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Das Beste zum Schluss: unsere Alben des Jahres 2015 (Teil 1)

30. Dezember 2015

2015 war so einiges tipptopp. Und da Musik nun mal die schönste Nebensache der Welt ist, kommen wir am Spiel, wer denn das beste Album des Jahres auf die Menschheit losgelassen hat, natürlich nicht vorbei. Wir denken, es gibt es nicht, das Album der Alben. Drum haben wir uns in der Redaktion viergeteilt und unsere herzallerliebsten Scheiben in zwei Beiträgen zusammengefasst. Es eröffnen Kristin Carlshon und Katrin Kropf. Morgen – kurz vorm Raketenkonfetti – folgt der zweite Teil. Danke, für eure Aufmerksamkeit, wie immer! Kommt gut ins neue Jahr. Am besten natürlich mit guter Musik.

 

TOP 5: KRISTIN CARLSHON

Björk - Vulnicura

Björk – Vulnicura

Platz Nr. 5: Wer einmal in die Tiefen von Björks Seele hinabgestiegen ist, der bleibt ein Leben lang darin gefangen. Auf „Vulnicura“ verarbeitet sie die Trennung von Matthew Barney, legt dabei ihr Innerstes offen und wird dadurch so nahbar wie niemals zuvor. Das Album ist ein emotionales Ungetüm, das sämtliche Gefühlszustände in einer derartigen Intensität spiegelt, dass man selbst Teil von Björks Zerissenheit, Verzweiflung und Wiederauferstehung wird. „Black Lake“, das 10-minütige Kernstück, bringt mich jedenfalls zum Heulen, wann immer ich es höre. Auch zuviel für Björk selbst; sie wird „Vulnicura“ vorerst nicht mehr live aufführen.

 

The Districts - A Flourish And Spoil

The Districts – A Flourish And Spoil

Platz Nr. 4: The Districts stammen aus Pennsylvania und haben mit Ihrem Debüt „A Flourish And A Spoil“ genug Eindruck hinterlassen, um auf den vorderen Rängen mitzuspielen. Ihre Mischung aus Classic Rock, Alternative, Blueseinflüssen und extrem eingängigen Melodien klingt wie ein Wiedersehen mit Freunden. Nur besser als man es sich vorgestellt hat. Die Platte strengt nicht an, rumpelt lustig vor sich hin und lässt nur gute Laune zurück. Ich bin gespannt auf mehr!

 

Jay-Jay Johanson - Opium

Jay-Jay Johanson – Opium

Platz Nr. 3: Etwas ruhiger, aber nicht minder einnehmend geht da Jay-Jay Johanson vor. Der Schwede mischt Folk mit elektronischem Gefrickel und seiner wunderschönen warmen Stimme. „Opium“ lässt dich tatsächlich in einen kleinen Rausch sinken. Alles fließt, alles ist gut. Eine Platte, die viel Liebe für´s Detail, sowie für die Musik selbst in sich trägt und damit ganz viel Wärme ausstrahlt. Und wenn einem diese Wärme von Jay-Jay Johanson sanft ins Ohr geschmeichelt wird, dann geschieht das loslassen und treiben lassen von ganz allein.

 

The Libertines - Anthems for Doomed Youth

The Libertines – Anthems for Doomed Youth

Platz Nr. 2: Wie lange musste man nochmal auf ein neues Album der Libertines warten? Ach ja, ca. zehn Jahre. Die Gründe hierfür sind wohl Jedem bekannt. Aber Peter Doherty und Carl Barât waren schon immer für die ein oder andere Überraschung gut. „Anthems For Doomed Youth“ entstand in kürzester Zeit und präsentiert The Libertines, wie sie traumhafter nicht sein könnten. Älter, aber nicht wirklich erwachsen – und immer noch in der Lage einem liebevoll ins Kreuz zu treten. Ähnlich wie Björk handelt es sich bei den Briten um eine intensive Langzeitliebe, bei der objektive Kritik meinerseits leider nicht möglich ist. Sonst müsste ich wahrscheinlich jemandem ins Kreuz treten. :)

 

Wanda - Bussi

Wanda – Bussi

Platz Nr. 1: Es war Herbst, als Wanda mit „Bussi“ ihr zweites Album veröffentlichten. Popmusik mit viel Amore, so beschreiben die Wiener sich selbst. Mittlerweile ist der Dezember beinahe vorüber und „Bussi“ rotiert noch immer täglich. Und weil Wanda einen mit soviel Amore, Charme und Witz durch den Alltag begleiten, muss man sie einfach sehr lieb haben. Was ihre Faszination ausmacht, ist eigentlich recht schnell erzählt: verdrehte Poesie, viel Melodie, viel Harmonie. Dabei wirken Wanda zu allem Überfluss auch immer noch so unschuldig direkt und sympathisch. Man öffnet sein Herz liebend gern für sie, denn: „1, 2, 3, 4 – es ist so schön bei dir!“

 

Randnotiz: Manchmal denkt man, dass man nichtmal fünf Alben zusammenkriegt – und am Ende wird dann doch wieder gewürfelt. Neben den Erstplatzierten waren auch die Platten von Refused, Editors, Florence And The Machine, Balthazar, Waxahatchee, Karin Park, SoKo, Blur, Opez und Pedro Lehmann ziemlich weit vorne dabei.

Ein Ereignis, auf das ich mich schon jetzt freue, ist die Rückkehr von Turbonegro: Denim, dicke behaarte Bäuche und Death Punk. Was kann man sich für 2016 mehr wünschen!

 

Top 5 : KATRIN KROPF

Romano - Jenseis von Köpenick

Romano – Jenseis von Köpenick

Platz Nr. 5: Es gibt Musik, die muss man nicht ernst nehmen, die darf einfach Spaß machen. Schmal ist dann der Grat zur Trivialität oder Lächerlichkeit. Auf dem ersten Blick scheint der Berliner Roman Geike aka Romano auf diesem Grat sehr wackelig unterwegs zu sein. Schaut man jedoch genau hin, sieht man, dass er sich mit breitem Grinsen tänzelnd an Felsvorsprüngen entlang hangelt und leichten Fußes und doch mit lässigem Rappergang von Plateau zu Plateau hopst. Diese Plateaus heißen Hip Hop, Pop, Electro und sogar fast Metal. Im Frühjahr sorgte sein Video zu „Metalkutte“ in der Heavyszene für einige Diskussion: eine gerappte feine Bandauswahl, mit reichlich Klischees und Augenzwinkern vor Plattenbauhintergrund. Das Nachfolgealbum zum Trash-Schlager-Debut kam dieses Jahr im September heraus, heißt „Jenseits von Köpenick“ und kokettiert mit fetten Beats, Ohrwurmgaranten und sympathischer Nachbarschaftslyrik, spaßig und aufrichtig.

 

Kontinuum - Kyrr

Kontinuum – Kyrr

Platz Nr. 4: Das nordische Pendant zum Wüstenrock heißt eigentlich wie? Klippen-, Wind- und Scheißwetter-Rock vielleicht!? Trifft auf jeden Fall auf die Isländer Kontinuum zu, die bisher eher nach Post-(Black-)Metal klangen und nun in eine rockigere Richtung gehen, eine Entwicklung, die auch die Landsleute Sólstafir erfolgreich durchgemacht haben. Und auch bei Kontinuum klappt der Wandel. Das isländische Wort „Kyrr“ heißt so viel wie ’still‘ oder ‚ruhig‘ und eine gewisse Melancholie ist dem Album nicht abzusprechen, dennoch hat das halb auf isländisch, halb auf englisch gesungene Werk einiges an Härte vorzuweisen, wenn auch atmosphärischer als noch zu „Earth Blood Magic“-Zeiten. Besonders gelungen sind dabei die Stücke in ihrer Muttersprache, scheinbar prädestiniert für solche Töne. Klar, dass da auch ein paar schroffe Klippen, Schnee und Wind ins Lyricvideo zu „Hliðargötu-heimsveldi“ müssen:

 

Eliza Rickman - Footnotes for the Spring

Eliza Rickman – Footnotes for the Spring

Platz Nr. 3: Wer etwas mit Kate Bush anfangen kann, ihren großen Tagen aber ein bisschen hintertrauert, sollet sich definitiv mal Eliza Rickman anhören. Mit „Footnotes for the Spring“ hat sie dieses Jahr ihr zweites Album veröffentlicht, was nicht gar so stark ausfällt wie das magische Debüt, aber immer noch diese zauberhafte Stimme im Zentrum hat. Mit Leichtigkeit beschreibt sie umfangreiche und märchenhaft schöne Melodiebögen wie in „Lark of My Heart“ und klingt hier und da wie eine Disneyprinzessin mit bösen Hintergedanken. Diese manifestieren sich nicht selten in etwas verschrobenen Texten und leicht skurril klingenden Instrumentierungen seitens Akkordzither, Banjo, Streichern und zum Teil recht angeschrägt tönenden Glöckchen und Glockenspielen. Live fällt ihre Instrumentierung noch spärlicher aus, was den Fokus allerdings noch mehr auf ihre wunderbare Stimme lenkt, die sie immer und überall abrufen kann und was auch durchaus hypnotisierend wirkt.

 

Playfellow - Ephraim's House

Playfellow – Ephraim’s House

Platz Nr. 2: Diese fünf Stücke haben es in sich. „Ephraim’s House“ von Playfellow sieht auf dem ersten Blick erstmal aus wie eine EP, aber hinter diesen 34 Minuten steckt der Soundtrack zu diesem seltsamen Winter. Dunkel, kühl und nass, aber nicht finster und eisig. Jeder einzelne Song nimmt sich den Raum und die Zeit, den er braucht und hat seine Besonderheiten, die sich rasch im Ohr festklammern, so startet das Album erstmal gemächlich mit „Fears and Cities“, nur um dann irgendwann im Stück mit einem Hammerdrive vorzupreschen. Playfellow sind eine Einheit. Ein bisschen Radiohead, ein bisschen Long Distance Calling und ganz viel sie selbst.

 

Everything Everything - Get to Heaven

Everything Everything – Get to Heaven

Platz Nr. 1: Die Nummer eins fiel mir dieses Jahr nicht schwer. Wie der Bandname vermuten lässt, vereinen Everything Everything eigentlich so ziemlich alles in sich, was die populäre derzeit Musik hergibt: Diskopop trifft auf Electronica, Hip Hop und Indie, das Ganze wahlweise mit Falsettgesang oder gerappt und im Falle ihres 2015er Hitmonsters Get to Heaven“ stets in unverschämt guter Laune. Ganz in Kontrast zu den recht ernsten Texten, die zynisch die großen Übel unseres Weltgeschehens anprangern. Damit kann man sich mal beschäftigen. Aber spätestens beim nächsten Hören ist das Ding dann wieder das Ohrwurmviech vom ersten mal und man kann damit auch hervorragend die Wohnung sauber machen, wenn man mal wieder muss.

Schadepomade 2015: Mit den jeweils neuen Scheiben von Editors, Mumford & Sons und Wanda bin ich nicht warm geworden, obwohl ich mich derbe auf die neuen Releases gefreut hatte. Die einen klingen einfach nur seicht, die anderen scheiße beliebig weil sie ihre Folkinstrumente in die Ecke gestellt haben und die anderen machten eine blasse Schwarz-weiß-Kopie von sich selbst. Nicht schön.
Hoffnungen 2016: ich freu mich vor allem auf die neuen Platten von Leipzig’s finest, den beiden grenzerweiternden Metal/Rock-Kapellen Disillusion und Dark Suns und dann sollen ja auch Anfang des Jahres neue Scheiben von Get Well Soon und Me And My Drummer kommen. Yummy!

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