibliotheken wieder. Orks und humanoide Bösewichte werden Macht der Sehkraft und schwarzer Lettern auf weißem Grund gejagt.

Doch nicht nur die sieht man in den Bücherhallen wieder. Top-Manager haben es sich mit Kaffee, Keksen und einer warmen Decke zwischen den Regalen gemütlich gemacht, die einzelnen Blätter der Tageszeitungen machen unter ihnen die Runde. Die Bibliothekarin kommt vorbei. „Und, was gibt’s Neues???“, fragt der einer der Herren und gespannte Blicke der anderen haften an der Mitarbeiterin. „Nun, soeben kam ein neuer Band aus unserer Bienenzüchter-Reihe rein.“ Drei der Manager springen auf, da sie einen Wettbewerbsvorteil wittern…

Wirtschaftlich haben es vor allem die kleinen Fische nun schwer, denn kostengünstiges, schnelles und ökonomisches Veröffentlichen jedweder Information, das Erreichen sooo vieler Leute, das ist jetzt nicht mehr. Aus den großen Globalisierungsplänen wird jetzt erstmal nichts mehr, Gesundschrumpfen bis vor die Haustür ist angesagt.
Eigentlich hab ich davon nicht viel Ahnung… Deshalb schnell weiter zum nächsten Szenario! 😉

Szenario 2:
Unglaublich aber wahr, die Welt gelangte zur Einsicht und hörte auf Elton John…Es gibt kein Internet mehr. Pech für John: Es gibt nach wie vor das Fernsehen. Das freut sich natürlich nen Ast. Mal ehrlich. Wir sind auf einer Art Treppe. Warum sollen wir von unserer oberen Stufe, die da Internet heißt und nun irgendwie kaputt ist, auf die erste Stufe zurückstolpern, wenn der Weg des geringsten Widerstandes nur eine Stufe zurückliegt? Dieser geringe Widerstand heißt: Fernseh-Berieselung. Da niemand noch andere Medien als das Fernsehen nutzt, ist nun auch bei Pro Sieben und Sat 1 wieder Geld für Nachrichtensendungen da. Man hat sogar so viel Pulver, dass man meint, dass es ganz nett wäre, die News des Tages mit Special Effects anzureichern. Die News bekommen einen feinen Hollywood-Anstrich, eine prima Idee! Die Leute meinen somit, sich „real“ wie Hollywood verhalten zu müssen, sie verhalten sich wie Hollywood… und hurra, die Nachrichten zeigen endlich mal wieder die Realität!

Szenario 3:
Sir John ist frustriert. Niemand wollte sich freiwillig seinem tollkühnen Internetabschaltungsunterfangen anschließen. Mit der Musik klappt’s ja schon länger nicht mehr so gut. Jahrelang feilt er an einem Plan, knüpft geschickt Kontakte und gelangt schließlich undercover in die tiefsten Regionen des World Wide Web Consortiums, macht die alle Internet-Serverstandorte ausfindig und ihm gelingt schließlich der ultimative Internet-Supergau. Das Internet ist Geschichte…

Doch auch diesmal Pech für John: Das Internet wurde während seines ganzen Bestehens, ausgehend von „den eigenen Reihen“, konstant gehackt und kopiert, und nebenbei noch verbessert. Das Internet ist ein grobmaschiges Fischernetz, darunter lag schon immer die Matrix… Ätsch, Sir John. Zugegeben, er hat noch mal eine riesige Schlagzeile, sein letztes frustriertes Album geht in Richtung misanthropischer Black Metal und verkauft sich trotzdem nicht sehr gut. Ganz Ritter-like stürzt er sich schließlich in sein eigenes Schwert.

Szenario 4:
Das Internet bleibt und Elton John hat sich mal wieder gehörig zum Obst gemacht.

…Denn hat er nicht auch früher in diesem Jahr angekündigt, seinen gesamten Backkatalog als „paid download“ ins Netz stellen zu wollen?

erlesen bei: Originalartikel in der SUN, Planet Punk, gulli, RudiMenteres, Zornröschen, BloggingTom, Schmollo, blackevil, blogcopter, from hades, Wissen belastet, stohl.de

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