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Das Beste zum Schluss: unsere Alben des Jahres 2014

31. Dezember 2014

Mit Einschränkungen ist das ja immer so eine Sache. Darum sind Listen, in denen man seine heißgeliebte Musik limitieren muss auch der größte Feind eines jeden Musikliebhabers. Denn mal ehrlich, bei allem Lamentieren wurden dieses Jahr dann doch ganz fabelhafte Alben unters Volk gebracht. Was uns wiederum zu der Feststellung führt, dass Listen eigentlich nur zum Aufzählen und Festhalten der Dinge, die man mit in den Urlaub nimmt, einkaufen muss oder zu erledigen hat, taugen. Wir haben es trotzdem getan! Begrenzt auf fünf Alben, die für jede unserer geballten musik-affinen Frauen-Fusion die besten, die eindringlichsten und schlichtweg besten Veröffentlichungen in 2014 darstellen. Und um eins vorweg zu nehmen: Leicht haben wir es uns nicht gemacht. Fünf Alben können letztlich doch recht wenig sein. Nach langem Durchhören und Aussortieren präsentieren wir die perfekte Auswahl für das vergangene Jahr.
 

TOP 5: KRISTIN CARLSHON

Lamb - Backspace Unwind

Lamb – Backspace Unwind

Platz Nr. 5

Den Anfang einer Liste, die aufgrund Ihrer Kürze mein Herz bluten lässt, machen Lamb und „Backspace Unwind“. Wieso weshalb warum? Weil Lamb all das vereinen, was gleichartige Acts wie Portishead  beispielsweise seit Jahren nicht mehr auf die Reihe bekommen: elektronische Beats und Emotionen so zu vereinen, dass man ganz darin aufgehen kann. Lou Rhodes und Andy Barlow setzen ihr Ying-und Yang Spiel fort. Manchesters Finest punkten eigentlich in jeder Hinsicht. Tanzbar, treibend – aber auch gefühlvoll und tiefgründig. Und dann noch ein Song, der den Nagel auf den Kopf trifft:


 

Damon Albarn - Everyday Robots

Damon Albarn – Everyday Robots

Platz Nr. 4

Damon Albarn und „Everyday Robots“. Auch hier wieder die Frage: warum denn den schluffigen Blur-Frontmann? Ja, eben weil er so schön schluffig ist. Und immer mit Herzblut dabei, egal was er anpackt. Nach diversen Projekten (u.a. Gorillaz und The Good The Bad And The Queen) erschien dieses Jahr sein erstes richtiges Soloalbum. Und das fiel ziemlich ruhig aus. Weit vom (besten!) knackigen Britpop seiner Band Blur entfernt, stromert Herr Albarn lieber in entspannten Gefilden. Etwas spröde wirkt „Everyday Robots“ auf den ersten Blick. Aber auch sehr intim. Und gefüllt mit wunderbaren Melodien ist sein Solodebüt ebenfalls. Alles richtig gemacht. Aber das war auch nicht anders zu erwarten. „Heavy Seas Of Love“ ist jedenfalls mein Lieblingssong.


 

Blaudzun - Promises Of No Man´s Land

Blaudzun – Promises Of No Man´s Land

Platz Nr. 3

Von mir bereits Anfang des Jahres vollmundig als das Album 2014 angekündigt, hat es Blaudzun nun doch „nur“ auf den dritten Rang geschafft. Aber er wird es mir verzeihen. Denn „Promises Of No Man´s Land“ ist auch nach hundertmaligem Hören einfach perfekt. Vom ersten bis zum letzten Song. Keine Durchhänger, kein Füllmaterial – alles harmonisch und bis ins Detail abgestimmt. Eine Perle jagt die nächste; das Album ist ein musikalisches Feuerwerk! Dass der Niederländer in seiner Heimat den Status eines Popstars inne hat, wundert mich spätestens seit diesem Album nicht mehr. Folk meets Pop – und das auf eine derart erfrischend losgelöste Weise – man muss Blaudzun einfach lieben!


 

Phillip Boa And The Voodooclub - Bleach House

Phillip Boa And The Voodooclub – Bleach House

Platz Nr. 2

Was soll ich noch groß sagen. Phillip Boa ist einer der größten musikalischen Idole, die man sein Eigen nennen kann. Stets unangepasst, immer irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn pendelnd. Nie im Mainstream angekommen, nie der Versuchung unterlegen mithilfe der schillernden Medienlandschaft mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Auch nach knapp 30 Jahren im Musikgeschäft ist Boa Pionier geblieben. Die letzte Bastion, ein Freigeist, dessen Musik sich kaum in Worte fassen lässt. Liebe oder Hass. So kurzsichtig es klingen mag; Phillip Boa mögen die Wenigsten. Gut, dass die Wenigen einen Kern bilden, der stärker als die Meinung der Öffentlichkeit ist. „Bleach House“ ist vielleicht das beste Album seines bisherigen Schaffens (ich betone das an dieser Stelle nochmals, und ja – ich meine das durchaus ernst!). Wieso weshalb warum führe ich nicht weiter aus. Wer Phillip Boa so sehr liebt wie ich, wird ohnehin verstehen warum.


 

INVSN

INVSN

Platz Nr. 1

Das beste Album 2014. Eine wirklich schwere Entscheidung. Hat der Boa doch die meiste Zeit in meinen Ohren für sich beansprucht. Meine Vorliebe für 80er-Klänge und einen ebenfalls alten Bekannten hat sich dann doch durchgesetzt. INVSN kommen aus Umeå, Schweden. Kopf der Band ist Dennis Lyxzén (Refused, The International Noise Conspiracy, AC4). Dieser benannte seine schwedischsprachige Formation The Lost Patrol Band erst in Invasionen, dann aufgrund diverser Unstimmigkeiten kurzerhand in INVSN um. Das Debütalbum folgte in diesem Frühling. Lyxzén und seine Band überraschen mit Ideenreichtum, der seinesgleichen sucht. Irgendwie sind die 80er inklusive The Cure, New Order und Joy Division zurück, andererseits klingt nichts an INVSN angestaubt und überholt. Auch hier – und mehr als auf jedem anderen Album dieser Fünferliste gilt: jeder Song ist einfach perfekt! Für Lyxzéns Hardcore-Background erstaunlich melodisch und emotional. Er selbst beschreibt den Unterschied zwischen AC4 und INVSN wie folgt: „Bei AC4 habe ich von brennenden Polizeiautos gesungen, bei INVSN singe ich darüber, wie ich mich dabei fühle brennende Polizeiautos zu sehen.“ Bestechende Logik, bestechender Sound, unfassbar grandiose Liveperformance. Dauerhaft in meiner Favouritenplaylist (mit jedem einzelnen Song) vertreten und daher ohne Zweifel mein absoluter Liebling dieses Jahr!

Randnotiz
Welche Platten dieses Jahr sonst noch toll waren: Jack White, Morrissey, The Melvins, Hundreds, Warpaint, Karen O, Sharon van Etten, Einar Stray Orchestra, Hundred Waters, Pixies, Mogwai, Breton und Fallulah.

Worauf ich mich jetzt schon freue: neue Veröffentlichungen in 2015 von Man Without Country, Chromatics, The Libertines, die lange angekündigte erste EP von Xul Zolar und – die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern – Refused!


 

TOP 5: KATRIN KROPF

Klaus Johann Grobe - Im Sinne der Zeit

Klaus Johann Grobe – Im Sinne der Zeit

Platz Nr. 5

Drums, Bass, Keyboards… Nicht gerade die typische Rockbesetzung, aber Klaus Johann Grobe sind auch nicht gerade typisch. Und machen eigentlich auch gar keine Rockmusik. Nach eigenen Angaben handelt es sich hierbei um ein „Neo Kraut Romantic Duo“, wobei diese Krauts eigentlich auch gar keine sind. Sevi Landolt (Orgel/Moog/Synths/Vocals) und Daniel Bachmann (Drums/Vocals) kommen aus der Schweiz und klingen tatsächlich auf ihrem genialen Debütalbum „Im Sinne der Zeit“ krautig ohne aber je eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Trotzdem tönt die Platte durchweg im positiven Sinne retro-hypnotisch, die deutschsprachigen Texte sind schrullig-launisch und die Atmosphäre erinnert hier und da angenehm aber unaufdringlich an frühe… also ganz frühe… Pink Floyd. KJG bleiben dennoch auf dem Boden eures Lieblingskneipenclubs und rotieren mollig-warm auf eurem Plattenteller.


 

Amalthea - In The Woods

Amalthea – In The Woods

Platz Nr. 4

Laut. Leise. Heftig. Fragil. Ende Januar kam eigentlich schon der perfekte Herbstsoundtrack heraus. „In The Woods“ der schwedischen Band Amalthea tröpfelt und tost zugleich ohne sich dabei selbst im Weg zu stehen. Wer nichts gegen Löwengebrüll und melancholische Klargesänge hat, erlebt eine wunderbare Reise durch Longtracks der Natur und introvertierter Emotionslagen. Für Fans von EF, The Ocean Collective oder die Moment-Of-Collapse-Labelkollegen Light Bearer ein Muss.


 

Coogans Bluff - Gettin' Dizzy

Coogans Bluff – Gettin‘ Dizzy

Platz Nr. 3

Eigentlich gibt’s nur ein allumfassendes Wort für Coogans Bluff: FETT. Die Rostocker, die eigentlich ständig live unterwegs sind, haben mit ihrem im März erschienenen neuen Album „Gettin‘ Dizzy“ die energetische Bühnenpräsenz enorm vieler Auftritte in Vinyl geritzt. Freche Fusionklänge treffen auf Soulmusik und eine unerhörte Portion Grooove… genau, mit drei „o“. Eine vortreffliche Fügung, dass Bassist Clemens nach wie vor auch am Gesang wie ein getroffener Hund jault und bellt. A-hoooo!


 

Wanda - Amore

Wanda – Amore

Platz Nr. 2

Wesentlich direkter präsentierte sich das Debüt der Österreicher Wanda. „Austropop“ brandmarkt der Kreuzer, das Ohr hört hier musikalisch aber eher Britpop á la The Kinks heraus. Klar, die Texte sind auf Deutsch und mit reichlich Wiener Schmäh und entprechender Klangfarbe versehen, aber genau das macht das Debütalbum „Amore“ so sympathisch und authentisch. Mit „Bologna“ ist wohl einer DER Überohrwürmer des Jahres 2014 entstanden und spätestens beim Kracher „Luzia“ kann man einfach nicht mehr still sitzen. Die Scheibe nimmt allerdings genau dann das Tempo heraus, wenn es nötig ist. Wein-, Schnaps- und Bierseligkeit atmen eine handvoll der 12 Stücke und sind dabei weder trunkene Partyknaller noch trostsuchende Selbstmitleidselegien. Man kauft es den liebenswerten Rabauken um Markus Wanda einfach ab.


 

A Forest - Grace

A Forest – Grace

Platz Nr. 1

Aus Samen werden Blätter, werden Bäume, wird der Wald. Beim Projekt A FOREST konnte jeder mitmachen und die feine Melange aus Soul, Pop, Singer-Songwriter, Electro, Jazz und Hip Hop durch Vorbestellungen, Plays, Klicks und EP-Käufe so weit vorantreiben, dass dann im Oktober das trotz der vielen Einflüsse sehr stimmige Album „Grace“ auf Vinyl veröffentlicht werden konnte. Es ist nicht nur die rau-warme Stimme von Fabian Schütze (Kopf und Booker beim Leipziger analogsoul Label und Me And Oceans), die hier gefangennimmt, sondern auch die unabgestandenen Arrangements, die extrem fesseln können, auch noch nach vielen Hördurchgängen. Vielleicht ist „Grace“ sogar besser weil kreativer als die neueste My Brightest Diamond-Scheibe… Aber wahrscheinlich gehören beide wohl zu den besten Platten des Experimentalpop im Jahr 2014…

Randnotiz
Weitere meinerseits sehr lobenswerte 2014er Werke sind von My Brightest Diamond, Primordial, Black Lung, DYSE, Falloch, Einar Stray Orchestra, Polis, Botanist, Esben & The Witch, Nadine Maria Schmidt & Frühmorgens am Meer, Her Name Is Calla und Blueneck entstanden.

Der Sommersong des Jahres ist für mich der hübsche Titeltrack der fluffig-schönen Platte „Stay Gold“ von First Aid Kit. Von mir aus klingt der Mainstream, aber der Track darf einfach auf keiner Bullifahrt ins Grüne fehlen.

Ein paar Enttäuschungen gab es leider auch von Bands, die ich ansonsten eigentlich sehr schätze: Future Islands und Wye Oak, ansonsten eher immer Vorzeigebands aus Baltimore, haben meines Erachtens leider keine guten Platten dieses Jahr hingelegt. Bis auf wenige Songs schlafen mir bei diesen 2014er Alben leider die Ohren ein. Naja, wird hoffentlich beim nächsten mal wieder besser.

Für das Jahr 2015 freue ich mich besonders auf die neuen Releases von Cub & Wolf, Árstíðir, Two Gallants, SAFI, Myrra Ros und mal gucken was die neue Blind Guardian so kann…
 

TOP 5: JANA LEGLER

The Dø - Shake Shook Shaken

The Dø – Shake Shook Shaken

Platz Nr. 5

The Dø haben sich erneuert. Während vor drei Jahren noch ein Saxofon das herausstechende Element bei dem französisch-finnischen Duos war, so sind es nun zahlreiche elektronische Einsprengsel, die sich aus allen erdenklichen Winkeln in die Songs bohren. Die musikalische Wandlung vom Vertrackten hin zum eingängigen Poppigen ist kein Kalkül. Es ist einfach so passiert. Man hat herumexperimentiert, und das was dabei entstand, gefiel Olivia Merilahti und Dan Levy. Sie kreierten einen Sound, den viele nicht auf dem Zettel hatten. Die Band hat einiges aufs Spiel gesetzt, aber gewonnen: “Shake Shook Shaken” ist im Gesamtkontext eine ziemlich fette, abwechslungsreiche und dennoch homogene Angelegenheit geworden. Es gibt keinen ultimativen Hit, dafür fällt kein Song ab – das perfekte Album!


 

Royal Blood - Royal Blood

Royal Blood – Royal Blood

Platz Nr. 4

Royal Blood gehören in diesem Jahr zu den Abräumern aus dem Vereinigten Königreich. Bereits bevor ihr Debüt überhaupt in den Läden stand, verdrehten sie unzähligen Menschen – einschließlich uns – den Kopf. Der englische Guardian dokumentierte ihr musikalisches Schaffen zu Beginn ihrer Karriere so herrlich, da konnte man einfach nicht dran vorbeikommen. Im August war es dann endlich soweit. Ihr gleichnamiges Debüt enterte die Hitparaden: In den UK-Charts schaffte es man bis auf den Thron, es folgte ein Leben „On the Road“ und eine Nominierung für den renommierten Mercury Prize. Ein bisschen kann man die Musik, die sie verzapfen, als Garage Rock bezeichnen, andererseits nisten sie sich schamlos in ihrer eigenen Bucht ein. Teilweise jagen sie ihre Musik nämlich auf eine Art und Weise durch die Boxen wie noch niemand zuvor. Und überhaupt, wann sieht man in einer zweiköpfigen Band mal die Kombination Bass und Schlagzeug? Außerdem: Schnörkeleien sind etwas für andere. Royal Blood bevorzugen den direkten Weg, machen kurzen Prozess, und das klingt nicht nur live sondern auch auf Platte einfach nur sensationell gut. Ach ja, und die Trophäe für das Albumcover des Jahres geht ebenfalls an die beiden Herren aus Brighton!


 

Band Of Skulls - Himalayan

Band Of Skulls – Himalayan

Platz Nr. 3

Es könnte sein, dass ihr in diesem Jahr bereits irgendwo gelesen habt, dass die neue, dritte Platte von Band Of Skulls verhältnismäßig flach um die Ecke kommt. Wie bitte!? Eine der besten Garage Rock-Bands mit Blues-Einschlag und herrlichstem Wechselgesang soll vor sich hinlahmen? Ich kann nur mit der Stirn runzeln, zerreiße diese Behauptung hiermit in der Luft und halte mit allen Kräften dagegen! Bereits ihre beiden Vorgänger-Alben waren eine ziemlich windschnittige Angelegenheit, doch erst auf “Himalayan” rollt die Band aus dem englischen Southampton ihren Soundteppich erstmals so richtig aus. Sie klingen definitiv breitgefächerter als je zuvor und klingen wie eine große Band eben zu klingen hat. Niemals gab es bessere „Whoohoos“!


 

Angel Olsen - Burn Your Fire for No Witness

Angel Olsen – Burn Your Fire for No Witness

Platz Nr. 2

Um ein Haar hätte ich Angel Olsen links liegen lassen. Und eigentlich nur deshalb, weil ich eingangs davon ausging, dass nun eine der nervtötenden Olsen-Schauspiel-Geschwister nun auch singt. Als erstmals “High-Five” aus dem Indie-Radio tönte, begann ich zu stutzen. Zu schwindelerregend kam der Song um die Ecke, dass er von einem Halbtalent stammen könnte. Da musste jemand anderes dahinterstecken, und dem war auch so. Ich begann tiefer in der Biografie von Angel Olsen zu bohren, und stieß auf einen Rohdiamanten der Musik, einen Hoffnungsträger des amerikanischen Songwritings, vergleichbar mit der Qualität einer Sharon Van Etten. Kein Wunder, dass beide beim Indie Rock-Label Jagjaguwar unter Vertrag stehen. “Burn Your Fire for No Witness” erschien im Frühjahr. Auf ihrem Konzert neulich in Berlin offenbarte sie: “Manchmal trage ich derart viel Wut in mir, ich weiß gar nicht, wo ich sie überall hinstecken soll!” Dieser Satz beschreibt sie vorzüglich. Angel Olsen ist eine unangepasste Künstlerin, die etwas zu sagen hat, und nichts davon, was sie sagt, ist aus der Luft gegriffen. Sie lässt formlich die Luft knistern. So auch auf ihrem mittlerweile dritten und gelungensten Longplayer. Anspieltipps: White Fire, High & Wild.


 

alt-J - This Is All Yours

alt-J – This Is All Yours

Platz Nr. 1

Alt-J hätten sich gut gern auf den Lorbeeren ihres umjubelten Debütalbums, das zurecht mit dem renommierten Mercury Prize ausgezeichnet wurde, ausruhen können. Stattdessen lieferten sie im Herbst mit ihrem zweiten Album ein weiteres Meisterwerk ab – nicht dass man sie dabei mittlerweile in eine eindeutige Kategorie stecken kann. “This Is All Yours” ist eine Lawine, die sich alles einverleibt, die ihren Weg kreuzt, und gleichermaßen ein Mosaik, das jeder für sich selbst zusammensetzen muss. Belohnt wird man mit einem Gesamtkunstwerk, mit dem auch das schönste Ravensburger-Puzzle dieser Welt nicht einmal ansatzweise mithalten kann. Die Briten zelebrieren Musiksynthese in jeder nur denkbaren Weise. Was im ersten Moment so wirr und surreal klingt, fügt sich immer mehr zu einer Platte zusammen, die auf ihre eigene spezielle Weise alles zwischen Pop, Folk, Electronica und R´n´B bündelt. Angefangen beim viereinhalb-minütigen Lala-“Intro”, über das kuschelig-melancholische “Arrival In Nara”, das Beatmonster “Every Other Freckle”, das psychedelische “Left Hand Free”, die schönste Blockflöten-Sonate diesen Jahres “Garden Of England” – oder das R´n´B-lastige “Hunger Of The Pine” – bis hin zur folkigen Popballade “Leaving Nara”: der Albumtitel ist tatsächlich Programm. All diese feinen Soundgeflechte legen sich um die Seele. “This Is All Yours” wird eins mit dem, der in die verschlungene Welt von alt-J eintaucht.

Randnotiz
Platten, die an der Top 5-Marke kratzen: Pixies – Indie Cindy, Sharon van Etten – Are We There, Nina Persson – Animal Heart, St. Vincent – St. Vincent, My Brightest Diamond – This Is My Hand.

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